LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Kartellklagen, E-Frachtbriefe, Logistikmaster - in Luxemburg tut sich im Logistikbereich einiges

Bewegende Zukunft

Das Päckchen kommt zu Hause an, Ware landet in Geschäften - aber welchen Weg sie bis dahin hinter sich hat, fragen sich die wenigsten Menschen. Dabei nehmen die Warenströme zu, Logistikunternehmen haben viel zu tun. Immer spezialisierter werden ihre Aufgaben. Pharma-Unternehmen oder Patisserien können dank moderner Technologie ihre gekühlte Ware verfolgen, Frachtbriefe laufen neuerdings elektronisch und der Nachwuchs für die Branche wird in Luxemburg sowohl an der Universität als auch in Unternehmen ausgebildet, gehört die Logistik doch zu den Wachstumsbereichen. Hier in Luxemburg sind Unternehmen wie Cargolux, Luxport, Arthur Welter, IEE, Streff, Husky und Panalpina aktiv und haben bislang beim „Tag der Logistik“ mitgemacht. Dieser fand am 19. April wieder statt und lud Interessenten in Unternehmen wie der CFL Multimodel in Bettemburg, dem Freeport am Findel oder zu Fanuc und IEE im Norden des Landes ein. Dort konnten sie sich selbst einen Eindruck von der Wertschöpfungskette machen, die den diesjährigen Schwerpunkt bildete. Wir stellen interessante Entwicklungen des Logistiksektors vor.

Die Kartellbrecher laden ein

CDC sucht in Luxemburg noch Unternehmen, die bei einer Sammelklage gegen Lkw-Hersteller mitmachen

Luxemburger Unternehmen können sich einer Sammelklage gegen Lkw-Hersteller anschließen, die beim Kartell mitgemacht haben. Denn von 1997 bis 2011 tauschten nach Feststellung der EU-Kommission die Lastwagenhersteller MAN, Daimler, Volvo/Renault, DAF, Iveco und Scania untereinander Informationen aus. Es ging um Lkw-Preise und die Einführung klimaschonender Technik, aber auch um Kostenumwälzung und Verzögerung der Technologie. Die Brüsseler Wettbewerbshüter werteten das als Kartell und verhängten Geldbußen in einer Gesamthöhe von fast vier Milliarden Euro. Die höchste Einzelstrafe mit rund einer Milliarde Euro musste Daimler bezahlen.

Das Unternehmen „CDC Cartel Damage Claims“ hat sich auf Klagen in diesem Bereich spezialisiert. Es übernimmt die Ansprüche seiner Kunden, setzt sie vor Gericht durch und zahlt dann den Kunden einen Betrag, der bei 65 bis 70 Prozent des Wertes ihrer Ansprüche liegt. „Da das Kartell in der Zeit von 1997 bis 2011 funktioniert hat, kommen hohe Summen zusammen“, ist Manager Vasil Savov überzeugt. „Jedem von dem Kartell betroffenen Unternehmen steht ein Anspruch auf vollständigen Schadensersatz zu.“ Er stellte die Vorgehensweise gestern auf einer Pressekonferenz vor. Anwesend waren dort auch das „Cluster for Logistics“ und das „Groupement Transport Luxembourg“ (GTL), die mit CDC zusammenarbeiten.

Lkw ab sechs Tonnen Gewicht

Potenziell betroffen in Luxemburg sind alle Unternehmen, die während des besagten Zeitraums Lkw von den Herstellern gekauft oder geleast haben. Das gilt also vor allem für große Logistik- und Transportunternehmen. Aber auch spezialisierte Lkw wie beispielsweise Bau- oder Müllwagen können dazu gehören. „Generell bezieht sich das auf Lkw ab sechs Tonnen“, weiß der CDC-Manager.

CDC klagt im Namen seiner Kunden in Amsterdam. „Dort haben wir gute Erfahrungen gemacht. Bislang haben wir dort alle Prozesse gewonnen, immerhin in Höhe von mehreren Millionen Euro. Die Entscheidungen fallen schnell“, erklärt Savov. Zurzeit haben sich 14 Unternehmen - auch aus Luxemburg - der Sammelklage angeschlossen. Für CDC ist eine hohe Zahl an Teilnehmern interessant, weil die Klage dann auf mehr Daten basiert und die Verhandlungsposition gestärkt wird.

„Ein Prozess läuft seit Sommer 2017, zwei weitere werden noch angestrengt“, sagt der Jurist. Geklagt wird im Hinblick auf verschiedene Ansprüche. „Die Kartell-Unternehmen haben beispielsweise die Nutzung neuer Technologien zulasten der Umwelt verzögert und Einführungskosten abgewälzt“, berichtet Savov. „Das hat sich negativ auf die Steuern ausgewirkt.“ Auch der Zins spiele eine Rolle bei den überhöhten Preisen. „Der war 1997 noch höher als heute, das muss individuell berechnet werden“, erläutert er. CDC habe eine eigene Software auf Basis von EU-Daten, die die genaue Zinsberechnung erlaube.

Teilnehmer zahlen nicht, erhalten im Zweifel aber Geld

Für Teilnehmer sei die Sammelklage interessant, weil sie sie nichts kostet, ihnen aber etwas bringen kann. CDC selbst rechnet mit rund einer Millionen Euro Prozesskosten jährlich und einer Prozessdauer von fünf bis sieben Jahren. Bei Zahlung geht das Geld an die CDC, die es je nach Vertrag an die Unternehmen auszahlt.

In Deutschland sind an unterschiedlichen Gerichten - unter anderem in München und Stuttgart - Klagen gegen verschiedene Lkw-Hersteller aus dem Kartell anhängig. Dabei geht es um Forderungen von weit über eine Milliarde Euro. Die Hersteller wehren sich. So argumentiert Daimler, dass den Kunden kein finanzieller Schaden entstanden sei. Die Hersteller hätten sich ausschließlich über den Bruttolistenpreis ausgetauscht. Dies habe aber keine Folgen für die Kunden gehabt, weil bei der Preisbildung viele Faktoren eine Rolle spielten, wie Motorisierung oder Sonderausstattung. Ein Knackpunkt in solchen Verfahren ist, dass der Geschädigte nachweisen muss, wie viel Geld er zu viel bezahlt hat. Das ist in der Regel sehr schwierig. In solchen Fällen werden oft ökonomische Gutachten von Experten herangezogen, um den Schaden zu schätzen.

In Luxemburg schätzt die auf Wirtschafts- und Handelsrecht spezialisierte Rechtsanwältin Anne Paul CDC als seriöse, spezialisierte Experten mit guten Erfolgsaussichten ein. Sie hat bereits mit CDC gesprochen, die sie über Sandrine Ville, Leiterin der Rechtsstellung der Transalliance-Gruppe kennengelernt hat. „Wenn sie das so durchsetzen können, wird das ein großer Prozess.“ Paul hält jedoch auch ein vorheriges Einlenken der Kartellteilnehmer für möglich.

„CDC Cartel Damage Claims“

Spezialisten, die juristisch gegen Kartelle angehen

CDC bezeichnet sich als Pionier und europäischer Marktführer spezialisiert auf die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen für Unternehmen, die aus dem Verstoß gegen EU- oder nationales Wettbewerbsrecht resultieren. Dazu gehört nicht nur Transport, sondern auch Zement, Zucker oder andere Themen. CDC ist laut eigener Aussage ausschließlich auf dem Gebiet der ökonomischen Analyse, dem Management und der Durchsetzung kartellrechtlicher Schadensersatzansprüche tätig und hat in den 15 Jahren seiner Tätigkeit erfolgreich zahlreiche Multi-Millionen-Euro-Vergleiche in einigen der größten Kartellschadensersatzverfahren in Europa erzielt. Das von deutschen Juristen gegründete Unternehmen hat Büros in Brüssel, Kaiserslautern und Luxemburg.

www.carteldamageclaims.com

Premiere für den elektronischen Frachtbrief

Der erste Lkw mit dem digitalen Dokument verließ gestern Luxemburg - hohe Einsparungen erhofft

Gestern verließ der erste Lkw mit einem elektronischen Frachtbrief Luxemburg. Damit bricht für den Logistiksektor eine neue Zeit an, auch, wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis alle Unternehmen das neue Dokument nutzen. Pionier ist die Spedition Arthur Welter. Das Speditionsunternehmen unter der Leitung von Marianne und Viviane Welter aus Leudelingen mit rund 500 Mitarbeitern und 350 Lkw erhofft sich davon Kosteneinsparungen von bis zu 4,50 Euro pro Frachtbrief, aber auch eine größere Genauigkeit bei der Übermittlung von Daten. Die digitale Integration ist sowohl für den Spediteur interessant als auch für die Politik, die auf digitale Vernetzung setzt.

Camille Gira erfreut über Papiereinsparung

Nicht zuletzt deshalb war Camille Gira, Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, auf dem offiziellen Termin im Cargocenter, ebenso wie Unternehmensvertreter von Cargolux, Luxair-Cargo, dem „Cluster for Logistics“ sowie weiteren Unternehmen. In der EU würden jährlich 400 Millionen Frachtbriefe genutzt, davon allein 65 Millionen im Benelux-Raum, sagte Gira. „Durch den e-CMR werden 170.000 Bäume weniger gefällt werden.“ Der e-CMR soll auch bei Kontrollen auf der Straße berücksichtigt werden. „Ich hoffe, dass alle in der EU diese Idee übernehmen und wir in Zukunft den Frachtbrief im Museum anschauen können“, kommentierte Gira.

60 Jahre lang war der Frachtbrief das Dokument, das Waren in der EU begleitete. 56 Staaten hatten den Frachtbrief anerkannt, technisch hieß das „Convention relative au contrat de transport international de Marchandises par Route“ (CMR). Es sollte den Transport von Waren einfach, überprüfbar und rechtssicher machen und wurde immer in Papierform vom Fahrer mitgeführt, Durchschläge blieben beim Absender, dem Frachtgut, dem Zoll oder anderen Behörden. Doch dann kamen Änderungen. 2008 wurde es erstmals möglich, den Frachtbrief digital zu gestalten. 17 Länder ratifizierten den so genannten e-CMR. Allerdings weigerte sich Belgien, weil dort die Besonderheit vorherrscht, dass auch die Polizei Lkw auf der Autobahn kontrollieren kann. Damit der Warenfluss in Benelux auch elektronisch funktioniert, riefen die Benelux-Länder deshalb 2017 ein Pilotprojekt ins Leben, das die Nutzung des elektronischen Frachtbriefs unter Berücksichtigung der belgischen Situation ermöglichte.

127.000 Frachtbriefe pro Jahr

Der elektronische Frachtbrief kann von verschiedenen Unternehmen programmiert werden. Luxemburg arbeitet mit dem französischen Anbieter Dashdoc zusammen, der eine Niederlassung im „House of

Startups“ plant, um in Luxemburg ebenfalls präsent zu sein. Präsident Benoit Joncquez rechnete vor, dass 930.000 Tonnen Ware jährlich durch das Cargocenter am Findel gehen, von denen 780.000 Tonnen auf Lkw landen. „Das entspricht 127.000 Lkw und genau so vielen Frachtbriefen und macht umgerechnet 900 Manntage aus.“ Durch den e-CMR ginge es nun viel schneller.

Nun hoffen alle Beteiligten, dass möglichst viele Unternehmen mitmachen. Insbesondere wenn das Wirtschaftsschwergewicht Deutschland die digitale Abwicklung ratifiziert und durchsetzt, solle es am Markt zu einem Umdenken kommen, hieß es. Hindernisse waren bislang die Startinvestitionen in die Umstellung, Fragen zur Datensicherheit und fehlende Standards. Cordelia Chaton

 

Logistik ganz praktisch

Luxemburg Seit 2016/2017 existiert die duale Ausbildung zum Diplom-Logistiktechniker. Rund 30 junge Absolventen werden derzeit in jedem Jahrgang an den Lyzeen in Bonneweg und Lallingen ausgebildet. 25 von ihnen können sofort mit einem Arbeitsvertrag im Anschluss rechnen. 2019 sind die ersten fertig.

„Leider ist die Ausbildung noch nicht so bekannt“, bedauert Jeanette Klar, die bei der Adem Arbeitgeber im Bereich Logistik berät. „Es ist eine kaufmännische Ausbildung mit Transportmodulen und Projekten. Das werden also keine Fahrer“, unterstreicht Klar. Die Ausbildung läuft so ab, dass die Teilnehmer, die in der Regel von technischen Lyzeen kommen, drei Tage im Unternehmen arbeiten und die anderen zwei an der Schule sind. Zu den teilnehmenden Unternehmen gehören die CFL, Kronospan, Cargolux, Panalpina, Kühne und Nagel, ArcelorMittal und weitere Industriebetriebe. Während der Ausbildung wird bereits ein Gehalt bezahlt. Nach dem Abschluss können die Logistiktechniker beispielsweise in den Bereichen Dispatching, Management oder dem maritimen Sektor tätig sein und sich um Transportplanung, Kundenbetreueung oder Lagerplanung kümmern. Die meisten sind Männer, aber auch einige Frauen haben sich für diesen Beruf entschieden. „Anfangs war es schwer für die Schüler, viele hatten sich das nicht so komplex vorgestellt. Jetzt finden sie das toll, auch, weil sie sehen, dass sie Verantwortung haben“, hat Klar bemerkt. Sie hofft, dass die Ausbildung noch bekannter wird. Interessenten können sich bei der Adem, den Schulen in Bonneweg und Lallingen oder dem „Cluster for Logistics“ melden.

Un master qui emballe

L’université du Luxembourg organise depuis près d’un an un Master en Logistique

Ils sont quinze à avoir été retenus en septembre dernier pour le nouveau „Master in Logistics and Supply Chain Management“ de l’Université du Luxembourg. Ces étudiants - aux parcours académiques variés - ont été sélectionnés sur base, entre autres critères, de leurs performances académiques et d’une lettre de motivation pour intégrer un programme pas comme les autres.

Durant dix mois au total, ils assistent à des cours en anglais à l’Université du Luxembourg et partent trois semaines au MIT de Boston. La célèbre université est en effet, tout comme l’Uni.lu, membre du réseau SCALE ou „MIT Global Supply Chain and Logistics Excellence“. Au terme de cette année de formation, ils reçoivent un diplôme de l’Uni et un certificat du MIT Global Scale Network.

Bien évidemment, cela a un coût: 24.000 euros pour une année. Pour l’administratrice de ce programme, Mélanie Winter, deux facteurs pèsent dans la balance: „Nous sommes tiraillés par les coûts très élevés des études supérieures aux Etats-Unis“, souligne-t-elle. „Et puis, un centre en Espagne également membre du réseau SCALE procède à un tarif identique“. A noter que treize bourses ont été octroyées l’an dernier.

Un passeport pour l’emploi

Bien qu‘étant une niche, ce module semble prisé. L’an dernier, l’Uni a reçu 160 dossiers de candidatures pour finalement quinze places. „Le partenariat avec le MIT attire les étudiants, c’est un bonus sur leur CV“, explique Mélanie Winter. „Dans le réseau SCALE, 85% des étudiants décrochent un emploi à la sortie et dont près de la moitié au sein des entreprises partenaires ou affiliées“. Car si le Master ne prévoit pas de stage, la thèse constitue bel et bien un exercice pratique pour les étudiants. Ils passent leur année à travailler en collaboration étroite avec une entreprise partenaire du programme sur une problématique définie au préalable.

„Ce Master répond à une demande des acteurs du milieu“, assure Mélanie Winter qui attend désormais la fin juin et la présentation des différentes thèses lors d’une „Research Fest“. Place ensuite à la deuxième promotion qui verra quelques modifications dans leur programme de cours, suite aux évaluations réalisées non seulement par les professeurs mais aussi par les étudiants. Ceux-ci reflètent une large diversité avec douze nationalités différentes sur quinze personnes. Par contre, il y a peu de candidats du Luxembourg et de la Grande Région „que nous aimerions attirer pour les futures promotions“, confie Mélanie Winter. catherine kurzawa

www.lscm.uni.lu