LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Drei neue Veröffentlichungen des CNL, darunter eine Unterrichtsmappe zu Guy Helmingers „Theater“

In den vergangenen beiden Jahren kuratierte das „Centre National de Littérature“ (CNL) elf Ausstellungen, bot 42 Lesungen mit 65 Schriftstellern, darunter 23 Frauen, organisierte 21 Vorträge und lud zu 14 weiteren Veranstaltungen. Neun Monografien wurden veröffentlicht sowie sechs weitere Bücher in Kooperation mit anderen Wissenschaftlern und Institutionen zwecks Förderung der Literatur in Luxemburg wie im Ausland. Hinzukamen internationale Veröffentlichungen in Form von 110 Artikeln, und das „Luxemburger Autorenlexikon“ wurde um 75 neue Artikel ergänzt. Kulturstaatssekretär Guy Arendt beschrieb das CNL am Mittwoch „als Zentrum für die Recherche über die Literatur in Luxemburg und als Haus, wo die Literatur lebt und wo die Schriftsteller willkommen sind“.

Rückblick in „Fundstücke - Trouvailles“

Im Fokus der Pressekonferenz standen aber insbesondere drei neue Veröffentlichungen des nationalen Literaturzentrums, allen voran die zweite Ausgabe von „Fundstücke - Trouvailles“ mit einem detaillierten Überblick über die Arbeit des CNL während der Jahre 2014-2015. Der Band ist allerdings weit mehr als ein Archiv in Papierform. „In ,Fundstücke‘ wollen wir die Missionen des CNL noch einmal ganz deutlich machen, nämlich an erster Stelle die Archivierung, dann die wissenschaftliche Aufwertung und nicht zuletzt natürlich die Unterstützung der literarischen Kreation nach außen“, präzisierte CNL-Direktor Claude D. Conter. Der „Biannuaire“ spiegelt dies in den Kapiteln „Literatur“, „Forschung“ „Objekt des Monats“, „Archiv“, „Literatur im Gespräch“ und „Veranstaltungskalender“ auf rund 400 Seiten wider. Insgesamt haben 51 Personen mitgewirkt.

Neuauflage: „Le Duc de Saint-Firmont“ von Félix Servais

Auch in der Reihe „Lëtzebuerger Bibliothéik“ wurde ein neues Buch vorgestellt. In dieser Serie bietet das CNL eine Neuauflage von Texten, die schon seit längerer Zeit nicht mehr zu finden und deshalb schwer zugänglich sind, jedoch über einen besonderen Stellenwert innerhalb der luxemburgischen Literaturgeschichte beziehungsweise der Luxemburger Literaturlandschaft verfügen. Die neueste Ausgabe ist Félix Servais und seinem „Le Duc de Saint-Firmont“ von 1906 gewidmet. „Relevant ist dieses Stück deshalb, weil es bis dato das einzige Theaterstück auf Französisch in Versform ist, was wir im Luxemburger Repertoire finden konnten. Der Text ist extrem vielseitig, vielschichtig und noch dazu sehr autobiografisch“, erklärte Ludivine Jehin, Konservatorin am CNL, die maßgeblich an der kommentierten Ausgabe beteiligt war.

Neue Reihe: Unterrichtsmaterial zu Luxemburger Autoren

Die dritte Veröffentlichung, die vorgestellt wurde, bildet den Auftakt einer ganz neuen Serie am CNL, mit der die Literatur Luxemburger Autoren an den Schulen - insbesondere im Sekundarunterricht - gefördert werden soll. „Die Diagnose ist genauso bekannt wie die langjährigen Klagen, dass zu wenig Luxemburger Autoren in den Schulen gelesen werden. Seit Jahren wird über die Ursachen gestritten. An dieser Debatte will sich das CNL nicht länger beteiligen, sondern endlich agieren. Deshalb haben wir ganz eigenständig entschieden, eine Reihe mit Unterrichtshilfen und didaktischem Material für den Sekundarunterricht zu entwickeln und zwar auf Grundlage der Anthologie ,Literaresch Welten‘, die vom Unterrichtsministerium mithilfe des CNL konzipiert wurde. Diese Anthologie liegt in allen Schulbibliotheken aus. Natürlich sollen die Texte daraus auch im Unterricht gelesen werden. Das geschieht noch nicht regelmäßig genug. Auf dieser Basis wird das CNL in den nächsten Jahren pädagogische Dossiers entwickeln, um sie den Lehrkräften zur Verfügung zu stellen. Das gab es bislang in puncto Luxemburger Literatur nicht. Wird indes didaktisches Material mitgeliefert, besteht eine größere Bereitschaft dazu, unsere Autoren zu lesen“, erklärte Conter.

Nathalie Jacoby, Professorin am „Lycée Ermesinde“ und halbzeitliche wissenschaftliche Mitarbeiterin am CNL stellte die erste Lehrerhandreichung in dieser Reihe zu Guy Helmingers Kurzgeschichte „Theater“ vor: „Diese erste Unterrichtsmappe enthält eine relativ detaillierte Interpretation der Erzählung an sich. In einem zweiten Teil wird der Text in den Kontext des Unterrichts gestellt. Bestimmte Klassenstufen werden übrigens nicht vorgeschlagen. Das Material soll den Lehrern helfen, auf der anderen Seite wollen wir aber absolut nichts vorschreiben. Vorschläge, wie das Material genutzt werden kann, gibt es, wir haben das aber möglichst offen gelassen. Es sind viele verschiedene Unterrichtsformen möglich“. Zu den Materialien gehören Diskussionsvorschläge, Tafelbilder, Referenzen auf andere Texte sowie Zusatzmaterial wie etwa Fragen an den Autor selbst. „Es wird viel Freiraum gelassen“, bemerkte sie. Dieses Jahr noch erscheint die nächste Unterrichtsmappe zu einem Auszug aus „Kleines Schicksal“ von Joseph Funck.

Elf Unterrichtsmappen bis 2019

Mit dem „Service de Coordination de la Recherche et de l’Innovation pédagogiques et technologiques“ (Script) wurde nun für die Jahre 2017-2019 zwecks Entwicklung dieser Serie - bis 2019 sind insgesamt elf geplant - eine Konvention unterzeichnet, die unter anderem eine finanzielle Beteiligung von 2.000 Euro pro Mappe vorsieht. Ab November bietet das CNL indes in diesem Kontext Weiterbildungen für interessierte Sekundarlehrer. Die Nachfrage sei groß, bemerkte Jacoby. „Das CNL arbeitet nicht für sein gutes Gewissen und auch nicht für die Schublade. Wenn wir diese Reihe starten, ist das nicht nur mit einer guten Hoffnung verbunden, dass es die Luxemburger Literatur endlich in den Unterricht schafft, nein, wir sind fest davon überzeugt, dass es endlich dazu kommt“, fügte Conter hinzu.

Weitere Infos unter www.cnl.public.lu