CORDELIA CHATON

Gipfel wie der G7 sind internationale Pflichtübungen, deren Ableistung aufgrund von Protesten immer schwieriger wird angesichts der angereisten und gut organisierten Demonstranten. Hohe Erwartungen hatte keiner. Viele stellen selbst den Sinn dieser Termine in Frage. Aber Tatsache ist, dass es immer noch um Menschen geht - und Politiker sind genau das. Es ist sinnvoll und wichtig, dass sie miteinander reden und sich kennen. Schon allein deshalb lohnt sich ein solcher Termin.

Macron, der Mediator, hat sich in Biarritz gut verkauft. Er hat Trump geholfen, aus der diplomatischen Sackgasse herauszukommen, in der der US-Präsident wegen des Irans steckt. Das sorgt in internationalen Diplomatenkreisen für mehr Ängste, als den meisten Menschen bewusst ist. Schließlich handelt es sich um ein regelrechtes Pulverfass. Der Iran und die USA sind seit der islamischen Revolution 1979 und dem Sturz der von Washington unterstützten Monarchie verfeindet. Seit dem Besuch von US-Präsident Jimmy Carter beim letzten Schah 1977 gab es kein bilaterales Spitzentreffen mehr. Ruhanis Forderung, Trump solle erstmal die Sanktionen stoppen, dann sehe man weiter, ist noch keine Abwertung des G7-Erfolgs und vor dem Hintergrund der Vergangenheit zu sehen. Denn wenn man überlegt, wo die Gespräche sich befunden haben, kann man sich eigentlich nur freuen.

Abzuwarten bleibt auch, was aus dem Handelskrieg-Gerassel wird. Immerhin schien Trump diesmal deutlich friedlicher gestimmt und unterließ sein übliches Twitter-Gewitter, deutete sogar eine mögliche Einigung an. Sollte es etwa die Realität sein, die ihn im eigenen Land einholt? Er war jedenfalls nicht nur von markiger Männerfreundschaft mit Macron, sondern fast schon galant gegenüber dessen Frau, die mal wieder Gegenstand lächerlicher Äußerungen des brasilianischen Populisten Jair Bolsonaro war. Fast schon diplomatisch wirkte Trump da, ein Wort, dass einem sonst kaum einfallen mag, wenn man an ihn denkt. Bemerkenswert auch, dass Macron zum Abschluss gemeinsam mit Trump auftrat, das hätte er nicht tun müssen. Der französische Präsident war sichtlich in seinem Element als Vermittler, selbst wenn böse Zungen behaupten, Französisch sei nur deshalb die Sprache der Diplomatie, weil nie klar sei, was eigentlich genau gemeint sei.

Angesichts des Amazonas-Brandes herrschte weitgehende Einigkeit, die mit der dem brasilianischen Machthaber eigenen großschnäuzigen Starrköpfigkeit sogleich zurückgewiesen wurde. Sein Vorwurf der Kolonialisierung zieht jedoch nicht, denn Frankreich betrachtet sich wegen seines Überseegebiets Französisch-Guyana ebenfalls als Amazonasland. Geholfen ist dem Amazonas damit jedoch nicht. Jetzt soll der Druck auf Brasilien über den wirtschaftlichen Kanal und das Mercosur-Abkommen erfolgen. Trump versucht, Bolsonaro über verständnisvolle Tweets zu gewinnen. Charme als neue Strategie? In Brasilien selbst klingen Kritiker weit weniger freundlich. Doch auch wenn der Präsident ein Brandstifter ist: Brasilien zu isolieren hilft dem Amazonas nicht. Gemeinsames Vorgehen, das ist es, was wirklich zählt.