LINTGEN
PATRICK WELTER

Waldsymposium des „Lëtzebuerger Privatbësch - Family Forestry Luxembourg“

Waldbesitzer klingt schick und nach riesigen Latifundien, allerdings hat letzteres in Luxemburg in 99 Prozent aller Fälle nichts mit der Realität zu tun. Zwar ist mehr als die Hälfte des luxemburgische Waldes in privatem Besitz, aber stellt man der Waldfläche die Zahl der Eigentümer gegenüber, kommt eine verblüffende kleine Zahl heraus: 49.250 Hektar Wald verteilen sich auf 13.800 Waldbesitzer, was eine Durchschnittsgröße der privaten Wälder von nur 3,6 Hektar ergibt. Wobei diese Flächen nur selten zusammenhängen. Die Wälder, quasi bäuerliche Sparbücher früherer Jahrhunderte, wurden durch vielfache Erbteilung stark zerstückelt und liegen oftmals in verschiedenen Gemeinden, manchmal dazu noch fernab von Forstwegen. Es soll Waldbesitzer geben, die nicht einmal wissen, dass ihnen ein sehr nützliches Stück Natur gehört.

Die Interessen der fast 14.000 luxemburgischen Waldbesitzer werden durch einen sehr rührigen Verband nach innen beraten und nach außen vertreten: „Lëtzebuerger Privatbësch - Family Forestry Luxembourg“, allein durch die Namensgebung wird deutlich, dass der private Wald in Luxemburg im Normalfall immer noch ein Familienwald ist. Nicht nur durch Gemeinschaftsprojekte bei der Beforstung der Wälder und den Einsatz von festangestellten Forstberatern steht der Verband seinen Mitgliedern zur Seite. Mit dem sogenannten jährlichen „Waldsymposium“ informieren Experten aus den In- und Ausland über unterschiedliche Aspekte der Forstwirtschaft.

PEFC statt FSC

Im Gegensatz zur Öffentlichen Hand , die ihre Wälder nach FSC-Standard zertifizieren lässt, setzen die privaten Waldbesitzer auf das andere weltweite Holzlabel. Deren Wälder, Hölzer und Holzprodukte unterliegen den Vorschiften des PEFC-Labels. PEFC steht für „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“.

Forstwirtschaft und Naturschutz stehen nicht im Widerspruch zueinander

Die diesjährige Ausgabe des Symposiums fand gestern in Lintgen statt. Als Fachreferenten hatte man drei höchst unterschiedliche Wissenschaftler und Experten gewinnen können. Zu den Gästen des Symposiums gehörte aber auch Umweltministerin Carole Dieschbourg. Das Umweltministerium und den „Lëtzebuerger Privatbësch“ verbindet eine Konvention über den Technischen Dienst, durch den die privaten Eigentümer beraten und betreut werden. Jetzt gibt es auch einen Mitarbeiter des Waldbesitzerverbandes, der die Mitglieder zu einer ökologischen Waldbewirtschaftung anhält. Was kaum jemand weiß: Auch in den eigentlich geschützten „Natura 2000-Gebieten“ ist die Waldbewirtschaftung zulässig - wenn sie naturgerecht erfolgt.

Kein Disneyland im Forst

Hubert von Schorlemer, der Präsident der privaten Waldbesitzer, setzt genau auf diese „naturgemäße Waldbewirtschaftung“, um - entgegen den Vorstellungen von diversen Umweltorganisationen - ein „Walt Disney“ im Wald zu vermeiden. So der Tenor seines Leitartikels in der Verbandszeitung „De Lëtzebuerger Bësch.“