PATRICK WELTER

Ein Job für Steven Seagal oder Jean Claude van Damme, für Bruce Willis wäre die Sache dann doch zu zweitklassig. Der Hollywood-Star dreht keine B-Movies. Denn genau danach hört sich das Drehbuch an. Der zwielichtige Diktator eines „failed state“ in Südamerika macht Drogengeschäfte, hasst die USA und kungelt mit bösen Kommunisten. Die guten alten USA wissen sich nicht anders zu helfen, als ein Kopfgeld auf den Typen auszusetzen - 15 Millionen Dollar für den Kopf des bösen Buben. Steven Seagal scharrt schon mit den Hufen. Nein, Sie sind hier nicht in der Filmrubrik gelandet. Obwohl…

Mitten in der Corona-Krise überrascht uns Donald Trump gestern mit einem realpolitischen Remake des Klassikers „Bring Me the Head of Alfredo Garcia“ von Sam Peckinpah (1974). Er setzt 15 Millionen Dollar auf den Kopf von Nicolas Maduro, dem roten Caudillo von Venezuela aus. Die Begründung lautet langjähriger „Drogenterrorismus“ - doppelt genäht hält besser. Wieder einmal hat es Donald Trump geschafft für offen stehende Münder unter gestandenen Diplomaten zu sorgen und das politische Niveau noch ein Stück zu senken.

Damit wir uns richtig verstehen: Nicolas Maduro ist ein politischer Mistkerl. Ein vorgeblich roter Ideologe der gemeinsam mit dem Militär eines der reichsten Länder der Erde ausplündert und in den Ruin getrieben hat. Millionen Menschen haben Venezuela verlassen, auf der Flucht vor Hunger und Armut im Land mit den größten Ölreserven. Von Demokratie ist schon lange keine Rede mehr, die Opposition wird verfolgt, das Parlament ist entmachtet. Dass Maduro mit der kolumbianischen FARC kungelt oder Drogengeschäfte macht, ist alles andere als unwahrscheinlich. Kurz gesagt: Maduro ist ein Politgangster. Für seines Gleichen gibt es aber eine wunderbare Einrichtung in den Niederlanden: Den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, vor dessen Schranken Typen wie er gehören.

Wäre da nicht eine Kleinigkeit: Zusammen mit ein paar kleinen Schurkenstaaten, sind es die USA - „God’s own Country“ - die den Gerichtshof der Weltgemeinschaft nicht anerkennen. Lieber Kopfgeld als Rechtsstaat. „Wanted - dead or alive“ hat mit Außenpolitik nicht zu tun hat. Sicher, auch schon für Bin Laden wurde von Bush junior und Obama eine üppige Belohnung ausgesetzt. Nur war der ein Terrorist, für mörderische Staatschefs ist Den Haag zuständig. Die Millionen für Bin Laden mussten nie gezahlt werden, religiöse Fanatiker lassen sich nicht kaufen. Trumps Hoffnung mag sein, dass südamerikanische Militärs oder Drogenbarone da pragmatischer sind. Hat Trump Erfolg, wäre Maduro nicht der erste Ex-Staatschef der in einem amerikanischen Knast landet. Denken Sie an Manuel Noriega, erst Washingtons Verbündeter und dann Staatsfeind Nummer 1! Aber vorher wird Trumps unmoralische Angebot Maduro den Rücken stärken. Jetzt hat er den „Beweis“ für den „Krieg“, den die Amerikaner gegen ihn und Venezuela führen. Nicht die Misswirtschaft des „bolivarischen Sozialismus“ hat das reiche Land ruiniert, sondern die aggressive Politik der Amerikaner. Der rote Caudillo lacht sich eins und wird von seinen nützlichen Idioten gefeiert werden.