COLETTE MART

Nach sechs Wochen Ausgangssperre machen sich die Folgen der aktuellen Lebensumstände in unserem Alltag und unserem Gemüt bemerkbar. Demnach lohnt sich ein näheres Hinsehen, inwiefern die Pandemie uns verändert und eventuell auch Weichen für die Gesellschaft von morgen stellen kann, und inwiefern sie auf der Zukunft unserer Kinder lasten wird.

Seit sechs Wochen also haben die meisten von uns den physischen Kontakt mit Freunden, Familienmitgliedern und Arbeitskollegen weitgehend verloren; man sieht sich nicht mehr. Der Kaffeeklatsch mit der Freundin wurde durch einen Facetime-Termin ersetzt, man organisiert Teamkonferenzen mit Arbeitskollegen, und steht mit alledem noch gut da.

Bei schönem Wetter im Garten sitzen oder im Wald spazieren gehen ist das, was noch möglich ist; vielleicht wird also die Pandemie zur Zeit der Besinnung, man kann die plötzlich eingekehrte Ruhe etwas genießen, und gewinnt auch Abstand von Menschen und Tätigkeiten, die man schon länger nicht mehr mochte. Wir können demnach feststellen, welche Menschen uns fehlen und welche nicht, wonach wir uns tatsächlich sehnen oder eben nicht. Wer demnach gelernt hat, sich auf Videokonferenz und Facetime-Termin umzustellen, wird vielleicht zur Schlussfolgerung kommen, dass diese Arbeitsmethoden auch nach der Pandemie eine Option sind, die unseren Straßenverkehr entscheidend reduzieren und unsere Arbeit stressfreier machen könnte. Allerdings geht sehr viel menschlicher Kontakt dabei verloren. Man begrenzt sich auf das Faktische, man spürt die Schwingungen und Funken nicht mehr, die zwischen Menschen überspringen, man verliert das Gespür dafür, was der andere wirklich denkt, und was nicht immer identisch ist mit dem was er sagt. Die beängstigende Frage ist allerdings, was die Ausgangssperre aus jenen von uns macht, die vielleicht Geschäftsinhaber oder Freischaffende sind, die im Sommer ihr Studium abschließen und keine Arbeit finden, oder jenen, die plötzlich arbeitslos werden, Geld und Hoffnung verlieren. Was macht die Ausgangssperre darüber hinaus mit unseren Kindern? Viele haben über Monate den Kontakt mit der Luxemburger Sprache verloren, und nicht alle werden zuhause sinnvoll beschäftigt. Eltern und Kinder wurden tagsüber zusammengeführt, für viele ist dies vielleicht eine ganze neue Erfahrung.

Im besten Falle finden sie zusammen, fahren gemeinsam Fahrrad und gehen im Wald spazieren. Tatsächlich begegnet man plötzlich ganzen Familien im Wald, und dies ist eine Chance für neue Lebenswege und -entscheidungen. Es ist davon auszugehen, dass Kinder, die in liebevollen Elternhäusern aufwachsen, an der Krise wachsen werden, während andere den alltäglichen Kontakt mit Lehrern und Erziehern als wichtige Bezugspersonen verlieren, und nach der Krise schulisch und emotional geschwächt sind. Nach der Ausgangsperre wird die Rückkehr in die Normalität vielleicht langsamer als erwartet. Es wird eine Zeit des Nachdenkens, der Umorientierung geben, in der wir uns zuerst um die Opfer der Krise kümmern müssen.