LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Pol Faber, Generalsekretär des „Groupement des Entrepreneurs“ im Bausektor, zum Kollektivurlaub

In dieser Woche ging er los, der Kollektivurlaub für die Baubranche, der bis zum 23. August andauert – und selten war er so umstritten. Das liegt vor allem an der Corona-Krise. Zwar will nicht jedes Bauunternehmen den Kollektivurlaub abschaffen, aber viele hätten sich wegen der Corona-Krise eine andere Regelung gewünscht, die Arbeiten im Sommer und ein Nachholen des Urlaubs im Winter 2020 beziehungsweise Sommer 2021 ermöglicht hätte. Doch ihre Hoffnung auf politische Unterstützung oder ein Machtwort erfüllte sich nicht. Die Sozialpartner konnten sich nicht einigen – und so bleibt alles beim Alten. Die Zahl der Baustellen, für die es in diesem Kollektivurlaub eine Ausnahmegenehmigung gab, liegt mit 119 von 250 angefragten kaum höher als im Vorjahr, als es 112 waren. Einige Bauunternehmer fragen sich, ob ihre Mitarbeiter das Coronavirus mit zurückbringen. Andere wären bereit, Aufschläge zu zahlen, wenn die Mitarbeiter blieben. Wir haben bei Pol Faber, dem Generalsekretär des „Groupement des Entrepreneurs“ im Bausektor beim Industrieverband FEDIL nachgefragt, wie es aussieht.

Herr Faber, wie stehen die Bauunternehmen zum Kollektivurlaub?

Wir würden als Bauunternehmen gern weiterarbeiten, um die Verluste durch die Schließung während des Lockdowns aufzuholen. Wir haben den Gewerkschaften denn auch entsprechende Vorschläge gemacht. Das reicht vom Extrem, keinen Sommerurlaub zu nehmen, bis zu ein oder zwei Wochen Sommerurlaub und dann nächstes  Jahr ein Nachholen des Urlaubs von 2020. Doch sowohl der OGBL als auch der LCGB haben alles abgelehnt. Sie haben lediglich vorgeschlagen, den Kollektivurlaub zwischen dem 15.7. und dem 15.9. zu nehmen. Das ist für uns Unternehmer praktisch nicht machbar. Deswegen brauchen wir eine Einigung. Wir sehen es so: Dieses Jahr ist wegen der Corona-Krise außergewöhnlich. Wir wollen arbeiten und die Gewerkschaften wollten das nicht. Ich bin im Übrigen nicht der Meinung, dass das, was die Gewerkschaften sagen, auch immer das ist, was ihre Mitglieder denken.

Hat der Kollektivurlaub auch positive Aspekte?

Wenn man einen positiven Aspekt sehen kann, dann das Gentlemans Agreement zwischen Bauunternehmen und öffentlichen Trägern, dass während des Kollektivurlaubs keine öffentlichen Ausschreibungen von den Gemeinden oder dem Staat gemacht werden. Dazu kommt natürlich der praktische Aspekt, dass der Kollektivurlaub, der in den 70er Jahren eingerichtet wurde, um ausländischen Kräften einen Urlaub in ihrer Heimat zu ermöglichen, heute Teil der Organisation ist. Ich nenne immer das Beispiel: Wenn der Kranführer in Urlaub geht, dann steht die Baustelle. Den können Sie nicht einfach ersetzen. Daher leben viele Unternehmen gut mit dem Kollektivurlaub.

Welche Rückmeldung haben Sie von den Arbeitnehmern?

Es werden sehr viele Arbeiter – wenn ich davon ausgehe, dass Mitarbeiter portugiesischer Nationalität heute den größten Teil des Sektors ausmachen – nicht nach Portugal fahren. Das sind oft junge Leute, die dort Eltern oder Großeltern haben. Sie wollen niemanden anstecken, wenn die Leute dort auf dem Dorf wohnen. Wir gehen davon aus, dass ein beträchtlicher Teil der Mitarbeiter deshalb hier in Luxemburg bleiben wird. Ich bin überzeugt, dass die lieber Geld verdient hätten, als am Baggerweiher zu liegen. Das haben mir mehrere Unternehmen bestätigt.

Es soll Test-Voucher für den Bau geben. Wie läuft das?

Zunächst muss man unterstreichen, dass wir für den gesamten Sektor Maßnahmen erarbeitet haben, die verhindert haben, dass es dort zu größeren Ausbrüchen kam. Das ist mit Kosten verbunden. Es gibt Test-Voucher, mit denen Arbeiter nach der Rückkehr aus dem Urlaub getestet werden können. Diese Voucher stehen den Unternehmen zur Verfügung und sie entscheiden dann, wem sie das innerhalb ihres Unternehmens nahelegen. Die Unternehmen sind vorbereitet und machen hier mit.  

Wie sieht es mit politischer Unterstützung für Ihre Branche aus?

Wir sind genauso betroffen wie Konkurrenten in Deutschland, Belgien und Frankreich. Wir haben ausgerechnet, dass die Unternehmen rund acht Prozent Mehrkosten schultern müssen, das  sind 30 Euro pro Tag und Mann. Die Gründe liegen in den coronabedingten Mehrkosten, weil Minibusse nicht voll sein dürfen, Toiletten öfter gereinigt werden, Produkte gekauft werden mussten und vieles mehr. Das alles bringt mit sich, dass wir an Produktivität verlieren. Das ist der gleiche Wert wie in den Nachbarländern. Ich weiß aber, dass im Ausland die staatlichen Instanzen ihre Hilfe angeboten haben. Wir haben mit Minister Bausch gesprochen. Aber ob wir etwas bekommen, wissen wir nicht.

Was hätten Sie denn gern?

Wir hatten für die rund zwei Monate von März bis Mai mal die Mehrkosten berechnet. Auf zwei Monate kommen wir, weil wir uns ja auch organisieren müssen. Wir mussten beispielsweise Baustellen vor dem Lockdown absichern. Wenn man die zwei Monate veranschlagt, dann sind wir bei einer Summe von 63 Millionen Euro für das gesamte Baugewerbe. Die hätten wir gern. Wir warten jetzt auf eine Antwort. Die Zahlen haben wir dem Minister schon vor drei oder vier Wochen vorgelegt.

Sieht es für das kommende Jahr besser aus?

Die Arbeiten, die jetzt gemacht werden, sind alles Verträge, die vor COVID-19 gemacht wurden. Daher sind die Auswirkungen auf 2021 unklar. Was wir feststellen ist, dass Gemeinden und der Staat Investitionen nicht jetzt tätigen, sondern auf später verschieben. Der Bau von Bürogebäuden tendiert gegen Null, weil die Investoren abwarten. Beim Hausbau werden derzeit alte Verträge abgearbeitet. Und was die Ankündigungen von Wohnungsbauminister Kox angeht: Angekündigt wurde schon vieles. Da warten wir mal ab.