BARI/LUXEMBURG
INGO ZWANK/DPA

Historisches über den Heiligen Nikolaus, der heute Abend wieder aktiv ist

Die Stiefel sind bereits geputzt, die Lieder und Gedichte einstudiert: Am heutigen Abend fiebern die Kinder wieder seinem Erscheinen entgegen! Denn, so ist es nun einmal überliefert, wer das Jahr über recht brav war, den besucht der Heilige Nikolaus. Gut, nicht immer alleine, hat er doch ab und an auch den Houseker oder Knecht Ruprecht dabei… auf jeden Fall aber immer einen großen Gabensack, in dem die Geschenke auf dem Schlitten transportiert werden… „Wie es in der Überlieferung heißt…“ - schaut man sich diese einmal an, gibt es interessante Umstände rund um den Heiligen.

Wer war eigentlich dieser Nikolaus?

Viel historisches Wissen über den Heiligen Nikolaus gibt es nicht. Kritische Textanalysen haben gar ergeben, dass das heute verehrte Bild vom Nikolaus auf zwei historische Figuren zurückgeht. Im Laufe der Jahre verschmolz die Überlieferung zu Nikolaus von Myra und dem gleichnamigen Abt Nikolaus. Sicher ist, dass der Nikolaustag in Gedenken an Nikolaus von Myra gefeiert wird, einem der populärsten katholischen Heiligen, der am 6. Dezember zwischen 345 und 351 verstarb - er wurde in Myra (Demre/Türkei) beigesetzt. Geboren wurde Nikolaus in Patara, einer Stadt in der heutigen Türkei zwischen 270 und 286. Nikolaus war ein guter Bischof. Er galt als sehr barmherzig und auch mildtätig. Was er an Spenden erhielt, gab er den Armen. „Nächstenliebe und Uneigennützigkeit waren sein Auftrag“, wie es offiziell von der katholischen Kirche heißt. Er hat sich so vor allem der benachteiligten oder armen Menschen und Kindern angenommen und hat für sie gesorgt, wenn sie in Not waren.

Im Mai 1087 begründeten dann Matrosen aus Bari eine Tradition, als sie die Reliquien von „Sankt Nicholas“ von seiner Ruhestätte im moslemischen Myra nach Bari überführten. Das „Festa di San Nicola“ wurde geboren. Wie kam es zu dieser Aktion im 11. Jahrhundert? Das Tourismusbüro in Bari gibt Auskunft: Zu jener Zeit verlor Bari nach und nach an Bedeutung als Handelsmetropole, das Geld in der Haushaltskasse wurde knapp. Kaufleute schickten deshalb Seefahrer nach Myra mit dem Spezialauftrag, die Reliquien des Heiligen Nikolaus, der auch Schutzpatron der Seeleute ist, nach Bari zu überführen. Damit sollte Bari zum Anziehungspunkt von zahlungskräftigen Pilgern werden… Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau der Basilica San Nicola begonnen. Die Krypta wurde zwei Jahre später im Jahr 1089 fertiggestellt. Eingeweiht wird die Kirche erst 100 Jahre später. Zur Erinnerung an den 9. Mai 1087, dem Tag, an dem die sterblichen Überreste des Bischofs in Bari eintrafen, wird jedes Jahr drei Tage lang ausgiebig das Nikolaus-Fest gefeiert. Jedes Jahr kommen Tausende Pilger aus aller Welt nach Bari, um am Grab von San Nicola zu beten und Danke zu sagen - die Anziehung klappt also auch heute noch. Der alte Stadtkern rund um die Basilica di San Nicola wird mit bunten Lichtern geschmückt und in den Straßen herrscht Ausnahmesituation.

Und heute bei uns? Da zählt Nikolaus ebenso zu den meist verehrten Heiligen und gilt als Schutzpatron zahlreicher Orte, Gruppen und Berufe, wie es die katholische Kirche ausführt. Seine Verehrung begann rund 200 Jahre nach seinem Tode und breitete sich zunächst über die osteuropäischen Länder aus. Im achten Jahrhundert war der Nikolaus-Kult vor allem in Russland stark, sodass der Heilige dort zum Landespatron erklärt wurde. Langsamer fasste die Verehrung im Westen Fuß, ab dem zehnten Jahrhundert ist sie aber auch für Deutschland, Frankreich und England nachweisbar.

Der Geschenkebringer

Dass der Nikolaus die Kinder besucht und sie beschenkt, gehört zum Brauchtum fest dazu. Seinen Ursprung hat dieses Ritual, so die Historiker, im mittelalterlichen „Bischofsspiel“: An Kloster- und Stiftsschulen wurde zu bestimmten Tagen ein Schüler zum „Bischof“ oder auch „Abt“ ernannt. Das Kind kleidete sich in die entsprechenden Gewänder und konnte so die anderen Schüler für ihr Betragen belohnen oder aber auch bestrafen. Ursprünglich fand das Bischofsspiel am 28. Dezember statt, dem Fest der Unschuldigen Kinder, später wurde es auf den Nikolaustag gelegt.

Nikolaus als Geschenkebringer geht vor allem auf eine der zahlreichen Legenden über den Heiligen zurück: Der Bischof kam eines Nachts am Haus einer Familie vorbei, die derart mittellos war, dass die drei Töchter ihr Geld als Prostituierte verdienen mussten. Damit die jungen Frauen dieses Tun beenden und heiraten konnten, warf Nikolaus drei Goldklumpen durch das Fenster des Hauses. Daher wird der Heilige in der Kunst heute oft mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt. Und tatsächlich ist auch vom historischen Nikolaus, wie bereits erwähnt, überliefert, dass der Bischof sein gesamtes Vermögen den Armen vermachte... Schöne Bescherung!