MIKIS BASTIAN

Luxemburg spielt für Zugvögel eine wichtige Rolle, weil es auf der Kreuzung mehrerer Flugrouten liegt; zumal Zugvögel an bestimmten Korridoren entlang fliegen und größere Hindernisse wie Gebirge meiden. Damit sie sich in Luxemburg besser für ihre Reisen regenerieren können, müsste noch einiges geschehen. 

„Im Großherzogtum machen Zugvögel zu unterschiedlichen Zeiten Station. Für einige Arten wie Mauersegler und Sumpfrohrsänger beginnt die Herbstmigration in Luxemburg schon im Juli und im August. Das Rotkehlchen wiederum fliegt erst im Oktober oder November in den Süden. Die Frühjahrsmigration ist kompakter, denn zu diesem Zeitpunkt stehen die Zugvögel wegen dem Brüten unter Zeitdruck. Der Rotmilan kann schon im Februar zurückkehren, Mauersegler und Pirol erst ab Mitte Mai. 

Die Zugvögel machen nur in guten Habitaten Station. Diese finden sie in Luxemburg vor allem in Schilf- und Feuchtgebieten. Ihr zeitlicher Aufenthalt variiert: Im Frühjahr fliegen sie schnellstmöglich weiter, wenn es im Herbst ums Fettfressen geht, halten sie sich zum Teil mehrere Wochen auf. Beliebte Gebiete sind das Naturreservat Haff Réimech im Süden, das Naturschutzgebiet Schlammwiss bei Uebersyren nahe Münsbach oder das Naturschutzgebiet Cornelysmillen im Norden. Die drei Gebiete stehen unter Schutz und wurden aufgrund konkreter Maßnahmen aufgewertet, sodass dort schnell neue Vogelarten aufgetaucht sind. Auch die Renaturierung der Alzette beim Dumontshaff bei Schifflingen oder der Weißen Ernz bei Koedange sind gute Beispiele. Immer noch werden viele kleine nicht geschützte Feucht- und Schilfgebiete durch Bauprojekte und unangemessene landwirtschaftliche Nutzung zerstört. Die Pflege von Schutzgebieten wiegt aber den Verlust dieser Feuchtgebiete nicht auf. Wir haben es trotzdem mit einem schleichenden Verlust von Lebensraum zu tun. Ein sehr großes Problem ist zudem der Nahrungsverlust durch die Abnahme von Insekten. Studien beweisen, dass es in den vergangenen 20 bis 30 Jahren einen Rückgang von Insekten um bis zu 80 Prozent gegeben hat. Aber ohne Nahrung können die Vögel auch im schönsten Schutzgebiet nicht überleben.

In Luxemburg gibt es keine spezifischen Programme zum Schutz von Insekten. Man ist vielmehr bestrebt, die landwirtschaftliche Nutzung weniger intensiv zu halten und weniger Insektizide oder Düngemittel zu nutzen. Um die Situation der Zugvögel in Luxemburg zu verbessern, müssen wir an vielen Fronten gleichzeitig arbeiten: weiterer Schutz von Feuchtgebieten, Aufwertung von Habitaten durch Renaturierung, extensivere Nutzung von angrenzenden Gebieten, größeres Bewusstsein bei Bauprojekten, höheres Nahrungsangebot durch weniger intensive Landwirtschaft und mehr Brachflächen. Das sind Kleinigkeiten, aber sie machen in der Summe einen Unterschied.“