LUXEMBURG
MARCO MENG

„Green Innovation“ will mit Bioprodukten überzeugen

Beruflich seit 37 Jahren im Finanzsektor tätig, hat die seit 1992 in Luxemburg lebende Britta Jaegde mit ihrer Gesellschaft „Green Innovation“, die seit 2014 aktiv ist, einen Schritt in die Richtung getan, die ihr schon lange am Herzen liegt: Nachhaltige Landwirtschaft steht dabei im Mittelpunkt. Noch hat die Gesellschaft keine festangestellten Mitarbeiter, sondern ein Team von Unterstützern, aber das soll sich nach Willen von Jaegde bald ändern.

Worum geht es bei „Green Innovation“?

Britta Jaegde Die Gesellschaft kümmert sich um drei Sparten: Das eine ist der Biobereich, wo wir Biodünger herstellen, zum Beispiel eine sogenannte Bodenpille sowie einen Flüssigdünger als Vitalspray. Die Produkte sind rein biologisch, und wir möchten Tests damit auch in Luxemburg machen, zum Beispiel im Weinbau, um zu verhindern, dass wie sonst üblich hier mit Kupfer gespritzt wird. Unsere Produkte sind zwar schon deutschlandweit getestet und europaweit zugelassen, aber wir wollen hier in Luxemburg zeigen, dass bei professioneller Landwirtschaft und Weinbau diese Bioprodukte auch gute Resultate bringen. Das haben wir auch schon zum Beispiel jahrelang in der Türkei getestet, wo es große Probleme mit Pestiziden gab, und pestizidbelasteter Salat beispielsweise nicht mehr für den Export zugelassen war. Dort fingen wir mit unserem Biodünger an, den wir auch vor Ort produzierten. Dieser Dünger basiert auf Mist, wie er bei der klassischen Landwirtschaft anfällt, zu dem wir dann noch Bakterien und Pilze hinzusetzten, die dann in Kombination mit anderen Bioelementen hochwertigen Dünger machen. Uns geht es auch darum, dass wir die Gülleproblemetik, die es auch in Luxemburg gibt, damit in den Griff bekommen. Werden Tiere mit Antibiotika behandelt, sind Rückstände davon auch in der Gülle vorhanden, die wir durch bestimmte Bakterienzusätze neutralisieren.

Woher bekommen Sie diese Bakterien?

Jaegde Es handelt sich um verschiedene Bakteriengruppen, bei denen lange getestet worden ist, wie die Kombination sein sollte, damit es entsprechend positiv wirkt. Diese Bakterien beziehen wir von einem Labor im Erzgebirge in Deutschland, aber der Plan ist, das in Zusammenarbeit mit Luxinnovation in ein Labor in Luxemburg zu überführen und dann hier zu starten.

Neben Biodünger hat Ihr Unternehmen aber auch noch einen technischen Bereich?

Jaegde Ja, dazu gehört einmal die Klärschlammproblematik, zum anderen arbeiten wir mit der deutschen Firma „Wavetech“ zusammen, die ein Kabel entwickelte, das die Lebenszeit und Ladefähigkeit von Batterien vergrößert. Daneben hat das Unternehmen auch einen medizinischen Bereich. Hier ist der Geruchshemmer das Produkt, das wiederum auf den Bakterien , die auch beim Klärschlamm und Düngen eingesetzt werden, aufbaut, ein rein biologisches Produkt, das nicht nur unangenehme Gerüche neutralisiert, sondern auch als Desinfektionsmittel für Ställe, Krankenhäuser etc. dient. Dann haben wir uns auch an der ursprünglich finnischen Gesellschaft „Sovicell“ beteiligt, wo es vor allem um Patente zum Beispiel für die Wasseranalyse geht und die wir in Luxemburg etablieren wollen.

Wie kamen Sie als Bankerin auf die Idee zu einem solchen Unternehmen?

Jaegde Mein Großvater war Landwirt, darum ist mir das Thema nicht fremd. Zudem interessierte mich immer, was die Natur hergibt, zum Beispiel im medizinischen Bereich die Akkupunktur. Ich gründete dann eine Asbl, die vor allem in den Slums von Mumbai in Indien den ärmsten der Armen unter die Arme greift, und irgendwann sagte ich mir dann angesichts der Belastung des Grundwassers, dass es doch hier irgendwelche Lösungen geben muss. Wie der Zufall es will, traf ich damals in Istanbul den Erfinder unseres Düngers, als ich gerade an der Grenze zu Luxemburg einen kleinen Hof gekauft hatte, wo ich mit dem Konzept der Permaculture den Boden bewirtschaften wollte. Diesen rein biologischen Landanbau wollte ich für mich persönlich betreiben, um später etwas zu haben, wenn ich in Rente gehe und woran ich auch Spaß habe. In einer Zeit, in der Bayer Monsanto kauft und die ganz großen den Ton vorgeben, ist es aber gar nicht einfach für alternative Systeme. Umso mehr sagte ich mir, dass gerade Luxemburg, das neue nachhaltige Wirtschaftszweige erschließen will, dafür der richtige Standort ist. Kürzlich haben wir beispielsweise Luxinnovation gute alternative Lösung für Klärschlamm vorgestellt, und wollen jetzt aus Luxemburg heraus europaweit unsere Produkte vertreiben. Vielleicht sogar weltweit, denn wir haben bereits die ersten Einsätze unserer Produkte in Reisfelder im Iran, ein Land, das sehr unter Wassermangel leidet. Hier hilft unsere Bodenpille, die das Wachstum der Pflanze fördert, was zum zweiten dann die positive Auswirkung hat, dass die stark und dichter wachsenden Pflanzen dem Unkraut keine Sonne und keinen Platz mehr lassen. Wir konnten dokumentieren, dass die Pflanze mit Zugabe der Bodenpille sofort zu wachsen anfing.

Sie sprachen eben die Giganten Monsanto und Bayer an. Haben Sie mit ihrem Unternehmen gegen die überhaupt eine Chance?

Jaegde Wenn weiterhin die Produkte, die diese Unternehmen an Bauern verkaufen, so auf den Feldern eingesetzt werden, wird der Bauer irgendwann selbst realisieren, dass sein Ertrag zurückgeht und die Witterungsanfälligkeit größer wird. Wir sind eigentlich keine Konkurrenz zu den großen Firmen, sondern kommen meist dann zum Einsatz, wenn sonst nichts mehr geht. Darum wollen wir auch jetzt zum Beispiel gemeinsam mit der Ackerbauschule Ettelbrück Versuche starten, um unsere Erfahrung studienmäßig zu belegen.