COLETTE MART

Die Weihnachtszeit und das Jahresende sind für jeden von uns die Zeit der Bilanz und des Nachdenkens. Nachdem Umfragen dokumentierten, dass die Luxemburger in diesem Jahr weniger für die Festtage ausgeben und sich also im Hinblick auf angekündigte Einschränkungen Veränderungen des Lebensstils anbahnen, kann genau diese Entwicklung eine Chance sein, Verhaltensmodelle und Werte zu überdenken.

Obwohl also weniger Konsum eingeplant ist, sollte Weihnachten die Zeit des Gebens sein, was zahlreiche Möglichkeiten der Kommunikation und des Austausches birgt.

Vielleicht braucht ja das Enkelkind nicht unbedingt noch weitere Spielsachen, sondern wird sich später im Leben eher an eine Runde mit den Großeltern auf der Schlittschuhbahn auf dem Knuedler oder auf dem Karussell neben der goldenen Frau erinnern.

Vielleicht braucht ja ein Jugendlicher nicht noch ein elektronisches Gadget, sondern eher einen Spaziergang mit den Eltern an einem Weihnachtsmorgen oder aber einen Stadtbummel mit Freunden und Geschwistern; der Duft des Weihnachtsmarkts, die traditionelle Musik und die beschaulichen Beleuchtungen rühren bei jedem von uns an Kindheitserinnerungen, schlagen Brücken zwischen den Generationen und bringen Menschen zusammen und zur Ruhe.

Demgemäß, was hat uns Weihnachten am Ende des Jahres 2014 noch zu sagen? Was kann uns Weihnachten noch bringen in einer Welt, die kaum noch offline existiert, wo die direkte Kommunikation, das Gespräch und die menschliche Wärme vielfach verloren gehen, um einem Bildschirm, Rennen nach Erfolg oder nach Mehr Platz zu machen?

Bei dem Mehr, das viele von uns anstreben, bleiben viele andere dann auch auf der Strecke, die gar keinen Zugang zum Arbeitsmarkt, zu einem besseren Leben, zu Besitz und zu Erfolg haben.

Weihnachten sollte daran erinnern, dass auch in Luxemburg nicht alle einen sorglosen Bummel auf dem Weihnachtsmarkt machen können.

Der soziale Ausschluss und die Armut tun wahrscheinlich nie so weh wie am Jahresende, wo einerseits nicht jeder in der Lage ist, seinen Kindern oder Enkelkindern ein Geschenk zu machen, und andererseits der Konsum in vielen Familien auch das Wesentliche verdrängen oder zuschütten kann.

Weihnachten Ende des Jahres 2014 wäre also ein Moment, einfach an andere zu denken, an jene, die man vielleicht im Laufe des Jahres vernachlässigt hat, oder an denen man vorbei gerannt ist ohne anzuhalten.

Es wäre der Moment, mal wieder ein Buch zur Hand zu nehmen und in eine andere Gedankenwelt, eine andere Kultur oder eine andere Epoche einzutauchen, und daraus zu lernen und an sich zu arbeiten. Es wäre der Moment, Freunde einzuladen, eine Ausstellung oder ein Konzert zu besuchen, und sich darüber Gedanken machen, welche Akzente man im kommenden Jahr setzen will.

Bei diesen Akzenten sollten die wesentlichen Aspekte des menschlichen Lebens, wie Hilfsbereitschaft, Liebe, Freundschaft, Kollegialität, Empathie, Zuhören einen wichtigen Platz bekommen.