LUXEMBURG
CLAUDE KARGER/SVEN WOHL

Tausende Schüler „streiken“ gegen die Klimakrise und machen ihrer Enttäuschung über die Politik Luft

„What do we want? Change! What do we want? Change!“. Mit diesem vielfach wiederholten Appell kamen tausende Schüler gestern kurz nach 13.00 am „Knuedler“ an. Eine Stunde zuvor hatten sich die Teilnehmer am „Global Strike for Future“ in Luxemburg auf dem „Glacis“ gesammelt und waren durch die Avenue de la Porte Neuve ins Stadtzentrum marschiert. Durch die Rue Notre-Dame gelangten sie dann vor das Stadthaus. Die Organisatoren von „Youth for Climate“ freuten sich über „15.000 Teilnehmer“.

Teilnehmer, von denen manche bunte Plakate gebastelt hatten, auf denen etwa zu lesen war: „Wir haben keinen Planet B“, „Be part of the solution, not the pollution“, „Act now - or swim later“, „Etat d’urgence“, „Make our planet great again“ oder „Hey, wir woll’n die Eisbären sehn“. Als der Marsch am „Knuedler“ ankam, schmetterte die Soundanlage „We are the world“, die Hymne von „USA for Africa“, einst Mitte der 1980er von Michael Jackson und Lionel Ritchie geschrieben, um Gelder für die Hungersnot in Äthiopien zu sammeln.

„We are the world“

Die Demonstranten sangen lautstark mit und tanzten, wie auch bei den anderen Hits, die zwischen teils flammenden Reden gespielt wurden. Darin wurde immer wieder von der Politik gefordert, endlich Verantwortung zu übernehmen, um den Klimawandel zu stoppen. „Wir hoffen, dass die Politik aus dieser Demonstration lernt. Wir können das weiter machen. Es tut erst weh, wenn wir nicht zur Schule gehen“, warnte Zohra von „Youth for Climate“. Es erging der Aufruf an die Beteiligten am „Klimastreik“, „in den Mutterparteien zu streiten“, damit Veränderungen kommen, aber auch mit ihren Eltern über den Klimawandel zu sprechen.

„Die Jugend ist Teil der Gesellschaft und der Politik“

Die Redner wehrten sich indes gegen Meinungen, sie hätten besser zur Schule gehen sollen statt auf die Straße: „Die Jugend ist Teil der Gesellschaft und der Politik. Und Demonstrationen sind in der Demokratie ein Mittel, Forderungen durchzusetzen“, unterstrichen die Redner, von denen manche auch einen „radikalen Systemwechsel“ forderten. Die von Wirtschaftsinteressen geprägte Gesellschaft müsse einer Gesellschaft weichen, in der Solidarität und Nachhaltigkeit groß geschrieben werden. „Wir haben nichts zu verlieren, sondern eine Zukunft zu gewinnen“, rief ein kämpferischer Redner.

Wir haben uns natürlich umgehört, was die Schüler bewegt hat, bei der Demo mitzumachen. „Ich möchte die Verschmutzung bekämpfen und den Klimawandel aufhalten“, sagt Jeanne, die bei ihren Mitschülern für die Teilnahme geworben hat: „wir hatten zwei Stunden Mathe, da waren sie nicht gerade glücklich, aber ich habe mich durchgesetzt. Die Lehrer waren ganz glücklich, dass wir hier mitmachen, aber da gehen ihnen natürlich einige Stunden verloren.“ „Ich setze mich dafür ein, dass unsere Zukunft in 50 Jahren so aussieht, wie heute. Und dass die Generationen, die nach uns kommen, die gleichen Chancen wie wir haben. Deswegen müssen wir demonstrieren. Es reicht nicht, auf die Gutherzigkeit der Menschen zu zählen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass das nichts bringt. Wir müssen mit unseren Gesetzen weiter gehen, um die Menschen dazu zu bewegen, etwas dagegen zu unternehmen. Ich bin ganz optimistisch, dass das funktionieren wird“, meint Charel, „mein Vater hat mich dabei unterstützt, die Entschuldigung auch unterschrieben.“ Die Lehrer hätten sehr positiv zu dem Thema gestanden und die Schüler motiviert, teilzunehmen.

„Ich setze mich hier als Jugendlicher ein, weil es meine Zukunft betrifft. Die Manifestation ist in meinen Augen ziemlich abstrakt, aber wir müssen zeigen, dass wir etwas ändern wollen, denn so können wir nicht weiterleben“, sagte Christoph. Seine Eltern seien von der Aktion begeistert gewesen, auch die Lehrer hätten die Beteiligung unterstützt.

Kooperativ

„Ich bin hier, um zu zeigen, dass wir nicht damit einverstanden sind, dass die Erwachsenen mit unserer Welt so eine Scheiße machen und wir uns dann um den Dreck kümmern können“, unterstrich Nella, „meine Mutter war vollkommen mit dem Streik einverstanden. Sie sagte mir, ich solle einfach teilnehmen.“ Auch einige Lehrer seien darüber glücklich gewesen, dass ihre Schüler teilnehmen.
Kurz nach 14.00 löste sich die Demonstration langsam auf. Die Polizei geht entgegen den Organisatoren davon aus, dass vielleicht 7.500 Teilnehmer den Weg auf den „Knuedler“ gefunden hatten. Allerdings habe es während des Marsches viel Hin und Her gegeben. Größere Vorfälle seien nicht zu beklagen gewesen, sagte uns ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Die Schüler hätten sich sehr kooperativ verhalten.