LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Zahl der Toten steigt auf 78 (+3) – Wieder 60 Neuinfektionen

Wie das Gesundheitsministerin heute am späten Nachmittag mitteilte, hat Luxemburg drei neue Corona-bedingte Todesfälle zu beklagen. Damit haben hierzulande bislang 78 Menschen den Kampf gegen das Virus verloren. Das Medianalter der Verstorbenen liegt bei 85 Jahren.

Mit dem Coronavirus infiziert sind in Luxemburg inzwischen 3.618 Personen - das sind wieder 60 mehr als am Vortag. Der Altersdurchschnitt liegt hier immer noch bei 46 Jahren. Von den infizierten Personen sind 2.951 Ansässige und 667 Nichtansässige; 50,9 Prozent sind Männer und 49,1 Prozent Frauen.

Seit Beginn der Krise wurden bislang insgesamt 34.962 Corona-Tests durchgeführt. Hospitalisiert sind im Moment 185 Leute (Covid-19 und Verdachtsfälle), von denen 32 auf der Intensivstation liegen. Entlassen wurden bislang 670 Corona-Patienten.

Warnung vor einer zweiten Welle

Gesundheitsministerin Paulette Lenert stand ihrerseits den Mitgliedern der parlamentarischen Gesundheits- und Sportkommission via Videoschalte Rede und Antwort, wobei sie auch den Abgeordneten noch einmal sagte, was sie zuvor auch schon auf mehreren Videopressekonferenzen gesagt hatte, nämlich dass wir trotz der Meldungen, dass die Zahl nachgewiesenen Corona-Fälle abnimmt und die Corona-Kurve flach bleibt, noch weit von einer Rückkehr zur Normalität seien. Auch gelte es eine zweite Welle an Infektionen zu verhindern.

So stehe in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin viel Arbeit an, gehe es doch nicht zuletzt auch darum, die am Montag eingeleitete erste Etappe der Exit-Strategie (Wiedereröffnung der Baustellen, Baumärkte, Gartenbetriebe und Recycling-Center) einer genauen Analyse zu unterziehen, um dann die nächsten Schritte – Wiedereröffnung der Lyzeen am 11. Mai, und Wiedereröffnung der Grundschulen und Kindertagesstätten zum 25. Mai – einzuleiten.

Das Tragen einer Schutzmaske müsse indes auch in Luxemburg zur Routine werden, was besonders für den öffentlichen Transport und die Supermärkte gelte. Die Ministerin wies die Abgeordneten aber noch einmal darauf hin, dass auch eine Maske keine vollständige Sicherheit biete und ihre Wirksamkeit auch davon abhänge, wie man die Maske benutze.

Verärgerte Ärzteschaft

Ausführlich im Kammerausschuss zur Sprache kam heute aber auch die Situation der „normalen“ Kranken, also die der Nicht-Corona-Patienten. Keiner sollte aus Angst vor Corona keine medizinische Hilfe beantragen, zumal in den Spitälern Corona- und andere Patienten streng getrennt würden, so Paulette Lenert, die in diesem Zusammenhang unterstrich, dass ein Notfall ein Notfall bleibe – auch in Corona-Zeiten.

Auch will Paulette Lenert noch vor dem Wochenende mitteilen, welche medizinischen Aktivitäten ab wann wieder erlaubt sind, sorgte doch ein Rundschreiben von „Santé“-Direktor Jean-Claude Schmit an die Allgemeinmediziner für einige Unruhe, werden den Ärzten hier doch Sanktionen angedroht, sollten sie sich nicht an die Regeln halten. Anlass der „Lettre-Circulaire“ vom Montag war anscheinend das Benehmen verschiedener Ärzte, die trotz gegenteiliger Anordnung des Gesundheitsministeriums Patienten in ihrer Praxis behandelt haben sollen.

Die Ärztevereinigung AMMD reagierte wiederum auf dieses Rundschreiben und ärgert sich über die Form, den Ton und den Inhalt des Briefes. Die Ministerin soll sich nun aber bereits heute mit der Ärzteschaft getroffen haben, um die Situation zu entschärfen.

Am Donnerstag wird auch Vizepremier und Sportminister Dan Kersch den Mitgliedern der Gesundheits- und Sportkommission Rede und Antwort stehen.

Großherzog besucht Krisenzentrum

Großherzog Henri besuchte seinerseits heute zusammen mit Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert die im Gesundheitsministerium angesiedelte Covid-19-Krisenzelle, um sich vor Ort und im Gespräch mit den Mitarbeitern ein Bild von der aktuellen Lage zu machen. Ziel der Krisenzelle ist in erster Linie, die Versorgung mit Material im Kampf gegen das Coronavirus zu gewährleisten.

Masken an internationalen Institutionen verteilt

Apropos Versorgung: Wie das Außenministerium am Abend mitteilte, wurden am heute mit Unterstützung der Armee auch Schutzmasken an die über 16.000 Mitarbeiter der in Luxemburg angesiedelten Botschaften sowie europäischen und internationalen Institutionen verteilt.

Eindrücke von der Corona-Front

„Teamarbeit ist Trumpf“

Dr Marco Hirsch hätte nie gedacht, in einer strikt abgetrennten Zone mit hochansteckenden Patienten arbeiten zu müssen. Das hat der Rheumatologe an der Zithaklinik nun allerdings eine Woche lang getan. Er war dem Aufruf gefolgt, die Mannschaften auf den Covid-19-Stationen im Kirchberger Spital zu verstärken. Eine „Schicht“ dauert dort etwa 12 Stunden, wobei drei Ärzte auf dem Stock sind und stets zwei Lungenärzte zusätzlich in Bereitschaft. Die Teamarbeit, auch mit dem administrativen Personal, dem Pflegepersonal und - wie er besonders unterstreicht - den Putz- und Desinfektionsmannschaften sei unerlässlich, um die Patienten fachgerecht betreuen zu können, unterstreicht Dr. Hirsch, der nach eigenen Angaben eine Reihe von Weiterbildungen absolvieren musste, zum Teil, um altes Wissen aufzufrischen. „Wenn man lange nicht als Internist praktiziert hat, braucht man etwas Auffrischung“, erzählt der Arzt, der Rheumatologe, der verwundert war, dass unter den Patienten nicht nur ältere Personen sind, „sondern auch relativ viele relativ junge Männer zwischen 50 und 60“, die auch nicht unbedingt eine Krankheits-Vorgeschichte hatten. „Einer kam mit dem Virus aus dem Wintersport, bei seinen Freunden verlief die Infektion glimpflich“, sagt Hirsch, für den der Erreger weiterhin noch viele Geheimnisse birgt. Auch der Einsatz von Medikamenten wie Hydroxychloroquin sei noch besser zu ergründen. Luxemburg nimmt bekanntlich an der europäischen „Discovery“-Studie Teil, welche die Wirkung von vier Medikamenten gegen Covid-19 unter die Lupe nimmt. Wie Dr. Hirsch erklärt, kann das Virus eine ganze Menge anderer Komplikationen nach sich ziehen. „Wenn eine Lunge von Covid-19 verwüstet wurde, dann ist sie etwas wie ein Kuchen, in dem sich bakterielle Infektionen bilden können, die dann mit Antiobiotika bekämpft werden müssen“, Deshalb sei es natürlich wichtig, Patienten auch längere Zeit zu beobachten, und sich auch nach ihrem Zustand zu erkundigen, wenn sie aus der Klinik entlassen und zuhause in Quarantäne sind.