LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Donnerstagabend weiht Allen&Overy seine Räume auf Kirchberg offiziell ein, die fast den gesamten Infinity-Turm einnehmen - ein Blick hinter die Kulissen der Kanzlei

Rund 200 Mitarbeiter sind mittlerweile für die Kanzlei Allen&Overy auf Kirchberg tätig, davon 125 Rechtsanwälte. Aufgrund des stetigen Wachstums musste ein neues Gebäude her. Die Entscheidung fiel für das Infinity-Gebäude, dessen Büroturm am Donnerstagabend offiziell eingeweiht wird. Managing Partner Frank Mausen und sein Senior Partner Patrick Mischo haben uns vorab das Gebäude gezeigt. Es ist vollständig in der Hand ihrer Kanzlei. „Wir haben das gesamte Gebäude gemietet, wobei ein Stockwerk derzeit von uns untervermietet wird“, berichtet Mausen.

„Die größte Veränderung ist sicher die Kantine ,le huit‘. Hier gibt es morgens schon Frühstück und mittags eine Auswahl an Gerichten, dazu eine Bar. Die Reaktionen sind sehr positiv“, freut sich Mausen. Die von Sodexo gemanagte Kantine mit Blick auf die Europäische Investitionsbank, den Europäischen Rechnungshof und die Philharmonie hat noch einen Vorteil: „Die Mitarbeiter unterschiedlicher Abteilungen reden viel öfter miteinander“, stellt Mischo fest. Die rund 60 Plätze sind begehrt, fast doppelt so viele Menschen essen hier täglich. Im Sommer lockt die Terrasse mit einem Grill, Holzboden und großartigem Ausblick.

Mal sportlich, mal grün

In den anderen Stockwerken geht es mal sportlich, mal grün zu. „Wir wollten verschiedene Arbeitsumgebungen ausprobieren“, erklärt Mausen und zeigt auf eine Glasvitrine voller Sportartikel. „Die Mitarbeiter verbringen viele Stunden hier, da ist es doch angenehmer, wenn ein gutes Ambiente herrscht.“ Auf dem vierten Stockwerk ist die Wand mit Pflanzen begrünt. In den umliegenden Büros wird zum Teil in einem größeren Büro mit mehreren Schreibtischen gearbeitet, zum Teil gibt es kleine Büros für die Partner oder auch für Mitarbeiter, die lieber an einem Stehpult aktiv sein wollen.

Weiße Buchstaben auf weißem Grund zieren einige Wände, beispielsweise im Erdgeschoss der Bibliothek. „Dahinter steht nicht nur der Firmenname, sondern auch die Menschenrechtserklärung“, berichtet Mischo mit einem Augenzwinkern. Für die Innenarchitektur zeichnen Jim Clemes und Ingbert Schilz verantwortlich.

Voller Stolz zeigen die beiden Juristen das Auditorium mit Sitzen in verschiedenen Rottönen. Hier sollen nicht nur Konferenzen stattfinden, sondern auch kanzleiinterne Veranstaltungen wie beispielsweise gemeinsame Kinoabende. Auf die Mitarbeiter wartet aber auch ein brandneuer Fitnessraum sowie Kurse für Yoga oder Boxen. Solche Angebote sollen auch junge Juristen anziehen. Denn Allen&Overy ist in den vergangenen Jahren von einer Kanzlei mittlerer Größe zu einer der großen geworden. 2003 waren rund 40 Anwälte für die Kanzlei tätig - ein Fünftel der heutigen Zahl. Der Anspruch jetzt: weiter wachsen.

Die 1930 in London gegründete Kanzlei ist heute mit 40 Büros weltweit aktiv. Damit gehört Allen&Overy zum so genannten „Magic Circle“ der einflussreichen Kanzleien, von dem die Zeitschrift „The lawyer“ erstmals 2004 schrieb. Weitere Mitglieder sind Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer, Linklaters sowie Slaughter and May. Doch London ist längst nicht mehr tonangebend. „Wir sind eine sehr internationale Kanzlei“, betont Mischo. „London ist jedoch nach wie vor die größte Niederlassung.“ Aber Allen&Overy in Luxemburg selbst kann schon auf 30 Jahre Präsenz zurückblicken.

Luxemburg ist durch den Brexit wenig betroffen, denn das Wachstum hier erfolgt vor allem im Bereich der alternativen Fonds. Auch bei der Fondsstrukturierung sowie bei Mergers&Acquisitions ist Allen&Overy stark. „Daneben erhalten wir immer mehr Anfragen im Bereich Green Fonds“, erzählt Mischo. „Gerade haben wir eine Anfrage von einem großen Mandanten erhalten, der ein Gebäude für einen Fonds auf Grün umstellen will“, sagt Mausen. „Das Interesse am Thema steigt.“