LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Neue Ausstellung im Mudam zeigt frühe Werke und Experimente des Künstlers Robert Morris

Robert Morris (1931-2018) gilt als eine der Schlüsselfiguren in der Geschichte der amerikanischen Bildhauerei nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Entwicklung der Minimal-, Postminimal- und Konzeptkunst hat er eine führende Rolle gespielt. Eine neue Ausstellung im Mudam widmet sich nun seinem Frühwerk. Zu sehen sind Arbeiten, beziehungsweise Experimente mit Form, Prozess und Rezeption aus den ersten beiden Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens, nämlich den 1960er und 1970er Jahren. Noch vor seinem Tod im Jahr 2018 ist die Ausstellung im Dialog mit ihm entwickelt worden. „Sie hat einen historischen Charakter, ist aber keine Retrospektive“, bemerkt Ausstellungskoordinator Clément Minighetti bei der Pressebesichtigung. Mudam-Direktorin Suzanne Cotter hebt „die Idee der Gegenwärtigkeit“ hervor. Die Wahrnehmung der Kunstwerke ändere nämlich je nach Raum, in dem sie ausgestellt würden.

Von den Ausstellungsräumen des Museums und insbesondere deren Großzügigkeit zeigt sich derweil Kurator Jeffrey Weiss äußerst beeindruckt. Dies ermögliche einerseits raumfüllende Installationen und andererseits die gegenseitige Wechselwirkung von Einzelobjekten verwandter Werkgruppen. „Die Beziehung zwischen den Werken und dem Museum war für mich sehr wichtig. Der Raum, der hier zur Verfügung steht, bietet einzigartige Möglichkeiten, Robert Morris‘ Werk auf eine andere Art und Weise zur Geltung zu bringen. In der heutigen Museumskultur ist das längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Oft müssen die Räume bis in die letzte Ecke ausgenutzt werden und sind dementsprechend vollgestopft. Das macht dieses Zusammenspiel zwischen Raum und Werk unmöglich, deshalb war es mir eine große Freude, diese Ausstellung hier auszuarbeiten und die ersten beiden Jahrzehnte seines Schaffens als einheitliches Projekt vorzustellen. Wichtig ist uns eben dieses Zusammenspiel zwischen Raum und Werk“, unterstreicht er.

Raumgreifende Installationen auf zwei Ebenen

Fünf Räume auf zwei Ebenen stehen für die Expo unter dem Titel „Robert Morris. The Perceiving Body“ zur Verfügung. Die Besucher sollen die Exponate als Gesamtwerk auf sich wirken lassen, indem sie sich frei zwischen ihnen bewegen. „Das ist die Botschaft, die wir geben möchten“, so der Kurator. Morris‘ Arbeit setze „die direkte oder nicht vermittelte Begegnung mit dem skulpturalen Objekt in den Vordergrund der künstlerischen Erfahrung“.

Direkt in der lichtdurchfluteten Eingangshalle stößt der Besucher auf „Untitled (Portland Mirrors)“, ein Arrangement aus Spiegeln und langen, auf dem Boden liegenden Holzbalken, das einen imaginären und noch dazu unendlichen Raum entstehen lässt. Durch die Aufstellung der vier Spiegel und der damit verbundenen Spiegelung wird die Wahrnehmung des Betrachters verändert. Zu den weiteren Exponaten gehört eine Etage höher eine Serie von an der Wand hängenden Werke aus Industriefilz, die auf präzise Weise eingeschnitten oder gefaltet wurden. In einem weiteren Raum stößt man auf großformatige Objekte, die teils aus Industriematerial bestehen, wie „Untitled (Ring with Light)“ oder auch noch „Untitled (Fiberglass Frame), teils total verspiegelt sind, so etwa „Untitled (Mirrored Cubes)“.

Eine richtungsweisende Arbeit ist auch das Werk „Untitled (3Ls)“: drei identische, aus Sperrholz bestehende Skulpturen in L-Form. „Es gibt etliche Möglichkeiten dieses Gesamtwerk je nach Positionierung der drei Objekte aufzubauen. Stehend, liegend… Dahinter steckt die Idee der Wiederholung und gleichzeitig der Permutation“, erklärt Weiss. Morris sei es immer darum gegangen, durch die Platzierung und Größe unmittelbare Begegnungen zu ermöglichen.

Vorsicht ist derweil im nächsten Ausstellungssaal geboten, wo man unter den strengen Blicken der Museumsaufpasser nämlich nicht quer durch die raumgreifenden Installation „Untitled (Scatter Piece)“ laufen kann, zu groß ist die Gefahr auf eines der 200 Elemente zu treten. Auf ungleiche Weise sind die Gegenstände aus Metall und industriell gefertigtem Filz auf dem Boden verteilt. Die Anordnung sei nicht vorab festgelegt, darauf habe der Künstler stets gepocht, sagt Weiss. „Scatter Piece“ wird demnach nicht immer in der gleichen Form gezeigt, sondern ergibt sich bei jeder Ausstellung neu. Bei der ersten Präsentation im Jahr 1969 habe sich Morris willkürliche Regeln ausgedacht, so sollten sich etwa Elemente aus demselben Material nicht berühren. Die im Mudam zu sehende Anordnung ist übrigens von einer Gruppe von Schulkindern während eines Workshops erdacht worden. Diese Idee sei seinerzeit bereits vom Künstler selbst formuliert worden. „Tatsächlich mussten wir nur sehr wenig ändern, um daraus ein stimmiges Gesamtwerk entstehen zu lassen“, erzählt Weiss.

Die Ausstellung öffnet am 8. Februar für das Publikum und läuft bis zum 26. April. Ein Rahmenprogramm gehört wie gewohnt dazu. Alle Infos unter www.mudam.lu