LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Regisseur Andy Bausch verrät in „Masterclass“ kleine und große Filmgeheimnisse

Ein eigenes Universum erschaffen, aus einer ganz persönlichen Mischung von Bild und Bewegung, Tempo und Ton. Und damit eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die nur ein kleines Puzzlestück im großen Ganzen ist, aber im Gegensatz dazu eine Zeit, ein Lebensgefühl, eine Atmosphäre erschaffen und festhalten kann. Andy Bausch kann sich keine schönere Arbeit als die des Regisseurs vorstellen. „Der Beruf ist nicht leicht, aber der beste Beruf der Welt, wenn man arbeiten kann“, erklärt der Filmregisseur im vollen Saal der Cinémathèque.

Anlässlich des Filmwettbewerbs Créajeune hat der Macher von „A Wopbopaloobop A Lopbamboom“, „Troublemaker“ und „Rusty Boys“ am Mittwochnachmittag hier vor jungen Nachwuchsfilmern eine „Masterclass“ gehalten. Der luxemburgische Regisseur erzählte von seiner Karriere und die Jugendlichen können Fragen stellen.

Mündliche Bewerbung im Kinosaal

Und welcher Ort in Luxemburg wäre dafür auch besser geeignet. Schauen doch hier die großen Stars des klassischen Kinos wie Marlene Dietrich, Humphrey Bogart, John Wayne und Erich von Stroheim von der Wand auf den Kinozuschauer. In Farbe erstarrt und fast noch neugieriger als die Zuschauer, die ihre Blicke durch den Saal, über die Filmplakate gleiten lassen und schließlich vorne, da wo Andy Bausch steht, zur Ruhe kommen. „Ich sage immer, wenn ihr Regisseur werden wollt, passt auf, dass euer Mann oder eure Frau Geld verdienen, denn alleine könnt ihr keine Familie ernähren“, stellt Bausch klar und ergänzt, „das ist überall so, wenn man nicht zu den Wenigen gehört, die mit ihren Filmen Millionen von Zuschauern anziehen.“

Das war vielleicht nicht unbedingt das, was sich der Großteil der Jungfilmer, der an dem Créajeune-Wettbewerb teilgenommen hat, hören wollte. Aber abgeschreckt hat es sie nicht. Nachdem sich zwei Stunden lang alles um Filmkunst, Filmbranche und Filme gedreht hat, bekommt Bausch auch direkt eine mündliche Bewerbung. Einen Job für den beherzten Fragesteller gibt es an diesem Nachmittag nicht, die Szene arbeite viel mit erprobten und vertrauten Teams. „Luxemburg ist das Land der kurzen Wege, du musst dich hochschaffen,“ sagt Bausch und ergänzt, „die Möglichkeiten hast du in Deutschland oder Frankreich nicht.“

Bausch selbst entdeckte seine Liebe zum Film mit 16 Jahren und begann just hier in der Cinémathèque, „die Wunder des Kinos“ zu entdecken. Kein Wunder, dass seine ersten filmischen Schritte sich auch an frühen Klassikern orientierten. „Ich habe mit der Leidenschaft für das Kino auch das Filmen begonnen und meine ersten Kurzfilme waren sehr cinéphil“, sagt er. So war auch eine expressionistische Stummfilmhommage an Edgar Allen Poe darunter. In der zweistündigen „Masterclass“ stellte er sich auch filmisch vor. Mit einem zehnminütigen Trailer zu seinem bisherigen Werk, selbstironisch übertitelt mit „Who the f*** is Andy Bausch?“ Der Trailer ist von ihm selbst rasant geschnitten, mit dem oft direkten Blick der Charaktere in die Kamera und der tragenden Rolle der Musik werden auch schnell zwei Merkmale seiner Filme klar. Der Applaus ist ehrlich.

In der moderierten „Masterclass“ gibt der Regisseur dann humorvoll Auskunft über seine Karriere, die Kurz- und Langfilme, Dokumentationen und TV-Filme sowie -serien umfasst. Er teilt Anekdoten von Erfolgen und Missgeschicken, von Geldnot in den Anfangsjahren und bewegenden oder schwierigen Drehs. Die Jugendlichen lauschen gespannt.

Zum Filmen inspiriert

Die jungen Männer und Frauen, die den gleichen Weg beschreiten wollen, haben beim Filmwettbewerb mitgemacht, vielleicht sogar einen Preis gewonnen, und fragen sich, was nun der nächste Schritt sein könnte. Filmhochschule? „Keine Ahnung, ich war nie selbst auf einer“, erklärt Bausch freimütig und lacht. „Ich kann euch da nicht helfen, heute ist es viel komplizierter.“ Zwar sei Vieles einfacher, da man mittels Texten und Videos im Internet die Technik erlernen könne, aber andererseits sei die Konkurrenz sehr groß, sogar in Luxemburg. „Jeder will Regisseur sein, aber es ist auch sehr schwer, man muss geduldig sein“, erzählt Bausch und erklärt weiter, „ich warte manchmal sechs Monate auf eine Antwort von einem Sender, Studio oder Fonds, ob ich weiterarbeiten kann.“ Er habe in den 80ern das Glück gehabt, das es keine professionelle Szene gegeben habe und er der erste gewesen sei, der auf luxemburgische Filme auch Reaktionen bekommen habe.

Cathy aus Luxemburg-Stadt hat die Veranstaltung gut gefallen: „Ich fand es interessant von ihm zu hören, was seine Arbeit ausmacht und wie er angefangen hat.“ David aus Düdelingen fühlt sich glatt ermuntert: „Ich fühle mich inspiriert weiterzumachen, aber als Hobbyfilmer in meiner Freizeit“, sagt der 27-Jährige. Die Begegnung mit dem Filmemacher hat auch Cathy etwas gebracht, wie sie sagt: „Man sieht, wie hier die Filmszene aufgebaut ist und wie sie funktioniert.“