LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

FEDIL-Präsident Nicolas Buck vergleicht Luxemburg beim Neujahrsempfang mit einem Unternehmen und kommt zu interessanten Vergleichen

Die Rede, die FEDIL-Präsident Nicolas Buck gestern Abend in den Hallen der Luxexpo anlässlich des traditionellen Neujahrsempfangs hielt, war anders als seine erste Antrittsrede. Und das war dem Chef des Industrieverbandes auch sehr bewusst. „Unternehmen haben wenig Rechte und viele Pflichten“, sagte Buck vor den rund 900 geladenen Gästen und blickte zurück auf die 80er Jahre und ihren Optimismus und die Zeit, in denen die USA sich noch als Partner Europas sahen und Luxemburg enge Bande knüpfte. Die 90er waren die Zeit, in der die Globalisierung begann und China anfing, eine Rolle zu spielen, die sich seither stark verändert hat, erinnerte Buck.

Dann verglich er Luxemburg mit einem Unternehmen und fragte, was wohl wäre, wenn es verkauft werden müsse und ein Investmentbanker dem CEO und dem Management Fragen stellen würde. Da unter den anwesenden Gästen auch Premier Xavier Bettel, Wirtschaftsminister Etienne Schneider und Finanzminister Pierre Gramegna saßen, war ihm die Aufmerksamkeit der Politik sicher. „Der Investmentbanker würde schnell feststellen, dass der CEO das Volumen, also das Bruttoinlandsprodukt, schlecht planen kann“, warnte Buck. Auch würde der Investmentbanker schnell merken, dass es nur wenige institutionelle Kunden gibt, das die Preispolitik unsicher ist und dass die Bilanz Risiken enthält, die so hoch sind, dass die daraus resultierenden Verbindlichkeiten Käufer abschrecken und „Sie Ihnen noch Geld dazu geben müssen.“ Dann kam er auf die Industrie zu sprechen als jenes Geschäftsfeld, mit dem das Unternehmen groß geworden ist. „Er würde feststellen, dass es ein enormes Entwicklungspotential hat.“

Space Mining hingegen sei gut fürs Marketing, andere Sektoren überreguliert und überteuert. Die Botschaft war klar. Die FEDIL fühlt sich stiefmütterlich behandelt, auch, wenn Buck an diesem Abend nicht im Einzelnen auf das Koalitionsabkommen eingehen wollte. „Ich bin jetzt seit drei Jahren im Amt und wir haben Probleme, die wir regeln müssen“, schlug er einen ernsthafteren Ton an. „In den nächsten zehn Jahren müssen wir zusammenhalten und große Entscheidungen treffen. Und ich bin überzeugt, dass wir Opfer bringen müssen.“ Das war der Wink in Richtung Pensionen. „Wir werden die Regierung unterstützen. Wir sind enttäuscht von den vielen Pflichten und wenigen Rechten“, gab Buck die Richtung künftiger Diskussionen vor.

Anschließend amüsierte der französische Wirtschaftsliberale und Autor Nicolas Bouzou mit seinem Vortrag über das, was kommt und das, was schief läuft. Die Mitglieder hatten Gelegenheit, seine Ideen bei einem schön angerichteten Cocktail zu diskutieren. Auch über sich konnten die Mitglieder sprechen. Immerhin hat die FEDIL mehr als 600 Mitglieder, ein neuer Rekord. Sie hat diesen 2018 mehr als 700 Ratschläge erteilt, 28 Events mit über 3.800 Teilnehmern organisiert und 2018 über 7.000 Schüler von der Industrie zu überzeugen versucht.

News aus Davos

Das Schlusswort sprach der gerade vom Weltwirtschaftsforum in Davos zurück gekehrte Premier Xavier Betttel. „Stabilität und Vorhersehbarkeit sind wichtig“, sagte er mit Blick auf den Brexit. „Aber man muss sich auch anpassen.“ Dabei kam er auf sein Gespräch mit Jack Ma von Alibaba in Davos zurück. „Wir müssen bereit sein“, sagte er. Immerhin habe er in Davos den Eindruck gehabt, dass sich das Image Luxemburgs geändert habe. „Jetzt wollen die Leute über uns reden. Wir haben es geschafft“, sagte er mit Blick auf das einstige Schmuddel-Image. Zwei Themen in
Davos hätten alle beschäftigt: „Das Verhältnis der USA und China und der Ausgang des Brexit.“

Künstliche Intelligenz sei heute eine Notwendigkeit für Unternehmen und beschäftige die Wirtschaftsführer ebenfalls. Aber auch eine solide Bildung sowie Selbstvertrauen seien wichtig, um mit diesen Themen umgehen zu können. Er versprach, der FEDIL ein zuverlässiger Partner zu sein, dankte und gratulierte ihr.