NIC. DICKEN

Vor einigen Tagen hatte sich RTL-Kollege Eric Hamus genauso eingehend wie kritisch mit der Rolle und dem Selbstverständnis der Presse befasst und dabei insbesondere die Bedeutung und Gewichtung der einzelnen in den Medien doch recht unterschiedlich behandelten Themen unter die Lupe genommen. Mit der zunehmenden Verbreitung der neuen elektronischen Medien, die selbst in den entlegensten - und ärmsten! - Regionen der Welt längst zum gängigen Leben gehören, hat die Flut der Informationen um ein Vielfaches zugenommen.

So attraktiv das erweiterte Angebot auf Anhieb auch erscheinen mag, so wenig erleichtert es die Aufgabe des Journalisten, der für einen begrenzten Platz auf der Zeitungsseite oder in der Sendezeit eine Auswahl treffen muss, mit der er einerseits der Wichtigkeit des Geschehens, andererseits aber auch der Interessenlage des Lesers oder Zuhörers Rechnung tragen muss. Zu seinem Aufgabenbereich gehört es darüber hinaus, ein möglichst vielschichtiges und abwechslungsreiches Gesamtbild zu schaffen, das ein möglichst breites Publikum ansprechen soll.

Dass sich dazu spektakuläre Vorfälle, wie etwa ein Attentat oder ein Flugzeugabsturz, besser eignen als alltägliche Missverhältnisse, ob nun bei uns oder in fernen Ländern, ist in diesem Zusammenhang eine Tatsache, die weniger von der eigentlichen Interessenlage des Journalisten als vielmehr von der Sorge um die Wissbegier des Publikums geprägt wird.

Der tägliche tausendfache Hungertod in Entwicklungsländern findet dabei notgedrungen kaum noch Beachtung, eben weil er so alltäglich ist. Der Flugzeugabsturz dagegen bietet ein ungleich größeres Potenzial zur Befriedigung der in uns allen präsenten Sensationsgier.

Und gerade hier stellt sich eine weitere Herausforderung: Neben dem Wahrheitsgehalt einer Nachricht muss der Journalist auch deren publizistische Zumutbarkeit abwägen, wobei zwischen der berühmten „Schere im Kopf“ und einem allzu saloppen Umgang mit den Sachverhalten oft nur ein schmaler Grat besteht.

Zur Verantwortung des Journalisten gehört deshalb auch eine hohe Sorgfaltspflicht, die vor allem dann spielen muss, wenn es um konkrete Vorwürfe gegen einzelne Menschen oder auch Gruppen geht, die im Fokus stehen. Es genügt also nicht, sich mit der zu behandelnden Materie oder dem konkreten Dossier weitgehend auszukennen, sondern es gilt auch, auf einen pfleglichen und rücksichtsvollen Umgang mit dem oder den Betroffenen zu achten.

Das Dilemma im Journalismus unserer Tage besteht zum großen Teil darin, dass zunehmend auf Schnelligkeit der Veröffentlichung und zwangsweise weniger auf Tiefe und Hintergrund der Information gesetzt wird. Des einen Leid ist auch hier des anderen Freud: Wo der Online-Journalist kapitulieren muss, bieten sich dem Zeitungsmann mit Dokumentation und Kommentar neue Zukunftschancen.

Diese korrekt zu nutzen wird unser Anliegen bleiben.

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