LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Die DP und der „Luxembourgish way of life“ - Und wie sie ihn stärken will

Wat d’Heemecht ass, dat froen s’oft“, stellte Nationaldichter Michel Lentz bereits in seinem berühmten Gedicht fest. Für die DP ist die Antwort auf diese Frage eine vielschichtige.

Das Luxemburgische ist natürlich ein zentraler Faktor. „Wir haben uns in dieser Legislatur so viel mit der Sprache beschäftigt, wie noch nie zuvor“, betonte Claude Meisch gestern bei einer Pressekonferenz zum Kapitel „Identitéit & Kultur“ aus dem liberalen Wahlprogramm mit dem Slogan „Zukunft op Lëtzebuergesch“.

Der Bildungsminister, auch einer von zweien Spitzenkandidaten im Wahlbezirk Süden, erinnerte in dieser Hinsicht an die Schaffung eines Kommissars für die luxemburgische Sprache sowie eines Zentrum für Luxemburgisch, die Grundlage „für eine systematische Sprachenpolitik für den gesamten Staat und die Gesellschaft“, wie es im Wahlprogramm heißt. Ferner hat Meisch ja einen 20-Jahresplan zur Förderung der Sprache angestoßen, der im Detail im Zusammenspiel mit den Bürgern ausgearbeitet werden soll.

Auch Alexa und Siri sollen Luxemburgisch lernen

Deshalb wollen die Liberalen die „Sproocheronnen“ analog und digital weiterführen und stärken. Nicht nur etwa durch die Schaffung von Online-Plattformen, auf denen man sich über das Luxemburgische austauschen kann: auch Sprachassistenten wie Alexa oder Siri sollen Luxemburgisch verstehen. Die DP will sich dafür einsetzen, dass die Sprache in Schreibprogramme und Betriebssysteme für Computer einfließt. Notfalls müsse der Staat seine Verantwortung übernehmen und solche Systeme entwickeln lassen.

Auch bei der Luxemburgisch-Schulung für Personal in „sensiblen Berufsfeldern“, wie etwa dem Gesundheitswesen oder der Seniorenpflege soll der Staat fördernd zur Seite stehen. Die Liberalen wollen darüber hinaus jedem Spital einen Interpreten zugestehen, der im Falle des Falles zwischen dem medizinischen Personal und dem Patienten übersetzen soll.

Um das zu erleichtern soll auch das Online-Wörterbuch mit medizinischen Begriffen (med.lod.lu) weiter ausgebaut werden, überhaupt soll der „Lëtzebuerger Online Dictionnaire“ kontinuierlich gefüttert werden. Die DP will in diesem Zusammenhang auch eine Datenbank mit alten und traditionellen Wörtern schaffen, um auch das sprachliche Patrimonium zu erhalten.

Apropos: Im Zusammenhang mit der Debatte über die Springprozession in Echternach hatte die Regierung die Einführung eines „Dag vum Lëtzebuerger Patrimoine“ angekündigt, um vor allem Schüler näher an das historische Erbe in all seinen Facetten heranzuführen. Bei der „Rentrée“ vorstellen will Meisch auch Apps und Internetseiten mit Informationsangeboten über die luxemburgische Kulturgeschichte. Luxemburgisch als Integrationssprache stärken will die DP etwa über die Verpflichtung für Privatschulen, Luxemburgisch-Kurse anzubieten.

Aber die „Identität“ des Großherzogtums, das sind für die DP auch gemeinsame Werte wie Offenheit, Toleranz und Solidarität. Zum „Luxembourgish way of life“, der Pate des Erfolgs des Landes ist, gehöre das Luxemburgische genauso wie die Mehrsprachigkeit, die Traditionen genauso wie die Innovationen. Oder „Schueberfouer genauso wie Spacemining“, wie Claude Meisch an einem aktuellen Beispiel ausführte. Er glaubt, dass weniger das Territorium als vielmehr die gemeinsamen Werte der Gesellschaft die „Heemecht“ ausmachen, nach der jeder „eine ganz natürliche Sehnsucht“ empfinde. Gerade in Zeiten von Globalisierung und fundamentalen, rasanten, Änderungen, sei es wichtig, dass man sich „an etwas festhalten“ könne. Für die Liberalen, die die Debatte über die luxemburgische Sprache begrüßen und vertiefen wollen, ist es demnach wichtig, weiter über die luxemburgische Identität zu diskutieren. Dazu will die DP ein Forum schaffen, ein „Lëtzebuerg-Haus“, gewissermaßen ein „Flagship-Store“, „in dem sich alteingesessene Luxemburger, neue Luxemburger und auch Besucher ein Bild unseres Landes und unserer Kultur machen können“. Hier solle man „Luxemburg sehen, hören, anpacken und schmecken können. Es soll also kein Museum sein, sondern ein lebendiger Ort, wo man unsere Sprachen, Musik, Sport, Natur, Geschichte, Literatur, Gesellschaft und unsere Küche erleben kann“. Das Forum soll aber auch für gesellschaftskritische und kontroverse Diskussionen über die Herausforderungen für die Gesellschaft genutzt werden können. Es solle ein „Spiegelbild der luxemburgischen Identität sein mit allen ihren Facetten, ihrer Tradition und ihrer Innovation“.