LUXEMBURG
PIERRE WELTER , FREIER JOURNALSIT

Verteidiger will „höchstwahrscheinlich“ gegen „unfaires“ Urteil vorgehen

Die 19. Strafkammer hat am vergangenen Freitag einen 54-jährigen Chinesen, Jialin G., zu einer harten Freiheitsstrafe verurteilt, weil dieser im Monat Mai 2017 in einem Sushi-Restaurant in Gasperich seinen Geschäftspartner mit einem Glas verletzt hatte. Die Wucht des Urteils lässt den Angeklagten Jialin G. sowie seinen Verteidiger Me Daniel Scheerer erstarren: 24 Monate Haft, davon zwanzig Monate auf Bewährung, 800 Euro Geldstrafe, 2.900 Euro für diverse Gutachten und 4.000 Euro Schadenersatz in der Nebenklage. „Es ist ein hartes Urteil“, sagte die Verteidigung. Im Prozess hatte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten (mildernde Umstände) für Jialin G. gefordert.

Mitangeklagter wird freigesprochen

Im Prozess hatte die Beweisaufnahme quasi ergeben, dass der Angeklagte am 12. Mai 2017 bei einem lebhaften Wortgefecht versucht hatte, sich zu wehren, als dieser von seinem Geschäftspartner attackiert wurde. Dass der Angeklagte Jialin G. dabei quasi in Notwehr handelte, ließ die Richter in ihrem Urteil unbeeindruckt, obwohl sogar die Ratskammer den versuchten Totschlag fallengelassen hatte. Im Prozess hatte die Beweisaufnahme ergeben, dass der Angeklagte damals versucht hatte, sich zu wehren, als dieser von seinem Geschäftspartner attackiert wurde. Während er auf dem Boden lag, hatte Jialin G. seinen Gegner mit einer Flasche ins Gesicht geschlagen.

Am 6. Oktober 2019 trafen sich beide Streithähne wegen Körperverletzung, Morddrohungen und Beleidigungen vor Gericht wieder. Doch trotz aller Indizien konnte sich das Gericht nur zu einer Verurteilung von G. wegen Körperverletzung durchringen. „Die Taten, derer mein Mandant bezichtigt wird, hat er aus Notwehr begangen,“ sagte sein Verteidiger Me Daniel Scheerer nachträglich. „Es gab neben den undurchsichtigen Zeugenaussagen auch einige objektive Beweismittel, die zu G.’s Gunsten sprachen“.

Angaben wurden nicht gestützt

Die Richter haben schließlich dem Geschäftspartner, dem 30-jährigen Chinesen Chengshan D. Recht gegeben. Das Opfer, das ebenfalls wegen Körperverletzung angeklagt war, wurde freigesprochen. Ob und inwieweit D. zuvor an der Attacke gegen den am Boden liegenden G. beteiligt war, blieb unklar. D. behauptet, der Angeklagte G. habe ihn ins Gesicht geschlagen – diese Angaben wurden jedoch von keinem der neutralen Zeugen gestützt.

Der Verteidiger kündigte sofort nach dem Urteil an, „höchstwahrscheinlich“ in Berufung zu gehen. Die Staatsanwaltschaft sollte prüfen, ob sie nicht auch gegen das Urteil Berufung einlegt, meinte Me Daniel Scheerer.


Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig