NIC. DICKEN

Man kann nur schwer nachvollziehen, wie in den letzten Jahren aus dem gastfreundlichen Freistaat Bayern, der sich nicht nur mit landschaftlicher Schönheit am Nordrand der Alpen und einer Vielzahl touristischer Sehenswürdigkeiten aus unterschiedlichen Epochen, sondern auch mit einer offenen und besucherfreundlichen Einstellung breiter Bevölkerungskreise stets als gastliches Land einen Namen gemacht hatte, ein derart abweisendes, ja geradezu fremdenfeindliches Territorium werden konnte.

Der Wandel ist umso unverständlicher, als Bayern unter allen deutschen Bundesländern wohl eindeutig als dasjenige mit dem am stärksten ausgeprägten Selbstbewusstsein seiner Bewohner gelten muss und man über die nunmehr plakatierte Angst vor Überfremdung eigentlich nur noch den Kopf schütteln kann.

Nicht von ungefähr hatte sich die Landeshauptstadt München 1972 als „Weltstadt mit Herz“ für die Austragung der olympischen Sommerspiele empfohlen und mit seinem Slogan der „fröhlichen Spiele“ weltweit ein Zeichen gesetzt für die Gastfreundlichkeit von Bayern, Schwaben und Franken.

Damit scheint es heute nicht mehr weit her zu sein, zumindest wenn man sich die Einstellung und Bekundungen der maßgeblichen Politiker des Landes vergegenwärtigt, die über das an sich nicht unsympathische „mia san mia“ hinaus ganz offen gegen alles zu Felde ziehen, was nicht urbayerisch ist. Dass die staatstragende CSU mittlerweile nicht einmal mehr vor dem Risiko einer bundesweiten Regierungskrise zurückschreckt, macht deutlich, in welchem Maße der Geifer der braunen AfD-Horden selbst gestandene Politiker bereits infiziert hat.

Denn nichts anderes als die Angst vor dem Populismus der Ewiggestrigen aus dem nationalsozialistisch versifften politischen Untergrund hat dafür gesorgt, dass selbst eine traditionell so bodenständige Truppe den Grund unter den Füßen zu verlieren scheint. Indem man von Anfang an nicht energisch genug gegen den braunen Sumpf eingestanden ist und ihn in seine Grenzen verwiesen hat, begünstigte man den Aufgang einer ungesunden Saat, die deutschlandweit immer mehr außer Kontrolle zu geraten droht.

Nicht ausreichend bedacht zu haben scheint man in der Münchner Staatskanzlei und vor allem auch im Franz Josef Strauss-Haus, dass man mit der radikalen Einstellung gegenüber einer maßvoll menschlichen Asylpolitik nicht nur die deutsche Kanzlerin in Bedrängnis bringen, sondern darüber hinaus generell auch den internationalen Kredit verspielen könnte, den der Freistaat noch genießt.

Wenn die CSU mordikus die AfD rechts überholen will, dann sollte sie sich unbedingt auch nach innen wie nach außen um die eigene Glaubwürdigkeit Sorgen machen, die bei diesem Spielchen sehr leicht auf der Strecke bleiben könnte. Es sei denn, man will als Gastgeber, als Handelspartner, als politischer Verbündeter nicht mehr wirklich ernst genommen werden,

Aber wer kann so was schon wirklich ernsthaft wollen?