Wenn man aus der Gegenüberstellung von OGBL-Präsident Jean-Claude Reding und dem UEL-Vorsitzenden Michel Wurth am vergangenen Samstag bei den Kollegen von RTL Radio Lëtzebuerg einen wesentlichen gemeinschaftlichen Standpunkt herausfiltern soll, dann ist es sicher die gemeinsame Gesprächsbereitschaft, der beiderseitige Wunsch zur Wiederbelebung eines Sozialdialogs, der seit 2010 kaum noch stattfand. Unter dem Vorsitz der Regierung war die Tripartite 2010 vollständig in den Graben gefahren worden und die daraufhin angestrebten Zwiegespräche, zwischen Regierung und Gewerkschaften bzw. zwischen Regierung und Patronat konnten nicht zu einem konkreten Ergebnis führen, aus dem sich die dringend erforderlichen Entscheidungen für die Zukunft des Landes mit Schwerpunkt auf Wirtschaft und Sozialwesen hätten ergeben können.

Weil die politische Führung vor allem auf Stabilität setzte, die man in erster Linie investitionswirksam nach außen signalisieren wollte, hatten notwendige Veränderungsinitiativen, die Entscheidungsprozesse vereinfachen und eine resolute Modernisierung von wichtigen institutionellen Schaltstellen von Anfang an nicht den Hauch einer Chance. Wenig zuträglich war dem global ausgerichteten Investorenwerbung indes auch ein offen ausgetragener Wettbewerb von Regierungsvertretern unterschiedlicher Couleur, was im Endeffekt dem an sich legitimen Anliegen einen Großteil seiner Erfolgsaussichten raubte.

Gesprächsdefizite herrscht also nicht nur zwischen den Sozialpartnern, sondern eben auch zwischen den Koalitionspartner. Unlängst hat der Wirtschafts- und Sozialrat, der ebenfalls während einigen Jahren verstummt war, ein nicht unwichtiges Signal gesetzt mit einem Gutachten, das zwar nicht mit einer einhelligen Schlussfolgerung aufwarten konnte, immerhin aber den Neubeginn des Dialogs dokumentiert und weiteren Gesprächsbedarf offenbarte. Man darf sogar von der Einsicht der Sozialpartner ausgehen, dass es besser ist, zusammen über die gemeinsamen Probleme zu reden, als sich nur noch getrennt über Missstände zu beklagen.

Die Erkenntnis, dass die kommenden fünf Jahre für die im Aufbau befindliche Regierung, vor allem aber auch für das Land, seine Bevölkerung und seine Wirtschaft nicht leicht werden, müsste sich eigentlich bei allen Beteiligten mittlerweile durchgesetzt haben. Weniger gut erkennbar ist zur Zeit die Bereitschaft der einen und der anderen Seite, Wasser in den jeweils eigenen Wein zu schütten. Aber dazu war wohl auch der Zeitpunkt wenige

Tage vor dem Termin der Sozialwahlen nicht unbedingt günstig.

Weil die Interessen sowohl der Wirtschaft als auch der aktiven und im Endeffekt von beiden abhängigen inaktiven Bevölkerung abhängen, bleibt den Sozialpartnern im Endeffekt keine andere Wahl, als sich im Dialog und im Austausch von Vorschlägen und Bedenken zusammen zu raufen. Selbst ein schwieriger Kompromiss hinterlässt am Ende keinen Verlierer. Es gibt schändlicheres in der Politik und Sozialdialog, als sich den Geist der 70er und 80er Jahre neu zu vergegenwärtigen.