LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die Villa Vauban zeigt Fotografien von Edward Steichen im Dialog mit der Malerei

Edward Steichen (1879-1973) bringt hierzulande zweifelsohne jeder gleich mit den von ihm zusammengestellten Ausstellungen „The Family of Man“ oder „The Bitter Years“ in Verbindung. Sein eigenes Werk wird dagegen weniger oft thematisiert. Die Villa Vauban widmet dem Fotografen nun mit „Time Space Continuum - Fotografien von Edward Steichen im Dialog mit der Malerei“ eine interessante Schau. Gezeigt werden 44 seiner Fotografien, darunter neun Originalabzüge, die sich seit 1980 im Bestand der Fotothek der Stadt Luxemburg befinden. Der Großteil der Bilder stammt aus der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der 1920er Jahre, die als Steichens kreativste und bedeutendste Schaffensperiode gilt. Nach der Ausstellung werden die Fotografien als Dauerleihgabe in den Bestand des „Musée National d’Histoire et d’Art“ (MNHA) integriert.

Luxemburger Zeitgenossen

Die Ausstellung in der Villa Vauban zeigt dieses Ensemble zusammen mit ausgewählten Gemälden und Skulpturen von Luxemburger Zeitgenossen des berühmten amerikanischen Fotografen, vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1940er Jahre. Die Ähnlichkeit von Motiven und Kompositionen verdeutlicht die vielfältigen Beziehungen zwischen Steichens Fotokunst und der Malerei. „Ich liebe die Methode des Vergleichs. Das Auge lernt sehr viel, wenn es die Möglichkeit hat, zu vergleichen“, sagt Gabriele Grawe, Kuratorin der Villa Vauban, während eines Presserundgangs.

Das Konzept der Ausstellung beruht auf einer chronologischen Hängung. „Wir sehen fast durchgängig und fast vollständig von jedem Aspekt seines Schaffens eine Fotografie“, bemerkt die Kuratorin. In der Tat bietet das Konvolut ein breites und vielseitiges Spektrum aus Steichens Lebenswerk. Die älteste Fotografie von 1898 zeigt ein Selbstporträt im Alter von 19 Jahren, die jüngste (von 1959) ist ein Porträt seiner dritten Frau Joanna. In das Selbstporträt könne man durchaus den Beginn des Wankelmütigen hineininterpretieren, meint Grawe. Steichen hatte wohl als Fotograf begonnen, wollte sich aber nach seiner Ausbildung in Amerika einem Malereistudium in Paris zuwenden. Dort knüpfte er viele Kontakte im Künstlermilieu, widmete sich aber bald ausschließlich der Fotografie. Besonders mit Rodin verband ihn indes eine langjährige Freundschaft.

Abwechselnde Nachahmung

Dass die Fotografie in ihren Anfängen noch versuchte, die Malerei nachzuahmen, erkennt man auch in den frühen Stadien von Steichens Werk. Als die impressionistische Malerei zunehmend verschwommener wurde, wählte auch Steichen dieses Stilmittel. „Das Aufheben von Tiefenschärfe wurde zu einem gewollten Stilmittel. Er fotografiert ein Kunstwerk und macht ein weiteres Kunstwerk daraus“, erklärt Grawe vor einer Serie mit vier Fotografien, die Rodins Werk gewidmet ist.

Dass aber nicht nur die Fotografen versuchten, der Malerei nachzueifern, sondern sich auch die Maler an der Fotografie orientierten, wird bei einer Aufnahme von Alfred Stieglitz mit seiner Tochter Kitty deutlich, der zwei Mädchenbilder von Dominique Lang (Gemälde von 1906) und Pierre Blanc (1916) gegenübergestellt sind.

Experimentierfreudig

Bereits in den 1910er und 1920er Jahren beginnt Steichen, mit etwas Neuem zu experimentieren. „Er verließ zunehmend den Bereich des Pictorialismus‘, also der Kunstfotografie mit der aufwendigen Bildbearbeitung, und wandte sich experimentelleren Sachen zu. Er spielte nicht nur mit der Unschärfe, sondern auch mit Überlappungen und einer gewissen Tonalität“, weiß die Kuratorin. Dies spiegelt sich in einer neuen Art und Weise wider, wie er sich der Darstellung der Figur nähert, nämlich indem er sie in der Bewegung abbildet. Trotzdem bleibt er auf der anderen Seite traditionell, was man auch in diversen Stillleben sieht. Den impressionistischen Stil eifert er ab dieser Zeit immer weniger nach und wendet sich mehr und mehr einer Fotografie zu, die laut Grawe „nüchterner, klarer und symmetrischer“ ist. „Steichen hat aber eigentlich nie eine Phase seines Schaffens komplett verlassen und eine andere begonnen. Als neugieriger, offener und selbstbewusster Mensch hat er immer wieder experimentiert, unterschiedliche Techniken angewandt und dadurch gleichzeitig ganz unterschiedliche Wirkungen erzielt“, sagt Grawe.

In den 30er und 40er Jahren wurde Steichen indes zu einem der berühmtesten und auch teuer bezahltesten Mode- und Porträtfotografen seiner Zeit. Er fotografierte Greta Garbo, Charles Chaplin und andere Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, genauso aber auch Familie und Bekannte. Sein Spätwerk zeichnet sich wiederum durch ein Spiel mit künstlichem und natürlichem Licht aus. „Edward Steichen ist einer der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts, dem es gelungen ist, einen Brückenschlag zwischen konventioneller Fotografie und Kunstfotografie zu machen, zwischen Auftrag und Privat“, resümiert die Kuratorin.

Die Ausstellung läuft bis zum 15. April 2018. Mehr Infos unter www.villavauban.lu