LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Europäisches Jahr des Kulturerbes wartet in Luxemburg mit 60 Projekten auf

Literatur gehört dazu. Kunst auch und Architektur sowieso. Immaterielles Gut aber ebenso. Wenn von Kulturerbe die Rede geht, dann bezieht sich dies in der Tat auf ein sehr breit gefächertes Feld. „Das Kulturerbe ist das Kernstück der europäischen Art zu leben. Es definiert, wer wir sind, und schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit“, fasste es Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, zusammen, dies bei der Eröffnung der „Année européenne du patrimoine culturel“ unter dem Slogan „Our heritage: where the past meets the future“ im Dezember in Mailand. Gestern wurden im Kulturministerium die Projekte der luxemburgischen Akteure vorgestellt.

„Ziel dieser europäischen Initiative ist es, das Kulturerbe aufzuwerten und zu erhalten, vor allem aber ein breites und gleichzeitig junges Publikum diesbezüglich zu sensibilisieren“, erklärte Premier Xavier Bettel in seiner Eigenschaft als Kulturminister. In Zeiten, in denen auf europäischer und internationaler Ebene versucht werde, die Gesellschaft auseinanderzutreiben, sei es besonders wichtig, auf die gemeinsame Geschichte aufmerksam zu machen. „Nur wenn man seine Vergangenheit kennt, kann man seine Gegenwart und Zukunft auch verstehen. Das Kulturerbe und die Werte, die damit verknüpft werden, sind ganz vielseitig, und doch werden sie von uns allen geteilt. Genau das macht den Reichtum einer Gesellschaft aus. Das kulturelle Patrimonium ist demnach ein wichtiges Element unserer Identität und auch in gewisser Weise der Zement, der unsere multikulturelle Gesellschaft zusammenhält“, bemerkte Bettel.

Sensibilisierung, Nachhaltigkeit und Technologie

In Luxemburg sind die Projekte im Rahmen des Kulturerbejahres in drei Themenbereiche unterteilt. Unter dem Motto „Patrimoine culturel & éducation/sensibilisation“ laufen Projekte, die besonders - aber natürlich nicht nur - die jungen Generationen für das Kulturerbe und die diesbezüglichen Berufe sensibilisieren sollen. Die Thematik „Patrimoine culturel & développement durable“ setzt auf Nachhaltigkeit. „Das kulturelle Erbe ist genau wie das Naturerbe keine erneuerbare Ressource. Es ist also wichtig, dieses Erbe noch besser in die langfristige Entwicklung einzubinden“, unterstrich der Kulturminister. Unter dem Leitmotiv „Patrimoine culturel & technologie(s)“ sollen neue Technologien dazu beitragen, das Kulturerbe wissenschaftlich aufzuarbeiten, es auf der anderen Seite aber auch partizipativ zu gestalten.

„Das Kulturerbe gehört der Allgemeinheit. Es ist ein Allgemeingut, unser gemeinsames Erbe. Es gibt kein individuelles Patrimonium. Deshalb richtet sich das Programm auch an jeden. Die partizipative Ebene war uns in diesem Kontext sehr wichtig“, betonte Bettel. Rund 60 Projekte von über 20 Trägern haben das Label der „Année européenne du patrimoine culturel“ bislang erhalten. Weitere sollen folgen, wie Koordinatorin Beryl Bruck erklärte. „Wir wollen diese Dynamik das ganze Jahr über beibehalten. Projektvorschläge können also immer noch eingereicht werden, sodass das Programm noch weiterwachsen kann“, sagte sie. Der Form der Projekte seien indes keine Grenzen gesetzt. Von der Konferenz über die Ausstellung bis hin zur Rallye und App ist in der Tat dann auch jedes nur erdenkliche Format im bisherigen Programm zu finden.

Der „Service des Sites et Monuments nationaux“ lässt beispielsweise das Viandener Schloss in seiner „ViVi-Box“, die als Wanderausstellung unter anderem im „Science Center“ in Differdingen Station macht, virtuell entdecken. Das MNHA, das seine Kernmission ohnehin darin sieht, den Menschen das Kulturerbe näherzubringen, bietet neben Workshops für Kinder und Erwachsene auch zwei thematische Rundgänge durch seine ständigen Sammlungen: „Luxembourg for Kids“ und „Luxembourg for Beginners“.

Geschichte lebendiger gestalten

Auch das „Centre national de recherche archéologique“ (CNRA) versucht mit seinen Projekten, die Forschung und Geschichte zu entstauben und lebendiger zu gestalten und lässt das Publikum in einem Film auf seine Vorgänger treffen und außerdem mittels der Smartphone-App „ARmob“ „Antike Realität mobil erleben“. Das „Luxembourg Center for Architecture“ (LUCA) plant ein mobiles „Labo Patrimoine“, um das Thema in den Schulen zugänglicher zu machen und will zudem diesbezügliche Weiterbildungen für Lehrer anbieten. Im „naturmusée“ können „UNexpected Treasures“ - eine Auswahl von 50 bislang gar nicht oder nur selten gezeigter Objekte aus den Sammlungen der Museen der Hauptstadt - entdeckt werden. In den Sommermonaten wird derweil zu einer „Rallye du patrimoine“ durch die Hauptstadt geladen. Die „Villa Vauban“ stellt mit der Ausstellung „Confrontation“ ihre Räume wiederum unter das Motto „un musée pour tous“. Im CNA befindet sich eine facettenreiche Ausstellung über Thierry van Werveke in Ausarbeitung. In der Nationalbibliothek dreht sich alles um das Thema „Grouss Nimm - Grouss Geschichten: Ënnerwee mam geschriwwene Wuert zu Lëtzebuerg“. Die Nationalarchive arbeiten mit verschiedenen Schulen an einem Kartenspiel und sind darüber hinaus am Projekt der „Amis du Château de Mannsfeld“ beteiligt, die einen virtuellen Besuch des Mansfeld-Schlosses ermöglichen. Das „Musée Dräi Eechelen“ macht auf das Patrimonium aufmerksam, das sich auf Kirchberg findet.

Wie Kulturstaatssekretär Guy Arendt am Ende betonte, soll es aber nicht bei 2018 bleiben. „Die Sensibilisierung steht in diesem Jahr im Vordergrund. Kulturerbe soll nun aber etwas Nachhaltiges sein, deshalb hoffen wir, möglichst viele Menschen auf den Geschmack zu bringen“, so Arendt.

Das ganze Programm unter www.patrimoine2018.lu