JEFF KARIER

Ein Allesesser beim veganen Brunch

Es ist 11.00 vormittags. Eigentlich sollte der vegane Brunch jetzt beginnen. Nur scheinen um diese Uhrzeit außer mir erst recht wenig Teilnehmer den Weg auf das Gelände des „Koll an Aktioun“- Festivals gefunden zu haben. Eine Handvoll Menschen mit grünen Bändchen am Handgelenk stehen einige Meter von dem veganen Büffet entfernt und beobachten, wie dieses von Petra Dietrich und den anderen Mitgliedern von „Saarbucks“ aufgebaut wird.

Eigentlich musste man sich im Vorfeld für den Brunch anmelden und 18 Euro auf ein Konto überweisen, was ich jedoch versäumt hatte. Da aber auch Kurzentschlossenen noch am Brunch teilnehmen können, bezahle ich die 18 Euro einfach vor Ort. Nachdem ich mein grünes Bändchen bekommen habe, hole ich mir erstmal etwas zu trinken und lasse meinen Blick über das Gelände schweifen.

Eindrucksvolle Kulisse

Der alte Schieferbruch „Leekoll“ in Obermartelingen, wo das Festival „Koll an Aktioun“ bereits zum zweiten Mal stattfindet, ist schon ein besonderer Ort. Schiefer wo man hinblickt. Ob nun Mauern, der Boden oder die Dächer. Grauer, aufgerissener Stein, der manchmal in der Sonne glitzert. Eine tolle Kulisse für Konzerte, Kunst und auch für den veganen Brunch.

Ich war bereits am Tag zuvor auf dem Festival, um mir die Konzerte und Artisten anzuschauen und werde auch heute den ganzen Tag auf dem Festival verbringen. Der vegane Brunch ist aber der Grund, warum ich schon so früh hier bin. Ich möchte einfach mal echtes veganes Essen probieren. Im Selbstversuch will ich testen, ob mir, als überzeugter Fleisch- und Käse-Fan, veganes Essen schmeckt.

Nach einem kleinen Rundgang durch die Kunstausstellung des Festivals ist das Büffet angerichtet. Als erstes lächelt mich eine breite Auswahl an Kuchen, Torten und weiteren Desserts an, dich ich aber zunächst links liegen lasse. Es gibt viele verschiedene Salate, einige Schnittchen und zu meiner Überraschung auch Käse. Veganen Käse, um genau zu sein.

Vegane Alternative

Was im ersten Moment etwas seltsam klingt, bleibt für einen Nicht-Veganer wie mich seltsam. Die Konsistenz des veganen Käses ist etwas gewöhnungsbedürftig. Leicht schwammig, fast wabbelig und doch fest. Optisch ist er seinen Vorlagen nachempfunden. Geschmacklich haben die von mir gekosteten Käsesorten allerdings nicht viel mit den Originalen zu tun, was nicht bedeutet, dass sie schlecht schmecken, im Gegenteil. Ein Großteil der veganen Käsesorten, die ich gekostet habe schmecken gut, nur halt nicht wirklich wie Käse. Einzige Ausnahme ist der vegane Fetakäse. Der kommt dem Original schon recht nahe.

Überrascht bin ich auch von den Broten mit Mett und Leberwurst, ebenfalls vegan. Besonders das vegane Mettbrötchen könnte man glatt für ein echtes halten, was vermutlich vor allem an den Zwiebeln liegt. Der kulinarische Tiefpunkt aber ist eine Art vegane Wurstscheibe. Sie sieht nicht nur gewöhnungsbedürftig aus, sondern schmeckt mir auch nicht.

Frisch vom Grill

Zum Essen setze ich mich neben eine Teilnehmerin mit dunklen Locken, die ich gerade eben kennengelernt habe. Sie ist wie ich eigentlich keine Veganerin, mag die vegane Küche aber und probiert auch gerne mal etwas Neues aus. „Ich habe sogar versucht vegetarisch zu leben. Habe es aber nur ein Jahr geschafft, da ich Fleisch dann doch zu gern mag“, erklärt sie mir. Nachdem wir beide unsere Teller geleert und etwas getrunken haben, holen wir uns noch einen Cheeseburger vom Grill. Der Burger selbst ist eine Mischung aus Soja und Seitan, ein Produkt aus Weizeneiweiß. Struktur und Farbe sind einem echten Burger aus Hackfleisch sehr ähnlich.

Er war nicht mein erster veganer Burger. Immerhin ist es in Luxemburg fast schon die Regel, dass es auf Festivals vegane Burger, Würste oder Gyros gibt. So zum Beispiel auf dem „Food for your Senses“-, dem „Mess for Masses“- oder auch dem „Out oft he Crowd“-Festival. Grund ist wohl, dass es immer mehr Veganer und Vegetarier gibt und diese vor allem solche Musikfestivals besuchen.

Zum Schluss genehmige ich mir noch ein Dessert. Besonders der Birnenkuchen hat es mir angetan. Dass dieser vegan sein soll, merke ich zumindest nicht. Ich würde am liebsten auch die vielen anderen Sachen noch kosten, aber leider ist in meinem Magen kein Platz mehr.

Vegan leben

Als der Brunch zu Ende ist, suche ich das Gespräch mit Petra Dietrich. Sie ist Mitglied von „Saarbucks“ einer Gruppe Veganer, die Kastrationen von Streuner- und Straßentieren und vegane Tierlebenshöfe finanziell unterstützt. Ich will etwas mehr über das Essen und das Leben als Veganer erfahren. Sie erzählt mir, dass sie erst seit sieben Jahren als Veganerin lebt. Der Grund war die Begegnung mit einem Tierrechtsverein, die sie nachhaltig prägte. „Menschen, denen das Schicksal der Tiere egal ist, kann ich nicht verstehen“, meint sie. Sie vermisse den Geschmack von Fleisch, Fisch und anderen tierischen Produkten auch nicht. Das glaube ich aber nicht so ganz. Stolz ist sie aber auf den veganen Käse. Den stellt Uta Lotharingia her, die ebenfalls Mitglied bei „Saarbucks“ ist. Die Grundbasis des Käses ist Mandelmilch mit Tofu und Kaschunüssen.

180 Personen haben am Brunch teilgenommen, von denen überraschend viele keine Veganer oder Vegetarier, sondern Fleischesser sind. „Das ist oft so“, stellt Petra Dietrich fest. Auch auf dem monatlichen veganen Brunch in Saarbrücken gibt es viele Fleischesser, die weniger Fleisch oder einfach mal etwas anderes essen wollen. Nach dem veganen Brunch ist mir aber etwas klar geworden: Auf Fleisch und Käse will ich nicht verzichten. Daher habe ich mir am Abend auch eine Portion „Kniddelen“ mit Speck-Sahne-Sauce genehmigt. Einfach lecker!