CORDELIA CHATON

Er hatte so stark getönt, dass es schon einem Röhren glich. „Bis es ein Abkommen gibt, werden wir China höllenmäßig besteuern“, hatte US-Präsident Donald Trump noch vergangene Woche gedroht. Jetzt schlägt China zurück.

Die Volksrepublik wertete den Yuan kräftig ab. Erstmals seit 2008 kostet ein Dollar wieder mehr als sieben Yuan. Das gilt als absolute Schmerzgrenze der chinesischen Notenbank. Dadurch werden die chinesischen Exporte Richtung USA billiger. Und Trump muss zuschauen. Die Wirkung seiner Strafzölle, die China doch treffen, in die Knie zwingen und zum Einlenken bewegen sollte, werden so faktisch aufgehoben. Damit scheint der Weg vorgezeichnet vom Handels- zum Währungskrieg. Trump reagierte wie so oft via Twitter. Ein solches Vorgehen werde gemeinhin als Währungsmanipulation bezeichnet, schrieb er am Montag auf dem Kurznachrichtendienst.

China versuchte lange, seine Kunstwährung als Weltwährung zu etablieren, nicht zuletzt, um die Vormachtstellung der USA zu brechen. 2016 setzte der Internationale Währungsfonds (IWF) den Yuan, von Politikern und Teilen der Wissenschaft mit seinem offiziellen Titel Renminbi (Volksgeld) bezeichnet, erstmals auf die Liste der Weltwährungen, wo er sich in der Gesellschaft von Dollar, Euro, Yen und britischem Pfund befindet. Zuvor hatte Peking signalisiert, dass es dem Yuan eine marktgerechte, freie Entwicklung gestatten würde - sich aber nicht daran gehalten. Immer wieder griff Peking ein, um den Yuan vor einem Absturz zu bewahren. Daher ist die jetzige gewollte Abwertung um so bemerkenswerter.

Eine alte Weisheit besagt, man sollte nicht die Hand beißen, die einen füttert. Im Falle der USA wäre es klug, Trump würde sich daran erinnern, das ausgerechnet das von ihm so angeprangerte China neben Japan der größte Gläubiger seines Landes ist. 2017 standen die USA bei China mit rund 980 Milliarden Euro in der Kreide. Zusammen kommen die beiden asiatischen Länder auf zwei Drittel des Volumens der US-Anleihen, die in ausländischer Hand liegen. China hat jahrelang die Exportüberschüsse in den USA investiert. Und die Chinesen haben US-Staatsanleihen aufgekauft. Schon 2018 hat sich gezeigt, welche Macht Chinas Position als Gläubiger haben kann. Allein das Gerücht, die Chinesen würden sich zurückziehen oder Staatsanleihen verkaufen, führte zu höheren Renditen von US-Staatsanleihen. Das aber bedeutet nichts anderes, als dass Schulden machen für Trump teuerer wurde.

Der US-Präsident hat außerdem durch seine Steuerreform dafür gesorgt, dass die USA noch mehr Schulden machen. Als auch das nicht mehr half, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, wollte er die US-Notenbank verpflichten, den Zins abzusenken. Doch tiefer als tief ist kaum noch möglich und so blieb es bei einer Minimalsenkung. Tatsache ist, dass Trump den Schlamassel, in dem die USA stecken, zu weiten Teilen sich selbst zuzuschreiben hat.

Die jetzige Situation ist weder für China noch für die USA wünschenswert - und auch nicht für den Rest der Welt. Bleibt zu hoffen, dass Trump sich zwischen zwei Tweets mal Konfuzius zu Gemüte führt. Der weise Chinese wusste: Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.