MAMER
SIMONE MOLITOR

Im Kinneksbond Mamer wird auch in der kommenden Saison ein breites Publikum bedient

Vom „kleinen“ Kulturzentrum in Mamer habe sich das Kinneksbond über die Jahre zu einer unverzichtbaren Institution im Westen und über dessen Grenzen hinaus gemausert, meinte gestern bei der Vorstellung der Saison 2019/20 Verwaltungsratspräsidentin Christiane Hames. „Besonders stolz bin ich auf die große Vielfalt, die hier geboten wird. Möglichst für jeden soll etwas dabei sein, das liegt uns sehr am Herzen. Auch auf die Jugendarbeit legen wir einen großen Akzent. Immerhin wollen wir die jungen Generationen auch später als Publikum behalten“, erklärte sie. Zum dritten Mal bereits wird in Zusammenarbeit mit dem „Mierscher Kulturhaus“ unter dem Namen „Culture UP!“ ein auf die Zwölf- bis 19-Jährigen zugeschnittenes Programm geboten. Um ihnen den Besuch im Kinneksbond noch schmackhafter zu machen, gibt es künftig ein verlockendes Abonnement: Für 20 Euro können vier Veranstaltungen besucht werden.

Kontinuität und Offenheit

In Zukunft wolle man genauso weitermachen, trotzdem aber stets offen für Neues oder anderes sein, bemerkte Hames. Direktor Jérôme Konen seinerseits sprach von einer extrem zufriedenstellenden Bilanz. Es sei gelungen, die unterschiedlichen Publikumskategorien weiterzuentwickeln und wachsen zu lassen. Einen besonderen Zuwachs habe man bei den zeitgenössischen Tanzspektakeln verzeichnen können. „Das hat uns etwas überrascht, aber natürlich auch gefreut. Zeitgenössischer Tanz ist in vielen Strukturen noch ein bisschen das Stiefkind. Dass es sich gelohnt hat, diese Baustelle in Angriff zu nehmen, wurde aber definitiv bestätigt. Solche Veranstaltungen finden ein immer größeres Publikum“, freute er sich. Das Kinneksbond sei derweil weit mehr als ein Aufführungsort sondern auch ein Ort der Begegnung, des Teilens und des Dialogs.

Die Saison 2019/20 schreibt sich in die Kontinuität ein, will heißen, das Programm bewegt sich - vielfältig und multidisziplinarisch - weiterhin um die gleichen großen Grundpfeiler: Theater, Tanz/Zirkus und Musik. Bekannte Namen tauchen ebenso im Programmheft auf wie Nachwuchskünstler, denen viel Raum zugestanden wird. Ein paar Programmpunkte haben wir für Sie herausgepickt.

Klassisch und innovativ

Die Theatersaison startet am 4. Oktober mit Florence Minder, die sich in ihrer „Saison 1“ mit Netflix-Serien und „Binge-Watching“ befasst. In „Terreur“ von Ferdinand von Schirach, das derzeit im „Théâtre du Centaure“ gespielt wird, darf das Publikum am 18. Oktober die Rolle der Jury übernehmen und somit den Ausgang des Stücks bestimmen. In „Bienvenue en Corée du Nord“ unternehmen am 24. Oktober vier Clowns eine Reise in das autoritäre Land und machen die dort herrschenden Absurditäten und Grausamkeiten durch ihre Naivität umso deutlicher. Mit „Suite N°3 Europe“ wird am 14. November eine Oper in den 24 offiziellen Sprachen der EU geboten. Kafkas „Der Proceß“ mit Philipp Hochmair wird am 11. Dezember als Theater-Solo präsentiert, während Shakespeares „Macbeth“ am 14. Dezember in einer zeitgenössischen Neuinterpretierung auf dem Programm steht. Interessant und bewegend werden dürfte auch das Stück „Is there Life on Mars“ am 30. Januar, für das im Vorfeld Menschen mit Autismus interviewt wurden. Ein weiterer Klassiker erwartet das Publikum mit Hugos „Les Misérables“ - diesmal als Objekttheater - im April.

Von zeitgenössischem Tanz bis „Nouveau Cirque“

Im Bereich „Tanz/Zirkus“ geht es am 21. September mit „Oh Oh“ und den Clowns/Akrobaten der „Compagnia Baccalá“ los. „Un Break à Mozart 1.1“ verbindet am 23. November Musik von Mozart mit Hip-Hop-Tanz. „Le Petit Prince“, dargeboten vom „Ballet de l’Opéra-Théâtre de Metz Métropole“ richtet sich am 5. und 6. Dezember an ein kleines und großes Publikum. Am 21. März steht für „Orphée et Eurycide“ eine besonders große Truppe auf der Bühne. Unter dem Motto „Double Bill“ werden an verschiedenen Abenden gleich zwei Tanzspektakel geboten: am 8. Februar „Sweat Baby Sweat“ und „Ode to the Attempt“ von Jan Martens sowie am 27. und 28. Februar „What does not belong to us“ und Don’t you see it coming“ von Sarah Baltzinger. Beide Choreografen tanzen jeweils eines der Stücke selbst, während sie das andere von zwei Tänzern performen lassen. Mit dem Spektakel „Humans“, das am 29. Mai auf dem Programm steht, gelingt der Kompanie „Circa“ die Neubelebung des „Nouveau Cirque“. Ein ganz besonderes Erlebnis steht zum Saisonabschluss an: Am 10. und 11. Juli wird in einigen Wohnungen quer durch Mamer getanzt. Als Zuschauer darf man das Ganze von außen durchs Fenster beobachten und gleichzeitig die Gemeinde auf eine ganz neue Weise entdecken.

Musikalische Reisen in verschiedene Welten

Im musikalischen Bereich darf man sich wieder auf die Reihe „Hannert dem Rido“ freuen, dies an gleich acht Abenden. Im ungezwungenen Rahmen kann man hier als Zuschauer direkt auf der Bühne mit den Musikern, Performern und Sängern Platz nehmen. Den Auftakt machen am 25. September Lisa Henn und Romain Souchon. Zu einer Tradition ist inzwischen auch die „Gala de la Chanson Française“ geworden, die diesmal am 12. Oktober stattfindet. Unter dem Thema „Vous avez dit Broadway?“ wird das Kinneksbond am 13. Februar mit Klängen aus Musical-Songs erfüllt. Am 8. und 9. März werden die kleinen und großen Besucher mit auf eine Reise in die Märchenwelt der Gebrüder Grimm genommen: Das Konzept für „D’Bremer Stadtmusikanten“ stammt von Dan Tanson. Ins Berlin der 20er und 30er Jahre entführt derweil am 13. März die Kammeroper Köln mit ihrem Programm „Comedian Harmonists“.


Das komplette Programm der nächsten Saison finden Sie
unter www.kinneksbond.lu