LUXEMBURG
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Eine Bewegungsjagd soll allen Wildschweinen in der „Zone blanche“ den Garaus machen

Harte Zeiten kommen auf die Wildschweine im luxemburgisch-belgischen Grenzraum zu. Das Gebiet zwischen dem sogenannten Wildschweinzaun - er zieht sich von Petingen bis nach Küntzig - „bis zum Ikea“, wie ein Jäger meinte - über eine Länge von zehn Kilometern - und der westlich liegenden belgischen Staatsgrenze wurde bereits zur „Zone blanche“ erklärt. Was nichts anderes heißt, als dass dieses Gelände „blank“ von Wildschweinen werden soll. Am 4. und 5. Juli sollen jetzt die Jäger „tabula rasa“ unter den - vermutlich - dort lebenden Wildschweinen machen.

Hintergrund ist der Kampf gegen die „Afrikanische Schweinepest“, die seit Monaten im südlichsten Zipfel Belgiens tobt. Bis jetzt ist es gelungen, das Vordringen infizierter Wildschweine nach Luxemburg zu verhindern. Wobei der Bau des Schutzzauns zeitweise zu Verstimmungen zwischen der Gemeinde Käerjeng und dem Landwirtschaftsministerium geführt hat.

„Entvölkerung“ der „Zone blanche“

Mit einer Bewegungsjagd will man nun die „Zone blanche“ von Wildschweinen entvölkern. Eine Aufgabe, die die luxemburgische Jägerschaft übernimmt. 100 Jäger und 50 Treiber werden das Gebiet an zwei Tagen auf der Suche nach Wildschweinen durchkämmen - allerdings unter erschwerten Bedingungen. Zum einen steht der Wald in vollem Grün, was den Sauen hervorragende Deckung gibt - normalerweise erfolgen Treib- und Drückjagden im Frühjahr oder Herbst, wenn der Wald noch oder schon entlaubt ist. Zum anderen ziehen sich die Tiere bei großer Hitze auch weit in den Wald zurück. Aus Rücksicht auf andere Wildtiere - Rot- und Rehwild haben derzeit Nachwuchs - nehmen Jäger und Treiber auch keine Hunde mit. Erst nach der Bewegungsjagd kommen Schweißhunde bei der Nachsuche nach angeschossenem Wild zum Einsatz. Koordiniert wird die Jagd an zwei aufeinanderfolgenden Vormittagen von einem Revierförster. Allerdings kann derzeit niemand sagen, wie viele Sauen in dem Bereich leben, nicht einmal, ob es überhaupt Schweine in dem Gebiet gibt. Ein Nebeneffekt wäre auch das Auffinden von Schweinekadavern, die dann ebenfalls auf ASP untersucht würden. Der geplante Einsatz von Drohnen ist nur über freiem Feld effizient. Die Jäger erhalten für jede erlegte Wildsau eine Prämie von 100 Euro. Kommt es zu keiner befriedigenden Jagdstrecke, wird die Naturverwaltung Lebendfallen aufstellen, um weitere Wildschweine zu fangen - und zu erlegen.

Landwirtschaftsminister Romain Schneider berichtete, dass zwischenzeitlich weitere Wildschweine in Luxemburg auf ASP getestet wurden - die Proben waren in allen Fällen negativ. Das wichtigste Ziel dieser ganzen Aktionen vom Grenzzaun bis zur Bewegungsjagd sei der Schutz der heimischen Schweinezüchter vor der afrikanischen Schweinepest.

Ein zweiter - zehnmal so langer - Zaun ist in Vorbereitung

Der Minister teilte außerdem mit, dass bereits Vorgespräche mit Grundstückseigentümern und Gemeinden geführt wurden, falls ein weiterer Zaun nördlich der Autobahn A6 notwendig werden sollte. Sollten auf belgischer Seite infizierte Sauen in einem Abstand von weniger als sechs Kilometer zur luxemburgischen Grenze gefunden werden, werde er den Bau des zweiten Zauns umgehend veranlassen, so Schneider weiter. Dieser Zaun werde aber eine völlig andere Dimension haben als der bisherige bei Käerjeng - er wird ungefähr 100 Kilometer lang werden.