AHN
PATRICK WELTER

... kaum 50 Prozent der üblichen Erntemenge - Schuld sind Frost und Sonnenbrand

Nach dem oenologischen Jubeljahr 2018, das einen wirklich herausragenden Wein mit sich brachte, müssen die Winzer dieses Jahr „kleinere Brötchen backen“ - natürlich ein Bild, das stark hinkt. Um zu zeigen was passiert ist, sollten Luxemburgs Winzer den gesamten Weinjahrgang 2019 in 0,375 Liter Flaschen abfüllen.

Gestern machte sich Landwirtschafts- und Weinbauminister Romain Schneider ein Bild vom Stand der Dinge in Luxemburgs Weinbergen. Empfangen wurde Schneider in der Riesling-Lage „Palmbierg“ oberhalb von Ahn von Vertretern der Privatwinzer, der Genossenschaftskellerei „Vinsmoselle“, des Weinhandels, des Weinbauinstituts und der Vermarktungsorganisation „Vins & Crémants.

Erny Schumacher, Präsident der Privatwinzer, schilderte das Dilemma der Winzer: Die Lese läuft erst seit 14 Tagen und wird wohl schon in gut einer Woche zu Ende gehen - eine sehr schnelle Lese. Auf der Habenseite ist zu verzeichnen, dass 2019 ein sehr guter Jahrgang wird, nicht so gut wie der 2018er, aber weit über dem Durchschnitt, die Traubenwerte zeigen einen etwas höheren Säuregehalt. Daher wird der 2019er geschmacklich etwas „luxemburgischer“ als der 2018er werden.

Einbruch bei der Erntemenge

Schlecht, eigentlich sogar dramatisch schlecht, sieht es hingegen bei der Erntemenge aus. Durch den Spätfrost im Mai und die Extremtemperaturen im Juli von über 40 Grad wurden Triebe und Beeren so geschädigt, dass die Ernte 2019 einen gewaltigen Einbruch zu verzeichnen hat. Wenn es richtig gut geht, wird eine Quote von 50 Prozent des langjährigen Jahresmittels von 135.000 Hektoliter Most erreicht. Wahrscheinlicher ist, dass maximal 60.000 Hektoliter in die Keller gebracht werden. Bernd Karl, technischer Direktor der „Vinsmoselle“ meinte dazu, dass man die erwartet hohe Qualität des Weines nicht auf den Preis umlegen könne - ein Mengeneinbruch von 50 Prozent bedeute immer einen wirtschaftlichen Verlust.

Mal besser, mal schlechter, je nach Lage

Zumindest der Frost im Mai hat die luxemburgischen Weinberge sehr unterschiedlich getroffen, was auch zu unterschiedlichen Verlusten führte. Minister Schneider besuchte zusammen mit den Weinbauvertretern den Wingert der „Caves Ries“, wo gerade eine internationale Truppe von Erntehelfern dabei war Riesling zu lesen - der Palmbierg ist eine der Top-Rieslinglagen. Nicolas Ries sprach uns Pressevertretern gegenüber von einem „neidischen Herbst“, die Ertragsunterschiede in den einzelnen Lagen seien erstaunlich groß. Er habe praktisch keine Frostverluste, seine Trauben seien aber dem Sonnenbrand ausgesetzt gewesen. Er geht für sich von einer Erntemenge von 80 Prozent aus, bei anderen Winzern hätten die Versicherungen Verluste von bis zu 95 Prozent bestätigt.

Weinbauminister Romain Schneider war bemüht aus der unglücklichen Situation das Beste zu machen und betonte ein ums andere Mal die hohe Qualität der 2019er Ernte, wobei er das Engagement der Winzer betonte. Mit dem Abschluss der Lese in wenigen Tagen beginne die eigentliche Arbeit in den Kellern der Weingüter. Er warte dabei nur das Beste von den exzellenten Luxemburger Weinproduzenten. Seit gestern ist der erste luxemburgische Federweiße auf dem Markt, sehr süffig aber gefährlich für den Kopf…