CLAUDE KARGER

Gestern war der Welttag der Familie. Doch große Aufmerksamkeit bekam dieser 1993 von den Vereinten Nationen proklamierte Tag zur Hervorhebung der Bedeutung der Familie als Grundeinheit unserer Gesellschaft leider kaum.

Obwohl sich besonders in diesen Tagen der Pandemie zeigt, wie wichtig die Bande zwischen Verwandten sind und wie sehr wir den direkten Kontakt mit ihnen in den letzten Wochen vermisst haben. Dieses erste - voraussichtlich sonnige - Wochenende nach der Lockerung der Covid-19-Beschränkungen wird wohl für viele freudige Momente des Wiedersehens sorgen - auch wenn die Schutzregeln gegen eine Virus-Ansteckung die Freude etwas trüben werden.

Dass die außergewöhnliche Lage in den letzten Monaten schwer auf vielen Familien gelastet haben, liegt auf der Hand. Die „Lockdown“-Bestimmungen haben den Alltag quasi über Nacht völlig durcheinander gewirbelt.

Ruckzuck ging es für viele ins Homeoffice, für die Kinder ins Homeschooling. Arbeitsweisen, an die man sich rasend schnell gewöhnen musste. Und wir sprechen hier nicht nur von Technik: Wenn in einer Wohnung mehrere Personen längere Zeit zusammen klar kommen müssen, verursacht das schon ziemlichen Stress, der leider allzu oft auch Gewalt nach sich zieht. Eurofound, die europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, hat in Umfragen herausgefunden, dass eine von fünf Personen mit Kindern unter 12 zuhause von Konzentrationsproblemen bei der Heimarbeit berichtet. A propos „Telework“: Die Pandemie hat sage und schreibe 37 Prozent der Arbeitsplätze in Europa nach Hause verlagert. In Luxemburg sollen es sogar bis zu 58 Prozent sein. Insgesamt hat die Zeit des „Confinement“ mit der diffusen Bedrohung draußen schwer auf den Seelen gelastet. Besonders für kleine Kinder war es schwierig, wochenlang liebe Familienangehörige, Freunde und Schulkameraden nicht zu sehen. Umso wichtiger ist es, vor den großen Ferien noch einmal den Weg in die Schule antreten zu können, eine gewisse „Normalität“ wieder zu finden. Damit bis September zu warten, hätte dann doch viele Bindungen sehr geschwächt... Eine traurige Zeit war es vor allem auch für viele ältere Mitbürger, deren Sozialleben die Pandemie fast ganz unmöglich machte. Langsam dürfen wir wieder aufeinander zugehen und jeden Moment zusammen sollten wir fortan doppelt genießen, nicht wahr? Schwierig wird es freilich für viele sein, die Sorgen beiseite zu lassen, die sich mittlerweile zur Furcht vor einer Ansteckung gesellt haben: Angst vor der Betriebsschließung, Angst vor dem Jobverlust, finanzielle Sorgen, richtige Existenzängste. Die Zentralbank misst regelmäßig das Verbrauchervertrauen. Bereits im März gab es einen heftigen Knacks, im April sackte der Index spektakulär ab. Die Stimmung ist düster, und es wird eine Herkulesaufgabe sein, wieder Vertrauen, Sicherheit und Perspektiven zu schaffen. Eine Aufgabe nicht nur der Politik, sondern aller an der Wiederankurbelung der Wirtschaft und Gesellschaft beteiligten Akteure. Eigentlich unsere aller Aufgabe, uns gegenseitig Halt zu geben. Nicht nur in der Familie.