HAMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Weltpremiere des Musicals „Das Wunder von Bern“ in Hamburg

Es ist das am meisten erwartete Musical in Deutschland: „Das Wunder von Bern“. Die Show basiert auf dem gleichnamigen Film von Sönke Wortmann aus dem Jahr 2003 und eröffnete nun das vierte Stage-Entertainment-Theater in Hamburg, das Stage Theater an der Elbe in direkter Nachbarschaft zu dem „König der Löwen“. Die Musik komponierte Martin Lingnau, von dem bereits „Heiße Ecke“ und „Der Schuh des Manitu“ stammte, Frank Ramond schrieb die Liedtexte dazu. Gil Mehmert verfasste das Buch und inszenierte die Show.

Deutschland in den Nachkriegsjahren

Die Geschichte auf der Bühne spielt 1954 in Essen und ist gegenüber dem Film nicht verändert worden. Nach Richard Lubanskis (Detlef Leistenschneider) Rückkehr aus zehnjähriger russischer Gefangenschaft verändert sich das Leben seiner Familie. Zuerst erkennt er seine eigene Frau Christa (Vera Bolten) nicht, da er seine Tochter Ingrid (Marie-Anjes Lumpp) für sie hält. Dann distanziert er sich von seinem Sohn Bruno (David Jakobs), der verhasste Rock’n’Roll-Musik spielt und kommunistische Tendenzen zeigt. Am Schlimmsten trifft es seinen elfjährigen Sohn Mattes (Riccardo), der vom Vater komplett ignoriert wird, da er während dessen Inhaftierung auf die Welt kam. Mattes‘ bester Freund ist der Fußballer Helmut Rahn (Dominik Hees), der bei seinem Lieblingsverein Rot-Weiß-Essen kickt. Die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern naht, und Mattes wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein Freund, den alle den „Boss“ nennen, bei den WM-Spielen von Nationaltrainer Sepp Herberger (Michael Ophelders) eingesetzt wird. Der Rest ist Geschichte: Deutschland wird 1954 erstmals Fußballweltmeister, und dieser Sieg schweißt die Familie Lubanski wieder zusammen.

Besser als der Film

Das Musical besticht in erster Linie durch das fantastische Bühnenbild von Jens Kilian, das sich mit jeder Szene sekundenschnell verändert. Das Haus der Lubanskis verschwindet, um dem Café von Christa Platz zu machen. Dann taucht Richard aus dem Dampf einer auf den Bühnenhintergrund projizierten Lokomotive auf, später verwandelt sich die Bühne in ein Fußballstadion oder in das Hotel der deutschen Nationalmannschaft in der Schweiz. Schließlich läuft das Finale Deutschland gegen Ungarn als geniale comicartige Video-Grafik auf dem Bühnenhintergrund, mit deutschen und ungarischen Spielern, die an von der Decke herunter hängenden Seilen auf und ab laufen, Tore schießen oder verhindern. Die Mischung aus reellen Dekors und Videoprojektionen verleiht der Show eine erstaunliche Realität.

Songs mit Hitpotenzial

Die Hauptgeschichte, in der Richard und Mattes zueinander finden, wird von zahlreichen Emotionen getragen. Zum einen werden sie durch die flotten Melodien von Lingnau erzeugt, von denen das Lied „Wunder gescheh’n“ Hitpotenzial hat. Andererseits sorgen wunderbare Schauspieler für die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Besonders der kleine Riccardo überraschte durch seine perfekte Darstellung des Mattes, der sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht als einen Vater.

Humor fehlt ebenfalls nicht, denn dafür sorgen Reporter Paul Ackermann (Andreas Bongard) und seine Frau Anette (Elisabeth Hübert), wie auch noch eine Putzfrau (Jogi Kaiser), die bekannte Sprüche und Phrasen drauf hat, wie „Der Ball ist rund“ oder „Das Spiel dauert 90 Minuten“. Somit ist das Musical besser als der Film, einfach ein Meisterwerk, das man sich nicht entgehen lassen darf.


Tickets und weitere Informationen auf

www.stage-entertainment.de