NIC. DICKEN

Wenn viele etwas anderes wollen als das, was derzeit Bestand hat, dann ist Wechsel angesagt. Der „Wechsel“ an sich ist aber keine feste Größe, weil sich darunter jeder etwas anderes vorstellt.

Das gilt besonders in der Politik. Wenn da von Wechsel die Rede geht, dann ist meistens ein Austausch des Führungspersonals angesagt, in den wenigsten Fällen aber ein grundsätzlicher Wandel der Ausrichtung, der Orientierung, die aber der wirkliche Inhalt des „Wechsels“ sein sollte.

Deshalb auch ist nicht so klar, oder aber doch sehr klar ersichtlich, was die nach wie vor größte Partei des Landes, die CSV, mit ihrem neuen Slogan „Zesumme fir de Wiessel“ für die Zeit nach dem 14. Oktober 2018 eigentlich bezweckt.

Parteipräsident Marc Spautz hat versucht, den „Wiessel“ auf die personelle Erneuerung in der Chefetage der nationalen Politik zu begrenzen: Er will, dass „ohne oder gegen die CSV“ keine Regierung gebildet werden kann. Das mag für einen Vorsitzenden logisch und legitim erscheinen, dem wahlberechtigten Bürger sagt das nur herzlich wenig, weil er zwar für einen Wechsel stimmen soll, dabei aber nicht wirklich weiß, worauf er sich damit einlässt.

Spitzenkandidat Claude Wiseler war dabei schon etwas konkreter: Er will in der Familienpolitik wesentliche Akzente setzen, um neu geschaffene Flexibilitäten noch flexibler zu gestalten.

Hat er schon vergessen, dass seine Partei erst vor fünf Jahren eben jene neue Flexibilität, die Corinne Cahen den Mut hatte durchzusetzen, noch radikal abgelehnt hatte?

Kann die aktuelle Familienministerin besser rechnen, als ihre Vorgängerin, oder hat die CSV jetzt erst entdeckt, dass man auch in der Familienpolitik rechnen muss, bevor man lauthals losprustet?

Wenn die CSV für eine Politik, die den wenigsten der wahlberechtigten Einwohner des Landes entgegenkommen soll, massiv mehr Mittel freimachen will, dann sollte sie auch sagen, wie sie das finanzieren will. Da aber schweigt des Sängers Höflichkeit.

Genau wie auch bei der Thematik des Wachstums, wo es bestimmt nicht ausreicht, lediglich einige Platitüden à la „Kreislaufwirtschaft“ zu äußern ohne klar vorzugeben, wer was wie in Zukunft ändern soll, damit das nachher auch klappt „mit den (neidischen) Nachbarn“.

Luxemburg hatte einige Finanzminister (CSV), die das Land an den Rand der EU-Zugehörigkeitsfähigkeit bugsiert hatten, Luxemburg hatte Nachhaltigkeitsminister (CSV), die zwar Bedarf und Planung kannten, nicht aber Umsetzung und Realisierung beherrschten, Luxemburg hatte Sozial- und Familienminister (CSV), die Handlungsbedarf erkannt, nicht aber befriedigt haben.

Wer gibt dem Land und den anvisierten Wählern die Garantie, dass die CSV selbst den Wechsel geschafft hat, den sie dem Land verordnen will?

Für Fieberbekämpfung reicht es nicht, das Thermometer zu wechseln.