LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Abwasserreinigung hat zwei Seiten – Sauberes Oberflächenwasser und jede Menge Klärschlamm

Kläranlagen sind mittlerweile auch in Luxemburg selbstverständlich. Mit der von Grevenmacher ging 2017 nach Jahrzehnten Vorlauf die letzte Anlage in Betrieb. Andere, wie die Kläranlage in Bleesbrück mussten – auf Druck der EU - über Jahre aufwändig saniert und ausgebaut werden.

Heute interessiert uns das, was bleibt. Dem gereinigten Abwasser, das als Oberflächenwasser aus der Kläranlagen wieder in Flüsse und Bäche eingeleitet wird, stehen die schmutzigen Überbleibsel gegenüber. Zum einen der stofflich greifbare Dreck, der mit Rechenanlagen herausgefischt wurde und in die Verbrennung oder Deponie wandert. Zum anderen, und das ist der erheblich größere und problematischere Anteil, fallen tausende Tonnen von Klärschlamm an. Simpel formuliert handelt es sich dabei um die eingedickten Rückstände der braunen Brühe, die nach der Abwasserreinigung bleibt. Wasser, Bakterien, Schwebstoffe, Nährstoffe und Schwermetalle sind Bestandteile von Klärschlamm. In Faultürmen, Solartrocknungsanlagen oder mit anderen Methoden wird dem Schlamm nach und nach das Wasser entzogen, bis der Klärschlamm zu ungefähr einem Drittel seiner Ausgangsmasse zusammengeschrumpft ist – das Fachwort heißt Trockensubstanzgehalt (TS).

Was tun damit? Klärschlamm galt lange aufgrund des hohen Nährstoffgehaltes als Wundermittel zur Düngung in der Landwirtschaft. Leider hat Klärschlamm bei genauerem Hinsehen ein paar Nachteile. Einerseits zu viel Nährstoffe in Form von Nitraten und Phosphaten, zum anderen zu viele Schwermetalle. Heute darf Klärschlamm nicht mehr in Wasserschutzgebieten als Dünger ausgebracht werden, außerdem wird immer wieder laut über ein Verbot von Klärschlamm in der Landwirtschaft nachgedacht. Die Verwendung in der Landwirtschaft ist daher stark zurückgegangen, mittlerweile wird das Gros des Klärschlamms verbrannt oder kompostiert.