KÄERJENG/PETINGEN
IZ MIT DPA

Der Tornado und seine Folgen: Aufräumarbeiten dauern noch länger an

Dass es sich um einen Tornado gehandelt habe, sei gesichert, sagte auch der Meteorologe Marco Manitta vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Freitagabend. Dies belegten zahlreiche Bilder und Videoaufnahmen aus unterschiedlichen Quellen, erklärte Manitta. Bilder aus dem betroffenen Gebiet zeigten die Verheerungen: Autos, die von Dachziegeln und Gebäudeteilen beschädigt wurden, durch die Luft wirbelnde Gegenstände...

Das Unwetter hat am Freitagabend im Südwesten von Luxemburg schwere Schäden angerichtet. 14 Menschen wurden nach Angaben der luxemburgischen Regierung verletzt, davon zwei schwer.

Besonders hart getroffen hat es die Orte Petingen und Käerjeng. Mehr als 1.000 Notrufe gingen innerhalb weniger Minuten bei Polizei und Feuerwehr ein.

„Schneise der Verwüstung“

In den beiden Orten wurden Notunterkünfte für Bürger eröffnet, die durch den Tornado obdachlos wurden.

Die Polizeipräsenz in den Orten sei verstärkt worden, hieß es weiter. Die Bevölkerung wurde davor gewarnt, sich in die Nähe von umgestürzten Strommasten zu begeben. Die Stromversorgung des Großherzogtums sei jedoch nach einigen lokalen Ausfällen nicht gefährdet gewesen. Ein Sprecher der Luxemburger Polizei berichtete von einer „Schneise der Verwüstung“, die sich fünf, sechs oder sieben Kilometer weit ziehe. Mehrere Gebäude seien unbewohnbar, zahlreiche Einsatzkräfte im Einsatz. „Alle verfügbaren Einheiten und Hilfsdienste sind vor Ort“, sagte der Sprecher am Freitagabend. Arbeitsminister Dan Kersch hatte die Leitung des Krisenstabes übernommen, da sich Premier Xavier Bettel und Innenministerin Taina Bofferding im Ausland aufhielten.

Der Regierungschef informierte über Twitter über die Einrichtung dieses Krisenstab. „Die Regierung hilft den Betroffenen“, schrieb er, der seinen Urlaub unterbrach und sich am Samstag vor Ort mit Großherzog Henri ein Bild von der Katastrophe machte. „Wir sind keine Versicherungsgesellschaft, aber wir werden niemanden im Regen stehen lassen“, sagte der Premier und sicherte jenen Menschen, die durch den Tornado geschädigt wurden, entsprechende Hilfe zu. Wie bereits nach den Unwettern im Müllerthal in letzten Jahr können Geschädigte ab heute auf den Internetseiten des Familienministeriums, des Wohnungsbauministeriums (hier für Privatpersonen) sowie dem Wirtschaftsministerium (für Unternehmen) Formulare herunterladen, um Unterstützung zu beantragen. Zusätzliche finanzielle Hilfeleistungen könne zudem das „Haut-Commissariat à la protection nationale“ gewähren.

Mittlerweile wurden über 300 Häuser erfasst, die durch den Tornado zu Schaden gekommen sind. Die Aufräumarbeiten würden sich aber wohl noch über Wochen hinziehen, resümierte Paul Schroeder, Generaldirektor des „Corps grand-ducal d’incendie et de sauvetage (CGDIS)“.

Hilfe auch von Unbekannten

Die Welle der Solidarität ist unterdessen ungebrochen groß: „D’Jonk Handwierk ass am gaangen eng Equipe zesummen ze stelle fir de Leit ze hëllefen déi duerch den Tornado am Süde vum Land grousse Schued erlieft hunn! Ab e Méinde si mir mat Leit a Material am Asaz fir ze raumen an ze hëllefe wou mir kënnen“, wirbt die Vereinigung am Samstag auf den sozialen Netzwerken. Innerhalb einer Nacht hat Jacques Glod es geschafft, über Facebook knapp 28.000 Euro für die Opfer des Tornados in Petingen und Bascharage zu sammeln. Gestern Mittag stand das Spendenbarometer bei über 60.000 Euro.

Auch die Versicherungen sagten den Betroffenen entsprechende Hilfe zu. Schäden an Fahrzeuge seien über die Kaskoversicherungen abgedeckt.

Auch gestern tagte der Krisenstab unter dem Vorsitz von Innenministerin Bofferding, um eine Bestandsaufnahme der Situation in den Gemeinden Käerjeng und Petingen vorzunehmen und die Maßnahmen für die kommenden Tage festzulegen.

Die Priorität bleibt die Konzentration auf Häuser, deren Dächer beschädigt und noch nicht vollständig bedeckt oder abgedichtet sind. Das CGDIS arbeitet derzeit an 15 Häusern gleichzeitig. Die Arbeit privater Unternehmen wird ebenfalls von einem CGDIS-Beauftragten koordiniert und überwacht.

Gestern waren noch mehr als 100 Feuerwehrleute von 20 Feuerwehr- und Rettungszentren im Einsatz. Unterstützt werden sie von rund vierzig Soldaten und Gemeindearbeitern. Die Polizei bleibt im Bereich anwesend, um das Gebiet zu sichern. Insgesamt 26 Personen mussten am Samstagabend aus der Gemeinde Petingen und 31 aus der Gemeinde Käerjeng untergebracht werden. Ziel sei es, dass möglichst viele Menschen nach Hause zurückkehren konnten.

Stolz...

Premier Bettel dankte allen Helfern, den vielen, „die einfach aus dem ganzen Land und der Großregion helfen kamen, dies ohne, dass sie eine Verbindung zu den Betroffenen haben. Dies sind Momente, wo man stolz ist“, sagte der Premier im Rahmen der Pressekonferenz.

Die Hotline ist weiterhin unter 8002 808080 erreichbar.