LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Claire-Lise Backes überwindet Depression mit Kunst und schafft heute farbenfrohe Taschen

Im Kamin brennt ein kleines Feuer, zwei französische Bulldoggen dösen auf einer flauschigen Decke und durch die großen Fenster fällt viel sonniges Tageslicht. An den Wänden hängen Bilder, auf Tischen und Regalen stehen viele Handtaschen, in verschiedenen Farben und verschiedenen Größen. Egal ob Tasche oder Gemälde, in dem Meer aus fröhlichen Farben tauchen immer wieder fantasievolle und idealisierte Frauenfiguren auf. Die Ansicht ist stets die gleiche: Eine Gruppe von Frauen in der Rückansicht, doch die Motive und Farben variieren immer wieder aufs Neue. Auf einem Bild ziehen die gut gebauten Ladys in luftigen Kleidchen über den Golfplatz, auf einer Tasche spazieren sie scherzend durch die Straßen, auf einem anderen Bild sitzen sie als Geishas andächtig aneinander geschmiegt.

Am Anfang standen nur Türrahmen

Claire-Lise Backes hat sich im Haus ihrer Familie in Senningen ein gemütliches und heiteres Atelier eingerichtet, in dem sie über ihre Kunst die Seele baumeln lässt und kleine und große farbenfrohe Kunstwerke schafft. Ein fröhlicher und lebensbejahender Kontrapunkt. „Das Leben ist voller Farben und die Inspiration ist die ganze Zeit da“, sagt die zierliche blonde Frau mit den fröhlichen blauen Augen begeistert. „Ich will diese positive Energie teilen.“

Heute ruht sie in sich selbst, begegnet Gästen mit liebenswürdiger Freundlichkeit und könnte nicht ausgeglichener sein. Backes wird auf Kunstfestivals in Luxemburg eingeladen, ihre Werke werden verkauft und sogar die Mutter von Supermodel Naomi Campbell zeigt sich mit einer der „Sakanana“-Taschen. Darauf kann die Autodidaktin und dreifache Mutter stolz sein. Doch bis zu den Ausstellungen und der Freude, jeden Tag Stunden in ihrem gemütlichen Atelier - der Verlängerung ihres Ichs, wie sie sagt - zu arbeiten, war es ein langer Weg. Und der führte anfangs über sämtliche Türrahmen im Haus der Familie.

Noch vor fünf Jahren sah das Leben von Claire-Lise Backes ganz anders aus, nicht fröhlich und bunt, sondern völlig schwarz und hoffnungslos. Backes war an einer schweren Depression erkrankt und konnte sich zu nichts mehr aufraffen. Ihre Ärzte und ihr Mann wollten sie an die Kunsttherapie heranführen. Ihr Mann drückte ihr Pinsel und Farbe in die Hand und sagte ihr, die Türrahmen im Keller neu zu streichen. „Ich war zufrieden mit dem, was ich tat und darauf konzentriert“, erinnert sie sich. Nach drei Monaten waren alle Türen neu gestrichen. Wie weiter? Wieder war es Backes‘ Mann, der seiner Frau beistand - indem er Leinwände und Acrylfarben kaufte und sie ermutigte, nun Motive zu malen. Ob mit Pinsel, oder mit den Fingern, egal wie, aber Hauptsache, es zu tun. „Die Liebe meines Mannes hat mich gerettet, ich war so gut wie tot“, erzählt Backes und fügt an, „er sagte nie, dass das, was ich male, schlecht aussieht.“

In neun Monaten malte Backes 60 Bilder, die sie in einer Ausstellung Familie und Freunden vorstellte. Vor einem Jahr begann sie, Taschen zu bemalen. Die Farben sind wasserfest, daher muss jeder Strich auf dem echten oder veganen Leder sitzen. „Die Kunstwerke und die Taschen haben ihre Kundschaft gefunden“, erzählt Backes. „Sie sind neu, einzigartig und Botschaften der Liebe.“ Ihre Taschen versteht sie als „Walking Paintings“, als wandelnde Gemälde. Die Vorstellung, dass eine Frau eine solche Tasche mit den rätselhaft- schönen Figuren bei sich trägt und damit bei anderen Passanten ein Lächeln ins Gesicht zaubert, stimmt Backes fröhlich. „Das will ich erreichen“, sagt sie zufrieden und erklärt, „das ist Kunsttherapie und wirklich eine sehr große Hilfe“.

Einladung zum Lellinger Kunstfestival

Heute will sie über die Gründe ihrer Depression oder auch darüber, was sie vorher gearbeitet hat, nicht öffentlich sprechen. Aber sie hat die dunkle Krankheit hinter sich gelassen. „Seitdem ich male, entdecke ich mich selbst. Und bin sehr viel offener geworden.“ Depressionen hat sie seitdem nicht mehr erlebt. „Ich will, dass Leute, die in einer dunklen Situation sind, wissen, dass es einen Ausweg gibt, man existiert auch ohne einen Job.“

Ihre Werke verkauft sie heute in ihrem Atelier, aber auch über die Boutique des Hôtel Royal, das Pall Shopping Center und das Geschäft Fashion Boom Hollerich. Und ihre „Sakanana“-Taschen haben inzwischen auch das Label „Made in Luxembourg“. Den Verkauf durch Geschäfte hatte sie gar nicht gesucht, das hatte sich vielmehr über Kontakte ergeben. Und wie Valerie Morris Campbell, die Mutter des erfolgreichen Supermodels, auf ihre Taschen aufmerksam geworden ist, weiß sie nicht. „Ich hinterfrage nicht, ich nehme die Dinge an.“ In den kommenden Monaten wird Backes ihre Kunst auch außerhalb ihres Ateliers zeigen, nach der Frühjahrsmesse „Spring Break“ ist die Autodidaktin zum Lellinger Kunstfestival eingeladen.


Kontakt und mehr Details auf www.sakanana.lu