LUXEMBURG
CHRISTOPH NEISIUS

Der Sommerurlaub hat begonnen und viele Zeitgenossen steigen in ein Flugzeug, um zu ihrer Traumdestination zu kommen. Aber nicht immer läuft das reibungslos ab. Umso wichtiger, dass man als Fluggast seine Rechte kennt. Christoph Neisius vom Europäischen Verbraucherzentrum erläutert sie nachfolgend.

„Ihre Rechte bei Überbuchung, Annullierung oder Verspätung eines Fluges ergeben sich aus der europäischen Verordnung 261/2004 (EG) sowie aus der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, der sich übrigens kürzlich mit der interessanten Frage beschäftigte, ob ein wilder Streik bei einer Fluggesellschaft als ‚außergewöhnlicher Umstand‘ eingestuft werden kann, die Fluggesellschaft also nicht für Ausgleichszahlungen aufkommen müsste. Der EuGH verneint das. Das Beispiel zeigt, dass das Verbraucherrecht ein Feld ist, das sich kontinuierlich entwickelt.

Aber zurück zur europäischen Verordnung. Sie hält fest, dass die Fluggesellschaft bei der plötzlichen Annullierung eines Fluges Betreuungsleistungen für den Passagier erbringen muss – das heißt Transfer, Hotelzimmer, Verpflegung. Der Kunde hat aber auch Anspruch auf die Erstattung des Ticketpreises, sowie der Kosten für die Beförderung zurück zum Abflugsort oder weiter zum Zielort. Er kann ferner Ausgleichszahlungen einfordern, die von der Distanz des nicht stattgefundenen Fluges abhängt. Sind es bis 1.500 Kilometer, beläuft sich die Ausgleichszahlung auf 250 Euro, zwischen 1.500 und 3.500 Kilometer sind es 400 Euro und darüber hinaus 600 Euro. Erfolgt die Beförderung nur unwesentlich später im Vergleich zum gebuchten Flug, können diese Ausgleichsbeträge um die Hälfte gekürzt werden.

Natürlich können auch Flüge durch außergewöhnliche Umstände ausfallen, die etwa mit der Wetterlage oder der Sicherheit zu tun haben. In diesem Fall kann sich die Fluggesellschaft von den Ausgleichszahlungen befreien. Bei Überbuchung muss die Gesellschaft eine Lösung für den Passagier finden. Klappt das nicht, muss die Fluggesellschaft auf jeden Fall die Ausgleichszahlung leisten. Es gelten dann die gleichen Bestimmungen wie beim Ausfall eines Fluges.

Bei großen Verspätungen steht die Gesellschaft in der Pflicht, dem Fluggast kostenlose Erfrischungen und Mahlzeiten, zwei unentgeltliche Telefonate, Faxe oder E-Mails sowie gegebenenfalls Hotelunterbringung und Fahrt zum Hotel zu zahlen. Ab drei Stunden Verspätung am Ziel kann der Passagier die oben genannten Ausgleichszahlungen einforden. Ab fünf Stunden Verspätung kann er die Erstattung des Ticketpreises, respektive die Rückbeförderung zum Startort oder eine anderweitige Beförderung zum Zielort einfordern.

Geht das Reisegepäck verloren oder wird beschädigt, regelt das Montrealer Übereinkommen die Schadensersatzansprüche. Wichtig ist, dass man Probleme mit Gepäck sofort am Flughafen meldet und binnen sieben Tage der Airline mitteilt.

Ratsam ist auf jeden Fall, dass Sie die Probleme schriftlich dokumentieren und alle relevanten Akten an Ihre Beschwerde anheften. Wenn Sie mehr als sechs Wochen auf eine Antwort warten müssen, schalten Sie das Europäische Verbraucherzen-trum ein. Auf unserer Webseite www.cecluxembourg.lu bieten wir Ihnen übrigens ein Tool, um Ihre Fluggastrechte schnell zu checken.“