LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK MIT DAPD

EU-Agrarminister beraten über Kennzeichnungspflicht für verarbeitete Lebensmittel

Als Konsequenz aus dem europaweiten Pferdefleischskandal beraten die EU-Landwirtschaftsminister nun über eine Kennzeichnungspflicht für verarbeitete Lebensmittel.

Zwischenzeitlich ist auch die schwedische Möbelhauskette IKEA betroffen. Tschechische Behörden haben Pferde-DNA in Fleischbällchen nachgewiesen. Der Einrichtungskonzern, der auch Lebensmittel verkauft, sei gestern darüber informiert worden und habe die betroffene Charge zurückgerufen, sagte eine Unternehmenssprecherin. Sie sei in 13 europäische Länder geliefert worden, darunter auch Belgien.

„Ich bin davon überzeugt: Die verpflichtende Herkunftskennzeichnung wird kommen“, sagte die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner vor dem Treffen gestern morgen in Brüssel. „Mit einem freiwilligen Modell kommen wir hier nicht weiter.“ Die Verbraucher hätten Anspruch auf größtmögliche Transparenz.

Aigner sprach sich außerdem für eine Zusammenarbeit aller EU-Staaten aus: „Wir leben in einem gemeinsamen Binnenmarkt, deshalb müssen sich alle Staaten der EU daran beteiligen.“ Sie wies darauf hin, die EU-Kommission wolle ihre Arbeiten nun beschleunigen. Noch in diesem Jahr könnten die entscheidenden Weichen zur Einführung einer Herkunftskennzeichnung gestellt werden. Österreich forderte die Kennzeichnung bereits seit Langem. „Jetzt ist die Zeit reif“, sagte Nikolaus Berlakovich, der österreichische Ressortchef. Denn der Pferdefleischskandal habe ein Schlaglicht darauf geworfen, dass Bestandteile von Fertiggerichten durch ganz Europa reisten. Wer wisse, woher seine Milch oder sein Fleisch komme, könne dann selbst entscheiden, ober er regional kaufe oder weit hergereiste Produkte.

Klares Konzept gefordert

Der Pferdefleischskandal hatte vor rund einem Monat auf den britischen Inseln begonnen, inzwischen wurde auch in Tausenden deutschen Gerichten falsch deklariertes Rindfleisch entdeckt. In einer ersten Reaktion einigten sich die EU-Länder auf flächendeckende DNA-Stichproben, um das Ausmaß des Betruges aufzudecken. Doch reicht das nicht, um das Verbrauchervertrauen zurückzugewinnen.

Für eine Herkunftskennzeichnungspflicht auch für verarbeitete Produkte wie Lasagne, Hamburger oder Tiefkühlpizza habe von der EU-Kommission bislang noch „kein klares Konzept auf dem Tisch gelegen“, kritisierte Aigner nun, wohlwissend, dass sie sich dafür bisher auch gar nicht stark gemacht hat. Nun solle die EU-Kommission ihre Arbeiten beschleunigen, forderte sie. Noch in diesem Jahr könnten die entscheidenden Weichen zur Einführung einer Herkunftskennzeichnung gestellt werden.

Tatsächlich gibt es auch weiter Gegner: Der deutsche Verband der Lebensmittelkontrolleure etwa hält eine schärfere Kennzeichnungspflicht für wirkungslos. „Bei krimineller Energie wie die Pferdefleisch-Untermischung hilft keine Kennzeichnung, sondern nur Kontrolle“, sagte Verbandschef Martin Müller.