CLAUDE KARGER

Doch, Sie lesen richtig: Auch 2013 ist ein Wahljahr. Wenige Monate vor dem Termin für die Parlaments- und Europawahlen Ende Mai/Anfang Juni 2014 finden nämlich am 13. November die Sozialwahlen statt. Alle fünf Jahre werden bei der Gelegenheit die 60 Plenumsmitglieder der Arbeitnehmerkammer gewählt. Die vom OGBL geführte „Chambre des Salariés“ ist eigentlich die größte demokratische Gruppierung im Land, in der alle Arbeitnehmer und Rentner verpflichtend Mitglieder sind.

Zeitgleich werden in den Betrieben mit 15 oder mehr Beschäftigten die Personalvertreter bestimmt, während in den Unternehmen mit über 150 Beschäftigten die Arbeitnehmervertreter in den gemischten Betriebsräten gewählt werden.

Ein großer Moment also insbesondere für die Gewerkschaften, die nun nach und nach in den Wahlkampf einsteigen werden. Der LCGB hat seinen bereits im vergangenen November gestartet. Am Ende eines Jahres, das für den christlichen Gewerkschaftsbund gelinde gesagt „durchwachsen“ war.

Ein Jahr, das bestimmt war von den Ausläufern der Affäre um die Beschäftigungsinitiative „ProActif“, die - wir erinnern uns - Anfang Oktober 2011 zum Rücktritt des ehemaligen Präsidenten und CSV-Abgeordneten Robert Weber führte sowie zu allerlei interner Umbesetzungen. Im vergangenen März dann der Eklat um die Finanzprobleme der LCGB-Sterbekasse.

Der neue Boss Patrick Dury hatte reichlich zu tun, um intern aufzuräumen, die Truppen wieder neu zu ordnen und das Vertrauen in seine Gewerkschaft wieder aufzubauen, damit sie bei den anstehenden Sozialwahlen nicht untergeht. Böse Zungen behaupten ja, dass auch die Distanzierung von Gemeinschaftsaktionen anderer Gewerkschaften Teil der Strategie sei.

Im Oktober hatte der LCGB bekanntlich seine eigene Protestaktion gegen die Rentenreform gestartet, während OGBL, FNCTTFEL, CGFP, FGFC, Syprolux und Aleba gemeinsam auf der Place Clairefontaine ihren Unmut kund taten. Seither wird besonders zwischen OGBL und LCGB scharf geschossen.

Mitte Dezember warf OGBL-Chef Jean-Claude Reding der christlichen Konkurrenz nicht nur Respektlosigkeit vor den Majoritätsverhältnissen vor, sondern auch, bezüglich ihrer Mitgliederzahl zu lügen. Und forderte den LCGB auf, wieder „vernünftig“ zu werden. Nicht ohne zu poltern, in Luxemburg gebe es keine zwei, sondern nur eine große Gewerkschaft.

Dury konterte gestern beim Neujahrsempfang seiner Gewerkschaft, Reding versuche, ein Feindbild zu erschaffen „das LCGB heißt“, alles mit der Absicht, eine Einheitsgewerkschaft zu erzwingen. Anrempelungen, bei denen sich so mancher fragen wird, wie es denn mit dem gemeinsamen Einsatz für das viel gepredigte „Interesse der Arbeitnehmer“ steht.

Zumal vor dem Hintergrund einer weiterhin sehr schwachen Konjunktur - die leider noch mehr Dossiers „à la“ Cargolux, ArcelorMittal, KBL usw. auf den Tisch bringen wird -, einem historisch angespannten Arbeitsmarkt, einem auf nationaler Ebene quasi brach liegenden Sozialdialog und seriösen Problemen bei den Staatsfinanzen. Eins ist sicher: 2013 wird auch für die Gewerkschaften zu einer Bewährungsprobe. Nicht nur mit Blick auf die Sozialwahlen.