WILTZCHRISTIAN SPIELMANN

José Carreras & Friends in Wiltz

Mucksmäuschenstill war es, als José Carreras am Freitag beim Festival von Wiltz die Bühne betrat und dann einen gewaltigen Applaus erntete: Er begeisterte die vielen Zuschauer von der ersten bis zur letzten Note. Musikalisch, ohne Verstärker und Mikrophone, wurde der Startenor vom italienischen Pianisten Lorenzo Bavaj und dem Streichquartett „Opera Petite Ensemble“ begleitet, das sich aus den Geigern Irene Tella, Andrea Castagna, Roberto Molinelli und dem Cellisten Massimo Magri zusammensetzt.

Routinemäßig wischte sich Carreras den Mund mit einem weißen Taschentuch ab, platzierte seine rechte Hand auf dem Piano und schon ertönte die Stimme eines der besten Tenöre weltweit. Er schien alle Noten im Innern zu kontrollieren, ehe sie seinen Mund in Perfektion verließen. „Sogno“ und „Segredo“ von Francesco Paolo Tosti hießen die ersten Lieder. Er verließ alsdann die Bühne, um der irischen Sopranistin Celine Byrne Platz zu machen, welche die Zuschauer mit „Caro mio ben“ von Giuseppe Giordani in ihren Bann zog und später mit Enrico Tosellis „Serenada“. Zusammen mit Carreras sang sie Franz Schuberts „Ave Maria“, eigentlich eine als „Ellens dritter Gesang“ komponierte Hymne - ein extrem gefühlvoller Moment. Carreras schien leicht erkältet zu sein, und die einzige falsche Note wurde durch einen kurzen Hustenreiz in Edvard Griegs „T’estimo“ erzeugt. Mit Giacomo Puccinis „Terra e mare“ und „Sole e amore“ endete der erste Teil.

Einfach perfekt

Mit dem bereist beschriebenen Ritual folgen unter anderem im zweiten Teil „Lejana Tierra Mia“, ein Lied von Carlos Gardel aus dem Film „Tango Bar“ (1935) von John Reinhardt, „Intima“ des Mexikaners Tata Nacho, alias Ignacio Fernández Esperón, „Vurria“ von Furio Rendine und das neapolitanische Volkslied „Core ’ngrato“. Byrne sang noch „O mio babbino caro“ aus Puccinis „Gianni Schicchi“ und das „Vilja-Lied“ aus Franz Lehars „Die lustige Witwe“, und zusammen mit dem Meister „Je te veux“ von Erik Satie.

Das Publikum spendete stehend eine herzliche Ovation, ehe noch vier Zugaben folgten, bei denen unter anderem Byrne als Eliza Doolittle meinte „I Could Have Danced All Night“, und sie zusammen mit Carreras dem ganzen Konzert noch ein Sahnehäubchen mit „Lippen schweigen“ aus „Die lustige Witwe“ aufsetzten. Somit hatte das Festival von Wiltz ein absolutes Glanzlicht erlebt, an das sich alle sicher noch Jahrelang erinnern werden. Bravo José, Brava Celine!