LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag

Vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg musste sich am gestrigen Mittwoch ein 30-jähriger Mann wegen versuchten Totschlags verantworten. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, am 24. Dezember 2011 in Aspelt seinen Nachbarn mit einem Messer verletzt zu haben.

Unter dem Einfluss eines Medikamentencocktails

Am ersten Verhandlungstag sprach der zuständige Gutachter von einer labilen Persönlichkeit. Der Angeklagte war bereits 2007 wegen einer Messerstecherei zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Davon saß er drei Jahre in der Strafanstalt in Schrassig ab.

Der Gutachter hatte den Angeklagten in der Haftanstalt untersucht. Als Motiv seiner nun verhandelten Tat habe der Mann angegeben, so der Gutachter, dass er sehr schnell die Nerven verloren und das Verhalten seines Nachbarn als ungerecht empfunden habe. Der Angeklagte, so erzählte er es dem Gutachter, habe seinem Nachbarn das Angebot gemacht seinen Fernseher zu verkaufen. Da der Nachbar am Anfang mit dem Angebot einverstanden war, den Fernseher zu kaufen, habe er den Preis auf 50 Euro festgelegt. Als der Angeklagte dann diesen Betrag, „sein Geld“, einfordern wollte, kam es zu einer Streiterei. Der Nachbar lehnte es ab, den Fernseher zu kaufen und verwies den Angeklagten aus seinem Haus. In der Folge kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung. Laut der Expertenmeinung stand der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss eines Cocktails aus Medikamenten und Cannabis.

Klappmesser als Tatwaffe?

Das Opfer, der verletzte Nachbar, sagte vor Gericht als Zeuge aus. Der Angeklagte habe bei ihm an Heiligabend 2011 geklingelt. Nachdem der Angeklagte eingetreten war, hätte dieser die Türe zugesperrt und den Schlüssel in die Hosentasche gesteckt. Auf die Forderung vom Angeklagten Cédric S., 50 Euro zu bezahlen, habe er gesagt „Ich gebe dir keinen Cent für diesen Fernseher“. Daraufhin habe der Angeklagte ein Messer genommen und auf das Opfer eingestochen. Der Angegriffene flüchtete ins Badezimmer. Da er stark blutete, habe er dem Angeklagten 50 Euro ausgehändigt, dieser sei dann über den Balkon geflüchtet. Der Verletzte wurde noch am Tatort medizinisch betreut und mit Schnittwunden an Brust und Armen mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen.

Der Angeklagte wurde später in einem Bus festgenommen. Bei einer Durchsuchung des Angeklagten fanden die Ermittler zwei Klappmesser, die mit Blut beschmiert waren. Das Urteil fällt am 27. Februar.