LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Jean-Monnet-Gebäude: Der Rückbau als Pilotprojekt für die Kreislaufwirtschaft

Eine Ikone des Kirchbergs verschwindet - das zentrale Gebäude der Europäischen Kommission in Luxemburg, das „Batiment Jean Monnet“ muss einem größeren, vor allem höheren, Neubau weichen. Aber selbst im Abgang setzt das markante Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 119.900 m² und einst 2.000 Arbeitsplätzen noch ein Zeichen.

Statt nach alter Väter Sitte mit der Abrissbirne durch Wände und Decken zu brechen, wird im Jean-Monet-Gebäude in vielen Bereichen quasi chirurgisch gearbeitet. Das Gebäude wird nicht mehr abgerissen, sondern ab- oder rückgebaut. Damit dient es als Pilotprojekt für eine Ausweitung der Kreislaufwirtschaft im Baubereich.

Umweltstaatssekretär Claude Turmes erklärte vor einer Pressebegehung der (Ab-)Baustelle, dass in Europa 20 bis 25 Prozent aller Abfälle im Zusammenhang mit der Bauwirtschaft entstehen. Heute sei man sich aber immer mehr bewusst, dass in einem Gebäude gewaltige Ressourcen stecken. Damit sei der Wechsel von der Linear- zur Kreislaufwirtschaft schlicht geboten. Der Abbau des „Jean Monnet“ sei jetzt schon ein voller Erfolg, da man eine außerordentliche hohe Recyclingquote erreicht habe. Das Aluminium (abgehängte Decken, Fensterrahmen) werde in Clerf recycelt, das in großen Mengen verbaute Glas wird nach Thionville zur Wiederverwertung gebracht. Ebenso wird das Holz wiederverwendet oder Eisenmetalle eingeschmolzen.

Techniker und Akademiker im Einklang

Das Pilotprojekt Rückbau Monnet wurde von einer Arbeitsgruppe aus Technikern und Akademikern des LIST zunächst über neun Monat geplant. Das Team wird in der gesamten Zeit des Rückbaus, etwa 16 Monate, die Arbeiten überwachen.

Das Ziel der Wissenschaftler besteht darin, einen Leitfaden für den Rückbau eines Gebäudes, insbesondere in Hinsicht auf Erfassung und Kategorisierung der verwendeten Baumaterialien, zu entwickeln.

Asbest, das Wundermittel der 1970er und 1980er Jahre, ist natürlich auch in diesem riesigen Gebäude ein Thema. Zum Schutz der Tragestruktur gegen Feuer wurde kein Spritzasbest, sondern Asbestplatten verwendet. Diese werden nun in einer Schutzatmosphäre unter Unterdruck von Spezialisten abgebaut.

Die anderen Materialen Holz, Alu, Kunststoffe, Kabel werden händisch, mit „Hammer und Zange“ aus den unzähligen Büros und langen Gängen entfernt. Der Bagger rollt erst an, wenn nur noch die nackte - schadstofffreie - Struktur übrig ist. Aber auch dann wird weiter getrennt, um Stahl und Beton wieder aufbereiten zu können.

In Zukunft: Materialdatenbanken

In Zukunft sollen bei Neubauten Materialdatenbanken erstellt werden, um den späteren Rückbau und das Recycling des Materials deutlich zu erleichtern.

Die durch den höheren Aufwand deutlich steigenden Kosten eines sorgfältigen Rückbaus gegenüber einem normalen Abriss können durch die zurückgewonnen Rohstoffe wieder gedeckt werden.

Patrick Gillen, der Präsident des Fonds Kirchberg, beziffert die Kosten für den Rückbau des Monnet-Gebäudes auf 24,5 Millionen Euro. Im Frühjahr 2019 wird dann das alte „Monnet“ verschwunden und genug Platz für ein neues Jean-Monnet-Gebäude gemacht haben.