LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Aufruf zur Beteiligung: Fotos und digitale Inhalte werden gesammelt

Sie haben ein bisschen was von Endzeitstimmung, die Fotos, die momentan im Netz kursieren und auch in den Zeitungen abgedruckt werden: gespenstisch leere Straßen, ausgeräumte Supermarktregale, Menschen mit Atemschutzmasken, achtlos weggeworfene Einweghandschuhe auf den Gehwegen… Andere Fotos wiederum vermitteln ein idyllisches Bild, strahlen Ruhe aus, lassen das Gefühl von Entschleunigung aufkommen, zeigen die Natur, die sich von den ihr zugefügten Strapazen langsam zu erholen scheint. Ja, durch die Coronavirus-Pandemie befinden wir uns in einer außergewöhnlichen Situation. Die Maßnahmen bedeuten einen Einschnitt in das Leben eines jeden. Unser Alltag hat sich grundlegend verändert. Und viele halten diese doch historischen Momente mit dem Fotoapparat oder der Smartphone-Kamera fest.

Schaffung eines kollektiven Gedächtnisses

Genau auf diese Aufnahmen haben es die Photothèque der Stadt Luxemburg und das Lëtzebuerg City Museum abgesehen und rufen deshalb zur Beteiligung an der Erstellung eines fotografischen Zeugnisses auf, mit dem die aktuellen Umstände dokumentiert werden sollen. „Die Fotografie war schon immer Zeugin historischer Tatsachen, und deshalb ist eine solche Sammlung für die Schaffung eines kollektiven Gedächtnisses von großer Bedeutung“, schreibt die Photothèque auf ihrer Webseite.

Die Photothèque lädt nun dazu ein, persönliche fotografische Eindrücke zu übermitteln, die das tägliche Leben zu Zeiten der Ausgangsbeschränkung zeigen, etwa Warteschlangen vor Supermärkten, leere Straßen, Plakate oder Sicherheitsmaßnahmen. Explizit wird darauf hingewiesen, dass man das Haus nicht extra verlassen sollte, um Fotos zu schießen, sondern ausschließlich die Gelegenheiten nutzen soll, wo man ohnehin beispielsweise zum Einkaufen geht. Die Fotos können zusammen mit der ausgefüllten „Convention de transfert de photographies“ (zu finden unter tinyurl.com/PhotothequeAufruf) per E-Mail an phototheque@vdl.lu geschickt werden.

Zeitzeugnisse für die Sammlung

Zu den Aufgaben des Lëtzebuerg City Museum gehört es, das Leben der Menschen in der Stadt fortlaufend zu dokumentieren und entsprechende Zeitzeugnisse in seine Sammlung aufzunehmen. Aus diesem Grund werden alle Menschen, die in der Stadt Luxemburg leben und arbeiten, zur Mitarbeit aufgerufen: „Wenn in Ihrem Alltag während der Corona-Zeit Gegenstände wichtig geworden sind, die Sie vorher nicht gebraucht haben, wenn Sie selbst etwas hergestellt haben, um unter den neuen Umständen besser zurechtzukommen, wenn Ihnen in Ihrem Umfeld etwas Spezifisches aufgefallen ist - dann bitten wir Sie, uns darüber eine kurze Information zu schicken, mit Foto und einer kleinen Erklärung.“ Die Informationen können über das Onlineformular www.citymuseum.lu/collection weitergeleitet werden.

Digitale Inhalte für die BnL

Einen Aufruf im Kontext der Corona-Krise hat auch die Nationalbibliothek (BnL) gestartet. Bekanntlich verfügt sie auch über ein großes Archiv mit digitalem Inhalt und sieht luxemburgische Webseiten als Teil des Kulturerbes. Im Augenblick wird alles an digitalem Inhalt gesammelt, was mit Luxemburg in Coronavirus-Zeiten zu tun hat, um möglichst alle Facetten der Gesellschaft in der aktuellen Situation zu dokumentieren und für die kommenden Generationen festzuhalten. Dazu gehören einerseits natürlich die Internetseiten beziehungsweise Webartikel der Medien, auf der anderen Seite aber ebenso Homepages oder Facebook- und Twitter-Seiten, die im Kontext der Corona-Krise gerade erst entstanden sind, um Hilfe anzubieten, Informationen zur Verfügung zu stellen oder auf Solidaritätsaktionen aufmerksam zu machen. Dies können Angebote von Interessengruppen, öffentlichen Institutionen oder auch privaten Initiativen sein. Um der BnL diese ganze Sammel-Arbeit zu erleichtern, bitten die Verantwortlichen um die Mitarbeit der Bevölkerung, um ihre Sammlung für das webarchive.lu zu vervollständigen. Die Informationen können an webharvesting@bnl.etat.lu geschickt werden.