LUXEMBURG
SVEN WOHL

Während traditionelle Drogen unbeliebter werden, profilieren sich die synthetischen

Selten wurde die aktuelle Drogenpolitik so passend beschrieben: „Das Problem bekommt ein anderes Gesicht“. So lautete einer der Kommentare von Alain Origer, dem Drogenbeauftragten der luxemburgischen Regierung.

Wer einen Blick auf die aktuelle Studie der „Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht“ (EMCDDA) wirft, dem wird schnell klar wieso. Denn der Trend geht eindeutig weg von den traditionellen, hin zu den synthetischen Drogen.

Stets wandelfähig

Das größte Problem der synthetischen Drogen ist natürlich, dass sie stets wandelbar sind. Kaum sind sie erkannt und verboten worden, kann durch die simple Auswechslung eines Moleküls eine semi-legale Variante auf den Markt gebracht werden.

Dabei sieht die Situation auf den ersten Blick doch gar nicht schlecht aus: „Der Cannabis-Konsum bei den Jugendlichen ist auch in Luxemburg gesunken“, bestätigte Alain Origer gegenüber des „Journal“. Das klingt gut, das Problem ist allerdings, dass zeitgleich eben genannte synthetischen Drogen zeitgleich an Popularität gewinnen. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung, die vor allem in den vergangenen zwei bis drei Jahren stark zugenommen hat. Die relativ leichte Verfügbarkeit über das Internet trägt dabei natürlich das Ihrige dazu bei.

Mehr als 70 „Neulinge“

Ebenfalls fällt auf, dass diese synthetischen Drogen bereits so entwickelt werden, dass sie leicht zu verändern sind und wieder neu auf den Markt zu bringen. Das erklärt auch, weshalb im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 70 neue Drogen nachgewiesen werden konnten. Alain Origer weist jedoch in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Markt alles andere als transparent ist und damit wirklich präzise Einschätzungen zusätzlich erschwert werden. Auch was die Zahl der Nutzer angeht, sind diese schwer zu erfassen, da sie oftmals zuerst auffällig werden müssen. Weshalb Luxemburg bei einigen Erhebungen keine Zahlen aufzuweisen habe, ist für Alain Origer schnell erklärt: Da viele Nutzer mehrere Arten Drogen konsumieren, sei es schwierig, da jeweils einzelne Gruppen fest zu halten.

Insgesamt rückläufiger Konsum

Unterm Strich lässt der Bericht jedoch durchblicken, dass der Konsum insgesamt zurückgegangen ist. Etablierte Drogen, wie etwa Heroin, Kokain und Cannabis ist in einigen Ländern Europas zurückgegangen, vor allem was die Zahl der Neukonsumenten angeht. Dies sei eine Entwicklung, die auch in Luxemburg spürbar sei, so Origer. Ebenfalls positiv zu vermerken im Großherzogtum sei ein Rückgang der Überdosierungen sowie der HIV-Neuinfektionen durch Drogenkonsum.

Die EU-Kommissarin für Inneres, Cecilia Malmström zeigt sich ebenfalls nicht rückhaltlos optimistisch: „Ich bin besorgt darüber, dass ein Viertel der erwachsenen Europäer, das sind 85 Millionen Menschen, illegale Drogen konsumiert haben und dass sich der Drogenkonsum in Europa immer noch auf einem historische hohen Stand befindet.“

Embargos als Gegenmittel

Die oftmals problematisierten neuen synthetischen Drogen sind natürlich schwer in den Griff zu kriegen, befinden sie sich dank ihrer Wandelfähigkeit in einer Grauzone. Als ein mögliches Mittel, diese neuen Formen zu bekämpfen, sieht Alain Origer ein Embargo auf psychoaktiven Molekülen, die keinen medizinischen Nutzen haben, sobald sie entdeckt werden. Insgeheim bewertet er jedoch die Schnelligkeit, mit der das luxemburgische Gesetz jeweils angepasst wird, als positiv.

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