LUXEMBURG
MARCO MENG

Die „Affäre Bouvier“ betrifft uns nicht, sagt Freeport-Chef Philippe Dauvergne

Im September 2014 wurde der „Le Freeport Luxembourg“ am Findel in Betrieb genommen. Das Gebäude, dessen Errichtung 55 Millionen Euro verschlang, hat auf vier Stockwerken reichlich Platz für die Einlagerung hochwertiger Güter. Yves Bouvier, damals Präsident des Freeports sowie Chef des Initiatiors „Natural Le Coultre“, war 2015 in Monaco wegen Betrugsvorwürfen festgenommen worden. Er soll mehrere Gemälde an einen in Monaco lebenden russischen Milliardär überteuert verkauft haben. Das Ganze verursachte aber keinen Imageschaden für den Freeport, sagt der ehemalige Leiter der französischen Zolldivision des Distrikts Seine und Marne, Philippe Dauvergne, der seit 2016 Chef des Freeport Luxembourg ist.


Wie läuft das Geschäft?
Philippe Dauvergne Das Geschäft läuft gut, und wir machen gute Fortschritte. Aber das ganze braucht auch seine Zeit. Zollfreizonen und Freeports sind ein sehr spezielles Geschäft. Es braucht vor allem Vertrauen. Das bedeutet, wir müssen möglichen Kunden genau erklären, was wir tun und wie ein Freeport arbeitet. Im letzten Jahr 2017 trafen wir 880 Personen, eine sehr beeindruckende Zahl gegenüber den Vorjahren, wo wir deutlich weniger trafen, die an den Dienstleistungen, die der Freeport bietet, interessiert sind. Wir bemühen uns, jedem in Luxemburg zu erklären, was der Freeport ist und tut, nicht nur den Verwaltungen, sondern auch Banken und anderen Finanzgesellschaften, jedem, der wissen will, wie der Freeport arbeitet. Unsere Arbeit soll transparent sein, denn wir haben nichts zu verbergen. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg, denn es gibt keine schlechten Nachrichten, was uns betrifft. Anfangs war der Freeport für viele etwas Geheimnisvolles, als ob hier gemacht werden dürfte, was man will. Glauben Sie mir: Der Freeport ist der einzige Ort in Luxemburg, wo man überhaupt nichts tun kann, ohne sich an das Governance-Konzept zu halten. Wir unterliegen den europäischen Zollvorschriften sowie den Anti-Geldwäscheregeln Luxemburgs. Darum sind wir das einzige Warenlager in Europa, das diesen Anti-Geldwäscheregeln unterliegt. Momentan versuchen wir, einiges mit ansässigen Banken zu entwickeln, zum Beispiel ein neues System unter der Bezeichnung SAS („Secured Asset System“), ein neues System der Darlehensvergabe, bei der im Freeport eingelagerte Güter als Sicherheit dienen. Das könnte Privatbanken in Luxemburg neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Übrigens hat uns im Dezember auch der deutsche TüV besucht, der uns prüfte und mit ISO9001-„High secure storage facility for valuables“ zertifizierte. Darauf sind wir sehr stolz.


Zu wieviel Prozent sind denn die Kapazitäten des Freeport inzwischen ausgelastet?
Dauvergne Das ist eine sehr sensible Information... (lächelt). Wir haben ein Ziel von 75 Prozent Auslastung, eine Zahl, die noch nicht erreicht ist, die wir aber bald erreichen wollen.


Aus welchen Ländern kommen denn die meisten Endkunden?
Dauvergne Rund 80 Prozent kommen aus der Europäischen Union, davon in kleiner Teil aus Luxemburg. Die restlichen 20 Prozent kommen aus aller Welt. Manche auch aus China, allerdings ist China ein großes Land und hat selbst einige Freeports. Aus Russland gibt es ebenfalls Interessenten, ein weiteres Land, mit dem Luxemburg gute Beziehungen hat.


Der größte direkte Kunde, ist das nach wie vor der Initiator „Natural Le Coultre“?
Dauvergne Ja, dem ist so. Ein weiterer großer Kunde ist MT Art Services aus Contern sowie die Transportgesellschaft Brinks, ein großer Partner. Darüber hinaus haben wir auch sehr gute Kontakte zu den Museen in Luxemburg und der Großregion.


Können Sie denn sagen, was am meisten eingelagert wird?
Dauvergne Diese Information könnte Ihnen höchstens der Zoll geben, er hat die komplette Information über alle Güter, die rein und raus gehen. Als Betreiber des Freeports haben wir keinen Zugang zu den eingelagerten Gütern.

Das heißt, sie haben keinen Schlüssel zu den einzelnen Tresoren und können sich die Kunstwerke ansehen?
Dauvergne Nur mit dem Kunden und dessen Einverständnis oder mit einem Gerichtsbeschluss beziehungsweise einer Anweisung des Zolls. Unsere Aufgabe ist es, für die Lagerung und Sicherheit des gelagerten Güter zu sorgen. Der Zoll überwacht wie gesagt die Güter, die rein- und rausgehen und hat hier im Freeport ein eigenes Büro, das jeden Tag besetzt ist. Durch die Gespräche mit unseren Kunden wissen wir, dass etwa 50 Prozent der eingelagerten Güter Kunstgegenstände sind, etwa 30 Prozent sind Edelmetalle, Münzen und Edelsteine, der Rest sind ganz unterschiedliche Güter wie Oldtimer oder Wein.


Ist Ihr Hauptkonkurrent das Zollfreilager in Genf? Er soll an seine Kapazitätsgrenzen stoßen und machte auch wegen möglicher Raubkunst Negativschlagzeilen. Profitiert der Freeport Luxemburg davon?
Dauvergne Es gibt ein paar Unternehmen, die uns deswegen ansprechen, aber der Freeport in Genf unterscheidet sich sehr von uns. Für ihn gelten beispielsweise nur die Schweizer Regeln, er ist auch nicht Anti-Geldwäsche-konform, während für uns europäische Regulationen gelten. Für uns hat Priorität, die Probleme, die der Freeport Genf hat, zu vermeiden. Darum wollen wir transparent und sauber sein.


Machte sich die vermeintliche Betrugsaffäre um Yves Bouvier und den russischen Oligarchen Rybolovyev für den Freeport Luxembourg bemerkbar?
Dauvergne Diese Affäre ist keine, die uns betrifft. Bouvier ist ein Aktionär des Freeport, aber er hat nichts mit dem Geschäft des Freeport zu tun. Und wie ich es sehe, setzte Herr Rybolovyev alles in Bewegung, um Bouvier zu schaden. Ich denke, inzwischen wurde da auch manches klarer.


Hält Bouvier noch immer rund 60 Prozent des Freeports? 2015 hieß es ja, er und Mit-Aktionär, Olivier Thomas wollten ihre Anteile verkaufen.
Dauvergne Nein, die Beteiligungen haben sich nicht geändert, und beide wollen auch, so weit ich weiß, ihre Anteile am Freeport nicht verkaufen. Aber sie sind natürlich Geschäftsmänner, das heißt, wenn der Preis stimmt, vielleicht…


Der Freeport macht aber noch keinen Gewinn?
Dauvergne Nein, noch nicht, wir sind ja auch ein junges Unternehmen, das sehr Geld viel investierte. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.


Was sind die nächsten Pläne?
Dauvergne Wir möchten natürlich weltweit bekannter werden. Wir sind eine der sichersten und bestüberwachten Freihandelszonen der Welt, Mitglied der World Freezone Organization, haben auch gute Beziehungen zum Welt-Zoll-Verband: Jetzt sind wir bereit, neue Mieter willkommen zu heißen. Mögliche Kunden wissen jetzt, dass wir vertrauenswürdig sind, und das war sehr wichtig für uns.