KOERICH
CLAUDE KARGER

...wird endlich gut - „Gréiweschlass“ in Koerich eröffnet bald als Kulturstätte

Das Lächeln auf den Gesichtern der „Käercher Schlassfrënn“ hatte wohl etwas mit dem tollen Wetter am Donnersstag zu tun. Vor allem aber war es Erleichterung und Stolz, der Öffentlichkeit endlich das neue architektonische Konzept vorstellen zu können, das den alten Mauern des „Gréiweschlass“ ab dem 13. September neues Leben einhauchen wird. Schließlich haben die 1993 gegründeten „Schlassfrënn“ über ein Vierteljahrhundert dafür gekämpft, dass der drohende Zerfall des ehemaligen Wasserschlosses - es ist übrigens das einzige im „Tal der Sieben Schlösser“, das frei zugänglich ist - aufgehalten und es derart auf Vordermann gebracht wird, dass Aktivitäten darin stattfinden können.

Obwohl das „Grafenschloss“, dessen Ursprung auf das 14. Jahrhundert zurück geht und das im 18. Jahrhundert definitiv verlassen wurde, bereits 1938 unter Denkmalschutz gestellt wurde und 1985 in Staatsbesitz überging, tat sich hier lange Jahre nichts zur Stabilisierung der baulichen Substanz. Dieser Lage überdrüssig schlossen sich einige um den Erhalt des lokalen Patrimoniums besorgte Freunde zu den „Schlassfrënn“ zusammen und starteten eine stete Lobby-Arbeit, um die staatlichen Stellen zum Eingriff zu bewegen.

6,9 Millionen Euro investiert seit 2011

Während die Schlossfreunde, die heute zu 250 bis 300 sind, auch selbst Hand anlegten, ging die Saat langsam auf. Mitte der 1990er fanden Notarbeiten zur Stabilisierung der Ruine statt, während 2000 archäologische Ausgrabungen in Angriff genommen wurden, die bis 2003 andauerten. 2009 bekam das Projekt „Kulturschlass“ wieder neuen Elan. Allerdings sollten noch einige Jahre ins Land gehen, bis die diesbezüglichen Arbeiten tatsächlich ausgeführt werden konnten.

Dass dieser ganze Prozess nicht ohne Spannungen vonstatten ging, die manchmal auch Schlagzeilen machten, das sparte „Schlassfrënn“-Präsident Georges Simon während seiner Einführung in die gestrige Pressekonferenz nicht aus. Doch damit hielt man sich nicht zu lange auf, war doch jeder der Redner bei der Veranstaltung voll des Lobes für die harmonische Zusammenarbeit auf den letzten Etappen hin zum „Kulturschlass“ seit 2013. Das Konzept wurde von der Architektin Tatiana Fabeck entworfen, die übrigens buchstäblich nur einen Steinwurf entfernt vom „Gréiweschlass“ wohnt und arbeitet. Es zeichnet sich vor allem durch einen Parcours aus stählernen Elementen aus, sowie durch ein Zeltdach auf der Bühne. Zum Konzept gehört auch eine ausgeklügelte Beleuchtung, die in den nächsten Tagen ausgetestet werden soll. Alles ist so beschaffen, dass die baulichen Elemente jederzeit wieder entfernt werden können, sollte sich irgendwann ein anderes Konzept aufdrängen.

Mit 6,9 Millionen Euro habe der Staat die Arbeiten seit 2011 unterstützt, erklärte die Kulturministerin, für die das „Kulturschlass“ ein gutes Beispiel dafür ist, „wie man alte Substanz aufwerten kann, ohne zu sehr darin einzugreifen. Ausgrabungen und Renovation haben rund 2,4 Millionen Euro verschlungen, 3,6 Millionen die Amenagierung der Zugangsrampen und des Pavillon.

Freilich bleibt auch vom archäologischen Standpunkt her noch einiges zu erforschen, könnte doch besonders interessant sein, was sich auf dem Grund des zugeschütteten Wassergrabens befindet. Der Ort soll auch außerhalb der Schlossruine stärker aufgewertet werden, etwa mit Erklärtafeln über die Geschichte des Areals und der heute 2.600 Sellen zählenden Gemeinde, das einst sogar zwei Schlösser hatte. Die spannende Geschichte der Koericher Adelssitze kann man in der reich bebilderten und dokumentierten Broschüre der „Käercher Schlassfrënn“ nachlesen.