ECHTERNACH
SIMONE MOLITOR

Das Echternacher Ciné Sura wird 25: anhaltender Erfolg nach einer Durststrecke

Echternach hat eine lange Kinotradition, in der Tat die längste Luxemburgs, 1896 wurde nämlich auf dem Gelände der heutigen Polizeistation in Echternach die erste Filmprojektion des Großherzogtums vorgeführt. 95 Jahre später, als landesweit viele regionale Kinos den Kampf ums Überleben aufgegeben hatten, tat man in der Stadt im Osten des Landes das Gegenteil: Ein paar Filmliebhaber wollten Echternach ein Stück Kinokultur zurückgeben. Unter der Leitung des damaligen Präsidenten Michel Kneip wurde am 21. November 1991 das Ciné Sura eröffnet, das somit dieser Tage seinen 25. Geburtstag feiert. Vor rund zwölf Jahren hat Michael Battenberg den Betrieb übernommen. Mit ihm haben wir uns über die wechselvolle Geschichte des kleinen Kinos unterhalten.

Das Ciné Sura wurde damals nach dem landesweiten Kinosterben gegründet. Eine mutige Entscheidung?

Michael Battenberg Das war zwar vor meiner Zeit, da ich selbst aber seit 25 Jahren Kinobetreiber bin, habe ich hohen Respekt vor den Echternacher Geschäftsleuten, die dieses Kino damals voller Euphorie, mit viel Schweiß und Kraft und noch dazu vielen Eigenmitteln eröffnet haben. Der Erfolg hat ihnen aber letztlich Recht gegeben. Im ersten Jahr war der Zulauf - beachtliche 13.000 Besucher - immens. Die Mühe hatte sich also gelohnt.

Nach dem Anfangserfolg sind die Besucherzahlen dann aber sehr zurückgegangen. Was war passiert?

Battenberg Tatsächlich hat es verschiedene Probleme gegeben. Einer der Gründe war die späte Distribution der Filme. Oft konnte man die Filme bereits in Videotheken ausleihen, wenn sie im Sura anliefen. Aufgrund der geringen Größe wollten die Filmverleiher nicht gleich eine Kopie in die regionalen Kinos geben. Das waren damals ja noch große schwere Filmrollen, die von A nach B getragen und dort zusammengebaut werden mussten, was wiederum mit einigen Kosten verbunden war. Die Filme liefen in den kleinen Sälen folglich erst, wenn die großen Kinos sie bereits wieder aus dem Programm genommen hatten. Dadurch ist letztlich die Attraktivität des Ciné Sura auf Null gesunken. Die Besucherzahlen waren im Keller, am Ende waren es gerade noch 1.000 Zuschauer pro Jahr, und das Kino hatte nur noch an drei oder vier Tagen der Woche geöffnet, was für einen normalen Kinobetrieb natürlich eine Katastrophe ist. Auch am nötigen ehrenamtlichen Personal mangelte es.

Stand das Kino damals vor dem Aus?

Battenberg Ja. Dass ich den Betrieb übernommen habe, ist eigentlich Zufall. Als meine Frau und ich nach Echternach zogen und uns das Städtchen anschauten, entdeckten wir dieses kleine Kino. Jedoch stand es kurz vor der Schließung, wie auf einem Schildchen an der Tür zu lesen war. Das konnte ich nicht zulassen und so habe ich mich mit den ehemaligen Vorstandsmitgliedern der „Ciné Sura a.s.b.l.“ getroffen, die sich freuten, dass es nun doch weitergehen sollte. Wir haben ein neues Komitee gegründet und das Sura renoviert. 110 gemütliche Plätze stehen seither in dem wunderschönen Saal zur Verfügung. Früher waren es 220 und es war relativ eng. Jetzt hat man eine wahnsinnige Beinfreiheit von fast einem Meter.

Hatten Sie selbst nie Bedenken, diese Herausforderung anzunehmen?

Battenberg Nein, da ich ja eine gewisse Erfahrung mitbrachte. Ich habe mir das Kino und die Umgebung angeschaut und fand das alles hochinteressant. Die Besucherzahlen konnten wir relativ schnell wieder in die Höhe treiben. Bereits im ersten Jahr hatten wir 1.500 Besucher mehr. Über die Jahre wurde es immer besser, bis heute übrigens. Zuletzt konnten wir bis zu 15.000 Besucher pro Jahr zählen.

Warum funktioniert es so gut?

Battenberg Ausschlaggebend ist wohl das Familienprogramm, das wir stark ausgeweitet haben. Eltern müssen nun nicht mehr unbedingt mit ihren Kindern in die Stadt fahren. Seit mehreren Jahren ist das Kino an sieben Wochentagen geöffnet. Wir bieten eine große Programmvielfalt. Pro Woche werden zehn verschiedene Filme gezeigt, dies dank der Digitalisierung, darunter natürlich auch Blockbuster, sodass wir inzwischen auf 18 Vorstellungen kommen. 2011 wurde der Saal mit neuster Projektions- und Soundtechnik ausgestattet. Die Filme werden in HD-Qualität und je nach Produktion auch in 3D gezeigt.

Die Idee „regionales Kino“ funktioniert also trotz der Konkurrenz der großen Häuser?

Battenberg Nun, es ist schwerer, ein regionales Kino zu betreiben als einen Multiplex in der Stadt. Wir müssen hier wirklich viel Arbeit leisten und ganz klar mehr auf die Wünsche der Leute eingehen. Über die Jahre haben wir viele Projekte entwickelt, beispielsweise Open Air-Kino, Autokino oder Frühstückskino. Kino in der Region ist wichtig. Ob es funktioniert, hängt aber letztendlich immer von den Filmen ab, die man zeigt. Es setzt eine gewisse Anstrengung voraus, die Leute davon zu überzeugen, in der Region zu bleiben. Das Kulturministerium unterstützt die regionalen Kinos sehr stark. Das erleichtert unsere Arbeit, in Deutschland ist es nämlich weit schwieriger. Hinzukommt, dass sich die sechs regionalen Kinos im Großherzogtum in einer Gruppe zusammengetan haben, wodurch wir ein gewisses Machtpotenzial gegenüber den Filmverleihern darstellen und deshalb kostengünstiger an die Filme kommen. Mit der Utopolis-Gruppe arbeiten wir übrigens sehr freundschaftlich und partnerschaftlich zusammen, auch wenn hier und da sicherlich mal eine Konkurrenzsituation entsteht. Es ist generell wichtig, dass es nicht nur einen zentralen Ort gibt, wo Kinokultur stattfindet. Selbstverständlich muss sich jeder Kinobetreiber selbst ins Zeug legen, um sein Haus in den Vordergrund zu bringen.

25 JAHRE CINÉ SURA

Das Geburtstagsprogramm

Diese Woche steht ganz im Zeichen des 25. Geburtstags. Bis zum 20. November kostet jeder Film nur fünf Euro.

Mittwoch, 16.11. Die „Amitiés françaises“ präsentieren einen französischen Abend. Um 18.00 „La Vache“ (anschließend Buffet) und um 20.30 „C’est quoi cette famille?“

Donnerstag, 17.11. Die KKK/MEC Gruppe präsentiert ab 20.15 einen Themenabend mit dem Film „Retour chez ma mère“ und anschließender Diskussion.

Sonntag, 20.11. Offizielle Feierlichkeiten mit freiem Eintritt. 16.00: Die Musikschule Echternach spielt unter der Leitung von Marc Demuth zu einer Stummfilm-Komödie. 17.30: Vortrag von Professor Frank Wilhelm über die Geschichte des Kinos im Land und Echternach. 18.30: Rede des ehemaligen Präsidenten der „Ciné Sura a.s.b.l.“ Michel Kneip. 18.45: Rede des jetzigen Präsidenten Michael Battenberg. Im Anschluss gibt es ein großes Buffet mit Musik. Anmeldungen unter:
www.cinesura.com