SAMUEL HAMEN

Wir wagen einen möglichst nüchternen Blick auf das zurück, was die vergangenen zwölf Monate literarisch ausmachte

2016 wurde das Adjektiv „postfaktisch“ zum Wort des Jahres emporgehievt - und seither geistert, ja, stolpert es durch so ziemlich jeden politischen Kommentar, den wir am Ende dieses kräfte- und garantiezehrenden Jahres vorgelegt bekommen. 2016 ist das Jahr, in dem wir neben den altbekannten Einheiten Öl, Zeit und Aufmerksamkeit eine weitere knappe Ressource entdeckt haben: Tatsachen.

Dementsprechend beschränkt und besinnt sich dieser Rückblick in Sachen Literatur in Luxemburg einzig und alleine auf ein Vorgehen: dem Liefern von Fakten, Fakten, Fakten. Wir blicken zurück, ohne dabei der Nostalgie zu frönen, der Häme nachzugeben oder der Hysterie anheimzufallen. Ob es ein glänzendes Jahr für die hiesige Literatur war oder sich letztere müde und trübe vorangeschleppt hat, das mag dann jeder Leser und jede Leserin für sich entscheiden.

Am Neujahrstag stirbt der Autor Jean-Michel Treinen. Im Café „Rocas“ in Luxemburg-Stadt findet am 13. Januar die sechste Ausgabe der Lesereihe „Désoeuvrés“ statt. Organisiert wird die Veranstaltung von Isabelle Junck und Jeff Schinker. Auf der Bestsellerliste für Februar steht Marco Schank mit seinem Krimi „Todfeind“ auf Platz 1 in der Kategorie „Fiction“. Auf seinem Blog veröffentlicht Florent Toniello am 11. März ein Gedicht mit dem Titel „Villeux“.

Das Haus des Lyrikers Lambert Schlechter brennt in der Nacht vom 15. April nahezu komplett ab. Dabei verliert Schlechter einen Großteil seiner Bibliothek. Am Tag danach gehen die Nachwuchspreise des „Prix Laurence“ an Maxime Weber für seine Erzählung „Chaudron fêlé“ sowie an Deviam Amegah für „OneShadeOfBlack“. Drei Tage später startet Georges Hausemer seinen Blog „Ich und mein Tumor“, auf dem er über seine Krebserkrankung schreibt.

Mitte Mai stirbt der Herausgeber und Autor Guy Wagner. Am 25. Mai gibt die „Fondation Servais“ bekannt, dass Jean Portante Preisträger des Prix Servais ist, mit seinem Roman „L’Architecture en temps instables“. Sechs Tage später wird Gast Groeber in Brüssel mit dem „European Union Prize for Literature“ ausgezeichnet. Am selben Tag endet die Frist, um Beiträge bei der Literaturzeitschrift „The Luxembourg Review“ einzureichen. Mitte Juni schreibt Luc Spada auf seinem Blog über das Attentat auf einen Schwulenclub in Miami.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bestehen des „MUDAM“ organisiert das Künstlerkollektiv „Independent Little Lies“ Anfang Juli eine 12-Stunden-Lesung mit zwölf Autoren. Wenige Tage später erreicht der Autor Roger Peiffer, der seine Texte unter dem Namen „De Poet“ auf Facebook postet, mit seinem Gedicht „Op der Insel zu Luxusbuerg“ 389 Likes. Der Beitrag wird 234 Mal geteilt. Am 10. Juli finden die „Sommertage der Luxemburger Literatur“ in Mersch statt. Die Höchsttemperatur beträgt an diesem Tag 30 Grad. Am 19. Juli stirbt der Lyriker Jean-Paul Jacobs in Berlin.

Auf ihrer Homepage veröffentlicht Nora Wagener am 8. September ein Zitat aus Nick Hornbys „High Fidelity“. Im September teilen sich Nico Helminger sowie Lucien Czuga und Roger Leiner den fünften Platz auf der Bestsellerliste. Anfang Oktober findet die erste Lesung der neuen Reihe „Word in Progress“ in der Kulturfabrik in Esch statt. Ende Oktober findet das Debattierformat „LiteaturLabo“ zum dritten Mal statt. Thema ist: „Literatur 2.0. Netzliteratur oder Hyperfiction?“.

Für die Publikation „Korrekturspuren / Traces de correction“ erhalten das Centre National de Littérature und das Design-Büro „rose de claire“ am 4. November in Berlin den renommierten „reddot award 2016“-Designpreis. Ende des Monats werden drei „Forum“-Beiträge, die sich der Literaturkritik in Luxemburg widmen, auf dem universitären Kritikblog literaturkritik.at erwähnt.

Die Preise des „Concours littéraire national“ werden am 6. November an Bernd Marcel Gonner und an James Leader verliehen. Am 16.11. wird bekannt gegeben, dass die älteste Kultur- und Literaturzeitschrift Luxemburgs, „Les cahiers luxembourgeois“ erneut verlegt wird. Einen Tag später wird Guy Helminger für seine Gedichte mit dem „Dresdner Lyrikpreis“ ausgezeichnet. Wiederum einen Tag später gewinnt Claudine Muno mit ihrer Erzählung „Komm net kräischen“ den Luxemburger Buchpreis. Am 19.11. hält Xavier Bettel anlässlich der Eröffnung der Walfer Bicherdeeg eine Rede. Dabei trägt er keinen Schal.

Ende November erscheint Im „LiLu Verlag“ Sven Wohls Erstlingsroman „Loosst den Doudege schwätzen“. Auf Twitter beschwert sich Luc Caregari am 8. Dezember anlässlich einer „Land“-Kritik zu seinem Roman „Le citron-céphale“ über die „photo à la con“ von sich, welche die Kritik begleitet. Gut eine Woche später liest im „Café littéraire Le Bovary“ die Schriftstellerin Michèle Frank aus ihrem Werk vor. Am ersten Weihnachtstag erreicht die Facebook-Seite „Book Look“ des Eldoradio-Kritikers Jérôme Jaminet 3.000 Likes. Am Ende des Jahres umfasst das Autorenlexikon des „CNL“ 1.269 Einträge.