LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Weinbauminister stellt Zukunftsstrategie für luxemburgischen Weinbau vor

Die Konkurrenz ist drückend, der Absatz im eigenen Land sinkt kontinuierlich und auf benachbarten Märkten hat das Produkt keinen guten Ruf, wenn es nicht gleich völlig unbekannt ist.

Nur was tun, als eines der kleinsten Anbaugebiete der Welt? Weinbauminister Fernand Etgen stellte am Mittwoch eine Entwicklungsstrategie für den luxemburgischen Weinbau vor, zunächst dem zuständigen Parlamentsausschuss, dann der luxemburgischen Presse.

Einheimischer Konsum sinkt seit 1990

Etgen erinnerte daran, dass der einheimische Konsum von luxemburgischen Weißweinen seit 1990 kontinuierlich sinkt und mittlerweile von importierten Weißweinen übertroffen wird. Es stelle sich die Frage wie man den luxemburgischen Wein für die Zukunft positioniert. Nicht zuletzt weil der Weinbau auch direkte Auswirkungen auf andere Bereiche, wie Landschaftspflege und Tourismus hat. „Wir müssen unseren Wein sichtbar machen!“, lautete sein Fazit . Deshalb habe man sich entschlossen Unterstützung von außen zu suchen, in diesem Fall die Unternehmensberatung EY.

EY hat innerhalb der letzten zwölf Monate mit allen Akteuren des Weinbaus intensiv an einer Strategie gearbeitet. In zahlreichen Workshops seien, so Jeannot Weyer von EY, über 200 Ideen diskutiert worden und später zu einer gemeinsamen Strategie destilliert worden. Weyer wies ausdrücklich auf die schlechten Ausgangsbedingungen hin, die einen Einstieg in einen Preiskampf praktisch unmöglich machen: Größe, Topographie und Wetter - dadurch steigen die Produktionskosten automatisch an.

Für EY kann eine Strategie zur Förderung des luxemburgischen Weins nicht im luftleeren Raum geschehen. Diese Strategie müsse sich in das institutionelle „Nation Branding“ einfügen. Luxemburg habe einen exzellenten Ruf und ein erstklassiges Standing, entsprechend müsse sich auch der Wein positionieren.

Markt jenseits der Mosel

Grundsätzlich empfiehlt die Studie von EY folgende Schritte: Die Märkte in Luxemburg und Deutschland sollten ausgebaut werden, bei den Nachbarn vor allem über den Weinhandel und die Fachpresse. „Deutschland hat Potenzial“ lautete die Einschätzung von Weyer. In Belgien, Hauptabsatzmarkt seit den 1920ern, müsse der luxemburgische Wein neu positioniert werden, weg vom Billigimage. 45 Prozent des luxemburgischen Weins werden heute noch nach Belgien exportiert. Nicht nur die Märkte sollen neu angegangen werden, auch Rebsorten. Vor allem der bisher „völlig unterbewertete“ Rivaner soll als „junger Wein“ aufgewertet werden.

Die ausgewählten sieben Schlüsselmaßnahmen sind: Kommunikation, Veranstaltungen, festgeschriebene Verkaufsprinzipien , Werbung und Marketing, die Bindung von Schlüsselkunden und Vertriebspartnern, Stärkung des Rivaners und Einbindung von (Wein-) Meinungsführern. Dafür stellt das Landwirtschaftsministerium ab 2018 pro Jahr eine Million Euro zur Verfügung.

Überwacht werden die Maßnahmen unter Führung einer paritätisch besetzten Strategiekommission, die Umsetzung liegt in den Händen verschiedener Arbeitsgruppen, die aus dem Weinsektor besetzt werden. Die Koordination dieser Gruppen und ihrer Projekte übernimmt ein hauptamtlicher „Lotse“.