Deutlicher vielleicht als jemals zuvor haben die Hitzewellen der vergangenen Wochen das Bewusstsein für den seit Jahren beschworenen Klimawechsel geweckt. Man mag es, wenn längere Zeit hinweg quasi ununterbrochen die Sonne von einem wolkenlosen Himmel strahlt und sich jenes Urlaubsgefühl entwickeln kann, dass man früher nur an den Stränden des Mittelmeers oder anderer, noch exotischerer Gegenden der Erde erfahren zu können glaubte. Zum Traum vom Strandurlaub im eigenen Garten hat eigentlich nur noch das sanfte Meeresrauschen gefehlt.
Deutlich gestört haben allerdings die zum Teil mehr als bedenklichen Nachrichten über weitaus weniger erfreuliche Konsequenzen dieser Traumwetterperiode. Ernteausfälle infolge von mangelnden oder völlig fehlenden Niederschlägen auf der einen Seite, flächendeckende Schädigung der gesamten Flora, zunehmende Waldbrände in völlig ausgedorrten Regionen Europas und Nordamerikas auf der anderen Seite sind die sicht- und spürbaren Zeichen einer klimatischen Extremsituation, die nach den anfangs ignorierten Warnrufen der 80er und 90er Jahre immer mehr Beachtung findet und zu einer verbreiteten Beunruhigung führt, der mittlerweile auch jene unterliegen, die das Kernphänomen bis zuletzt als Hirngespinst einiger grüner Weltverbesserer abtun wollten. Bilder und Berichte über eine zunehmende Verödung ganzer Landstriche in Afrika hätten längst schon zu denken geben müssen - Stichwort Flüchtlingsproblematik! Weil sich die meisten Menschen aber immer noch eher von nackten Zahlen und messbaren Größen als von schwer abschätzbaren Phänomenen beeindrucken lassen, hier einige Denkanstöße. Auf etwa 300 Milliarden Euro hat die luxemburgische Umweltministerin Carole Dieschbourg vor geraumer Zeit den Wert einer hochwertigen Atemluft und ökologisch intakten Landschaften in Europa geschätzt, die mit einem jährlichen Aufwand von sechs Milliarden Euro gesichert werden könnten. Andererseits hat eine in Amerika veröffentlichte Studie ergeben, dass im Falle eines weiteren Ignorierens des Klimawandels bis zum Jahre 2060, also innerhalb eines für die meisten derzeitigen Erdenbewohner erlebbaren Zeitraums, Mehrkosten in Höhe von 6,6 Billionen Dollar oder 1,1 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung zu erwarten seien. Klingt diese Relativierung des Kostenaufwands nicht wie eine echte Einladung, mit einem vergleichsweise erträglichen Aufwand die Problematik etwas ernsthafter und effizienter anzugehen?
Falsch wäre es nun, wenn sich die breite Masse Mensch wie gehabt auf einige Kernpunkte wie etwa die Industrie und die Energiewirtschaft berufen würde, selbst aber weiter auf keinerlei Komfort zu verzichten bereit wäre. Klimaschutz ist ein gemeinschaftliches Anliegen, das jeder in seinem alltäglichen Betragen berücksichtigen müsste. Mit einigen LED-Straßenlampen und völlig atmungsfreiem Wohnkomfort allein wird das nicht zu schaffen sein. Gefragt sind vor allem objektive Information, technologische Entwicklung und verantwortliches persönliches Handeln. Wenn es denn um diesen Preis zu machen sein soll!


