LUXEMBURG
SVEN WOHL

Angespielt: „The Awakened Fate: Ultimatum“ (PS3)

Videospiele sind zeitaufwendig. Selbst die kürzeren Exemplare kommen immerhin auf fünf oder sechs Stunden. Rollenspiele, allen voran jene aus Japan, können 60-120 Stunden in Anspruch nehmen. Da ziehen die meisten Fernsehserien und Bücher den Kürzeren gegen. Wer „The Awakened Fate: Ultimatum“ spielt, braucht praktischerweise zu keinem Buch zu greifen: Zu lesen gibt es hier genug.

Sammeltour

Das Spiel orientiert sich an klassischen, fast altbackenen Formeln des Rollenspielgenres. Der Gameplay-Teil setzt auf typische japanische Roguelike-Formeln. Zufällig generierte Dungeons werden erkundet, man bekämpft Gegner in einer übersichtlich gehaltenen Vogelperspektive und sammelt zahlreiche Gegenstände ein, die vom simplen Dolch hin zum Schild, Kristallen oder auch Verbandskästen reichen. Alles Dinge, die man eben braucht, um ordentlich Dungeons erkunden zu können. Wer stirbt, verliert dummerweise alle Gegenstände, doch behält immerhin die hart gesammelten Erfahrungspunkte und Level. Man kommt also voran, wenn auch langsam, was die Motivation rettet, denn der Schwierigkeitsgrad kann ziemlich hoch sein. Das liegt auch daran, dass die zahlreichen Fallen, die in den Dungeons verteilt sind, eben zufällig platziert sind und eventuell fatale Kombinationen entstehen können. Hinzu kommt, dass es schwer ist, gegen mehr als einen Gegner gleichzeitig zu kämpfen.

Trockene Spannung

Die Geschichte wird im typischen Visual Novel Stil erzählt: Standbilder und Textboxen sind also an der Tagesordnung. Die durchaus interessante Geschichte rund um einen Jugendlichen, der nach seinem Tod von Engeln zum neuen Gott auserkoren wird, ist interessant und gut geschrieben. Die Figuren haben klare Motivationen und sind sympathisch, was nicht immer der Fall bei japanischen Rollenspielen ist. Die Story spornt einen dazu an, weiter die Dungeons zu erkunden und immer stärker zu werden. Daran ändert auch die altbackene Präsentation nichts. Interessant ist immerhin, dass man gelegentlich eine Entscheidung treffen muss, was einem Punkte gibt, um die Figur weiterzuentwickeln. Denn man hat die Möglichkeit, entweder ein Engel oder ein Teufel zu werden, was jeweils separate Fähigkeiten in einem weckt. Da man sich in einer Sparte weiterentwickeln möchte, ist es leider uninteressant, in beide Fähigkeitsbäume Punkte zu investieren.

Das mag alles sehr altbacken wirken, aber es ist so kompetent zusammengefügt, dass es trotzdem Spaß macht. Die Macher hinter dem Spiel haben die eigenen Stärken klar erkannt und setzen gekonnt auf diese. Wer also ein Liebhaber japanischer Rollenspiele ist und ein etwas direkteres Kampfsystem haben möchte, ist hier an der richtigen Adresse.